Themenpaket

Meister im Handwerk

Die EU drängt die Mitgliedsstaaten, die Zugangsbeschränkungen für Berufe abzubauen. Angeblich ist die Meisterpflicht damit nicht gemeint, doch die politische Debatte ist in vollem Gange. Sieben Fakten, die für die Meisterqualifikation sprechen.

Das folgende Themenpaket zeigt unter anderem, wie die Weiterbildung zum Handwerksmeister abläuft, welche finanzielle Unterstützung es dafür gibt und wie diese steuerlich abgesetzt werden kann. Lesen Sie welche Vorteile ein Abschluss als Handwerksmeister bringt und was sich aktuell politisch tut.

Fakt 1: Ausbildung als Verpflichtung

Das Handwerk bildet weit mehr Jugendliche aus, als für den eigenen Bedarf erforderlich wäre. Die Ausbildungsquote im Handwerk ist, gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl, mit knapp acht Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Ausbildung bedeutet für das Handwerk gesellschaftliche Verpflichtung, jungen Menschen den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Und sie geben Wissen weiter, damit dies für kommende Generationen nicht ausstirbt.

Fakt 2: Der Meister bildet aus

Es sind die zulassungsbeschränkten Meister-Gewerke (Anlage A der Handwerksordnung), die in Deutschland ausbilden. 95 Prozent der Lehrlinge werden in den Betrieben der 41 zulassungspflichtigen Berufe ausgebildet. Zulassungspflichtig heißt, dass der Betriebsleiter Meister ist oder eine gleichwertige Ausbildung hat. Die qualifikationsbedingte Reglementierung von Handwerksberufen ist also untrennbar mit der hohen Ausbildungsleistung des Handwerks verbunden. Nur fünf Prozent werden demnach in den Anlagen B1 ausgebildet - dabei stellen die beiden Anlagen rund 40 Prozent aller Betriebe.

Fakt 3: Meister-Betriebe leben länger

Betriebsgründungen im zulassungspflichtigen Handwerk sind überdurchschnittlich bestandsfest: Ein Betrieb, der von einem Meister gegründet worden ist, hat im Schnitt eine höhere Lebensdauer als der Betrieb aus einem zulassungsfreien Gewerk. In den zulassungsfreien Berufen machen viele Kleinstbetriebe wieder dicht. "Nach einem kurzfristigen Anstieg der Betriebsgründungen nach der Reform der Handwerksordnung Ende 2003 waren 60 Prozent der Betriebe nach fünf Jahren wieder vom Markt verschwunden", heißt es einer Resolution des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Fakt 4: Der Meisterbrief als Garant für Sicherheit

Eine Meisterqualifikation ist ein Garant für Sicherheit. Stichwort Gefahrengeneigtheit: Wenn die Arbeit des Handwerkers gefährlich ist oder schlechte Arbeit Gefahren nach sich ziehen kann, ist beste Ausbildung vonnöten. Diese Form des Verbraucherschutzes steht im Fokus eines gesamtgesellschaftlichen Interesses. Bau und Lebensmittelhandwerk sind nur zwei Beispiele, wo die Voraussetzungen für Verbraucherschutz durch die Meister-Qualität gegeben sind.

Fakt 5: Ausbildung dual - der Mix macht's

Das Erfolgsmodell für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit wie in Deutschland ist das duale Ausbildungssystem. Die duale Ausbildung durch den Meister im Betrieb bedeutet, dass der Lehrling an drei oder vier Tagen in der Woche (je nach Bundesland) Praxis und Know-how erwirbt. An den anderen Tagen lernt der Azubi in der Berufsschule. Dies ist umso wichtiger, als die Anforderungen in vielen Berufen wachsen.

Fakt 6: Ingenieur statt Meister

Der Meisterbrief ist heute schon nicht mehr die einzige Möglichkeit, einen Betrieb in der Anlage A zu gründen. Erstens dürfen Gesellen nach sechs Berufsjahren ebenfalls einen Betrieb gründen. Zweitens kann ein Ingenieurstudium den Meisterbrief ersetzen, er bringt die fachlichen Voraussetzungen mit. Drittens kann ein Unternehmer einen Betrieb in diesem Bereich gründen oder übernehmen, wenn er einen Meister als Betriebsleiter einstellt.

Fakt 7: Zugang für Ausländer

Der Berufszugang zu zulassungspflichtigen Gewerken ist auch jetzt schon für Ausländer möglich. Der deutsche Meisterbrief kann heute schon ersetzt werden durch bestimmte Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden. Es gibt bereits seit Jahrzehnten zwischenstaatliche Anerkennungsregelungen. Durch die Berufsanerkennungsrichtlinie der EU wurde dies noch einmal forciert.

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