Geigenbaumeister Michael Wenzel widmet sich mit viel Expertise schönen, alten und bewahrenswerten Instrumenten. Auf dem internationalen Markt können diese schon mal sechsstellige Beträge wert sein.

Stecheisen, Schnitzmesser, Feilen und Hobel hängen an der Wand. Auf dem Tisch liegt der zerlegte Korpus einer alten Geige – hier in der kleinen Werkstatt von Michael Wenzel wird historischen Instrumenten wieder neues Leben eingehaucht. Der 52-jährige Geigenbaumeister hat sich auf die Restauration und Klangeinstellung von Violinen, Celli und Bratschen spezialisiert. Auch Neubehaarungen und Reparaturen von Streichbögen sowie Werksauskünfte und Kostenaufstellungen für Versicherungen und Sammler gehören zu seinem Portfolio. In jüngster Zeit baut Wenzel zudem eigene Geigen und Bratschen nach alten Modellen und Vorbildern von Grund auf neu.
Violine aus dem Jahr 1750
Mehr als ein Vierteljahrhundert alt ist die Violine, der sich der Handwerksmeister gerade annimmt. "Das schöne Instrument wurde um 1750 gefertigt und bei Geigenbaumeister Paul Meinel 1897 in Basel repariert", erklärt Michael Wenzel und verweist auf ein entsprechendes Label im Inneren. "Solch eine erstklassige Handwerksarbeit ist auf jeden Fall erhaltenswert", findet der Familienvater. "Alte Instrumente sind zudem vollständig aus Naturprodukten gemacht. Daher kann man diese auch nach mehreren hundert Jahren noch reparieren."
11 Geigenbaumeister im Kammerbezirk
Vor einem Jahr hat Michael Wenzel seine Werkstatt – im Internet unter dem Namen Royal Violins zu finden – in Dresden eröffnet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur renommierten Hochschule für Musik sowie zum Staatsschauspiel und der Semperoper geht der 52-Jährige seinem Handwerk nach. Sein Ziel ist es, ebenfalls die Musiker und Sammler von seinem Wissen, seinen reichhaltigen Erfahrungen und vor allem seinem handwerklichen Können zu überzeugen. Wenzel ist einer von elf Geigenbaumeistern im Kammerbezirk Dresden; 58 gibt es im Freistaat Sachsen. Noch sind seine Auftraggeber hauptsächlich andere Geigenbaufirmen und -werkstätten sowie nationale und internationale Kunden.
Nicht nur Stradivari oder Guarneri
Der Handwerksmeister kann auf viele Jahre Erfahrung zurückblicken. Nach Ausbildung und Meisterstudium 1994 an der Fachhochschule für Instrumentenbau im vogtländischen Markneukirchen arbeitete Wenzel fünfzehn Jahre lang in der Schweiz und im Anschluss noch einmal zwölf Jahre in einer renommierten Werkstatt in Ulm. Zwischendurch führten seine beruflichen Wege ebenso in viele andere Länder wie England, Frankreich, Südkorea und viele mehr. "Da hatte man öfters mal ein Instrument unter seinen Händen, das auf dem Markt sechsstellige Beträge wert ist", berichtet Wenzel. Dabei müsse solch eine Violine nicht einmal von berühmten Geigenbaumeistern wie Stradivari oder Guarneri stammen. "Es gibt viele Instrumente von unbekannteren alten Geigenbaumeistern, deren Arbeiten heute einen großen Wert besitzen und vor allem noch immer klangliche Maßstäbe setzen." Diese seien grundsätzlich jedem industriell hergestellten Instrument vorzuziehen.
Klangholz muss viele Jahre lagern
Für eine Restauration bzw. Klangeinstellung braucht jedes Instrument seine individuelle Betreuung. Während manche Geigen lediglich ein paar wenige Arbeitsstunden benötigen, verbringen andere mehr als ein Jahr in der Werkstatt. Das Holz, das Michael Wenzel für seine neu gefertigten Werkstücke zuschneidet, behutsam in Form biegt und lackiert, ist mindestens zehn Jahre alt. Denn so lang benötigt der Werkstoff, um zu trocknen und auch zur Ruhe zu kommen. Denn nicht jedes Holz eignet sich, um als Klangholz für den Bau von Musikinstrumenten Verwendung zu finden. Klangholz wird viele Jahre lang gelagert und luftgetrocknet, um sicherzugehen, dass möglichst alle Spannungen im Holz abgebaut worden sind.
Es sind umfangreiche Erfahrungswerte wie auch diese, welche der Handwerksmeister immer wieder auch als freier Dozent den Studierenden der Musikhochschule in Markneukirchen mit auf den Weg gibt. Auf dass auch die nächste Generation Feuer und Flamme für das Geigenbauerhandwerk wird.