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Arbeitsunfähigkeit Erwerbsminderungsrente beantragen: Wer sie bekommt

Ob eine schwere Krankheit, Unfall oder psychische Probleme: Wer nicht mehr fähig ist, zu arbeiten, kann die Erwerbsminderungsrente beantragen. Diese gerät aktuell in den Fokus einiger Politiker: Die CDU möchte die Zahlungen aufstocken, die Linke die Abschläge abschaffen, die bei einem vorzeitigen Renteneintritt fällig sind.

Wer schwer erkrankt ist, kann nicht immer bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in Vollzeit arbeiten. Betroffene Arbeitnehmer können eine Erwerbsminderungsrente bekommen und frühverrentet werden. Diese kann als volle Rente ausbezahlt werden oder als Teilrente, wenn Arbeiten im Umfang von mindestens drei bis und weniger als sechs Stunden pro Tag noch möglich sind. Die volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer nach ärztlicher Prüfung täglich weniger als drei Stunden arbeiten kann.

Doch es ist nicht so einfach, die Erwerbsminderungsrente zu bekommen. Außerdem müssen diejenigen, die sie vor dem eigentlichen Rentenbeginn bekommen, mit hohen Abschlägen rechnen.

Erwerbsminderungsrente: Was tut sich hier politisch?

Sabine Zimmermann, Sozialexpertin bei den Linken kritisiert genau diese Abschläge. Sie plädiert einem Bericht der Passauer Neuen Presse zufolge für die komplette Abschaffung der Abschläge, weil niemand freiwillig krank werde. Dezeit müssen Erwerbsminderungsrentner jeden Monat mit Abschlägen von 0,3 Prozent rechnen. Die Abschläge sind insgesamt jedoch auf 10,8 Prozent begrenzt.

Sabine Zimmermann hat eine Anfrage an die Deutsche Rentenversicherung Bund gestellt, um zu erfahren, wie viele Rentner derzeit Erwerbsminderungsrente beziehen: Die aktuellsten Zahlen gibt es nur aus dem Jahr 2014. Damals bezogen 18,4 Prozent der Neu-Rentner eine Erwerbsminderungsrente. In den vergangenen zehn Jahren lag der Wert zwischen 17,3 und 21,5 Prozent.

Die Erwerbsminderungsrenten lagen 2014 bei voller Erwerbsminderung zwischen 628 und 664 Euro im Monat. Die Teilerwerbsminderungsrente lag im Schnitt bei 368 Euro im Monat.

Dem Vorsitzenden des CDU-Arbeitnehmerflügels, Karl-Josef Laumann, sind diese Renten zu niedrig. Er fordert laut rp-online.de eine Aufstockung der Erwerbsminderungsrente und setzt sich ebenfalls für die Abschaffung der Abschläge ein. "Das würde 1,9 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Diese Maßnahme sollten wir bei der nächsten Rentenreform ganz oben auf die Agenda setzen", sagte er und verwies auf die Rentenreform, die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gerade plant. Bis Ende des Jahres will sie ein Konzept vorlegen. Im Fokus: Maßnahmen gegen die Altersarmut.

Wer derzeit eine Erwerbsminderungsrente beantragen will, muss einige Vorausstzungen erfüllen. Die folgenden Fragen und Antworten zeigen, welche das sind und was bei der Antragstellung zu beachten ist.

Wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente?

Die Höhe der Rente berechnet sich individuell aus den bis zum Eintritt der Erwerbsminderung zurückgelegten rentenrechtlichen Zeiten. Bei einem Eintritt der Erwerbsminderung in jungen Jahren wird seit dem Rentenpaket der Großen Koalition aus dem Jahr 2014 mit der sogenannten Zurechnungszeit so getan, als ob noch bis zur Vollendung des 62. Lebensjahrens weitergearbeitet worden wäre.

Bis Juli 2014 galt die Zurechnungszeit nur bis zum 60. Lebensjahr. Durch die Zurechnungszeit werden also zusätzliche Zeiten berücksichtigt, für die keine Beiträge gezahlt wurden. Die Zurechnungszeit wird mit dem Durchschnittswert der bis zum Eintritt der Erwerbsminderung zurückgelegten Versicherungszeiten bewertet und steigert so die Rente.

Seit Juli 2014 werden zudem in den Durchschnittsverdienst des Arbeitnehmers die letzten vier Jahre vor dem Beginn der Erwerbsminderungsrente nicht mehr einbezogen, wenn in dieser Zeit bereits Einkommenseinbußen zu verzeichnen waren, die sich negativ auf die Berechnung auswirken – etwa weil die Arbeitszeit wegen der Erkrankung reduziert wurde.

Darf man trotz Erwerbsminderungsrente etwas hinzuverdienen?

450 Euro sind immer erlaubt, ohne dass es Abzüge bei der Erwerbsminderungsrente gibt, egal ob bei der Voll- oder der Teilrente. Zwei Mal im Jahr dürfen es bis zu 900 Euro sein, damit Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld möglich sind. Wer allerdings mehr dazuverdienen will, muss unter Umständen mit Abzügen rechnen – je nach Umfang des Verdienstes und je nachdem, ob er die volle Erwerbsminderungsrente oder eine Teilrente bekommt.

Die Abzüge werden in Stufen berechnet. Bei der vollen Erwerbsminderungsrente gibt es vier Stufen. Wer mehr als 450 Euro dazuverdient, dem werden je nach Höhe ein Viertel, die Hälfte, drei Viertel oder die gesamte Rente gekürzt. Den Hinzuverdienst sollte man vorher genau berechnen: Manches Mal reicht ein Euro mehr Verdienst, dass man in eine höhere Kürzungsstufe fällt.

Bei der Teilerwerbsminderungsrente gibt es nur zwei Stufen. Je nach Höhe des Hinzuverdienstes kann die Rente auf die Hälfte gekürzt werden oder ganz entfallen.

Informationen über die individuellen Hinzuverdienstgrenzen erhält jeder Betroffene im Rentenbescheid.

Welche Voraussetzungen müssen für die Erwerbsminderungsrente erfüllt sein?

Eine Erwerbsminderungsrente erhalten Erkrankte in der Regel nur, wenn sie mindestens fünf Jahre in die Rentenkassen eingezahlt haben. Außerdem müssen sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Wer zum Beispiel aufgrund einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Familienauszeit längere Zeit keine Beiträge in die Rentenkasse zahlt, verliert unter Umständen seinen Anspruch.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen von den so genannten Wartezeiten. So gelten die Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente beispielsweise für Auszubildende sofort, wenn sie aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit erwerbsgemindert werden.

Wie beantrage ich Erwerbsminderungsrente?

Wer frühverrentet werden möchte, muss einen Antrag bei der Rentenversicherung stellen. Die Krankenkasse kann Beschäftigte auch auffordern, einen Reha-Antrag zu stellen. Dieser Aufforderung müssen sie nachkommen. Wenn ein Gutachter für eine Reha-Maßnahme jedoch keine Erfolgsprognose bescheinigt, wird der Reha-Antrag in einen Rentenantrag umgedeutet.

Was, wenn der Antrag abgelehnt wird?

In jedem Ablehnungsbescheid steht eine Begründung, entweder gibt es medizinische Gründe oder die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Innerhalb eines Monats kann der Antragsteller dann Widerspruch einlegen, muss aber genau begründen, warum er aus seiner Sicht Anspruch auf die Rente hat. Dann gibt es eine erneute Prüfung. Wenn der Betroffenedann wieder eine Ablehnung bekommt, bleibt nur noch der Schritt zur Klage vor dem Sozialgericht.

Zuletzt wurden einem Bericht des Handelsblatts zufolge 42,1 Prozent aller Anträge auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt. dhz

Mehr über die Erwerbsminderungsrente lesen Sie hier.>>>

Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung Bund zu den Hinzuverdienstgrenzen können Sie hier herunterladen.>>>

Der Beitrag wurde am 9. August 2016 aktualisiert.

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