Geigenbauer Christian Pabst Handwerk, Historie und Hingabe

Die Verbindung zum eigenen Instrument spielt gerade beim Geigenbau eine große Rolle. Streichinstrumente und ihre geschichtliche Entwicklung faszinieren Christian Pabst schon seit langem. 2007 ist der Geigenbaumeister mit seiner Werkstatt in Würzburg angekommen.

Geigenbauer Christian Pabst
Geigenbauer Christian Pabst hat sich auf den Bau historischer Instrumente spezialisiert. - © Felix Hüsch

Wer die kleine Werkstatt in der Semmelstraße betritt, riecht ihn sofort: Einen angenehm süßlichen, holzigen Geruch. Nahezu alles hier besteht aus diesem Material. An der einen Wand stehen hölzerne Regale. An der anderen hängen fein säuberlich aufgereiht, mehrere Geigen von einem Holzbrett, darunter eine urige Hobelbank. Gegenüber hängt eine Korkwand, an der kleine Sägen, Messschieber und weitere Werkzeuge drapiert sind. Inmitten der hufeisenförmig aufgebauten Platten der massiven Werkbank sitzt der Würzburger Geigenbauer Christian Pabst auf einem kleinen Hocker. Seine Brille und eine Tasse Kaffee befinden sich vor ihm auf der schwarzen Arbeitsunterlage. Er hat eine Schreibtischlampe angeknipst und beugt sich mit konzentriertem Blick über die Hölzer, die für ihn die Welt bedeuten.

Von Cremona nach Würzburg

"Das Holz für den Boden, den Hals und die Zargen ist Ahorn und kommt von einem Tonholzhändler, meistens aus der Alpenregion. Für die Decke der Geige nimmt man Fichtenholz", erklärt Pabst. Nach vielen vorherigen Stationen hat er 2007 seine Werkstatt in Würzburg eröffnet und fühlt sich in der fränkischen Stadt am Main inzwischen angekommen. Den Weg in die Selbstständigkeit ging Pabst im italienischen Cremona – der Stadt, deren traditionelle Geigenbaukunst 2012 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt wurde. Das italienische Geigenmekka brachte ihn auch mit Francesco Toto zusammen – einem seiner damaligen Lehrmeister und Mentoren.

Toto oder auch weltberühmte Geigenbauer wie Antonio Stradivari – ebenfalls aus Cremona – haben ihren Teil zur Entwicklung der heutigen Philosophie von Pabst beigetragen. Schon lange und immer noch beschäftigt ihn die Frage, wie die Geige entstanden ist. Seine Arbeit beschreibt er daher als ein Abtauchen in vergangene Zeiten, wobei ihm gerade die Auseinandersetzung mit der sinnlichen Erfahrung des Hörens wichtig ist. "Vielleicht ist es auch die Faszination, mit der Geige etwas Plastisches, Greifbares zu schaffen, um etwas nicht Greifbares – die Musik – zu produzieren", so Pabst.

Barockgeigen, Gamben und Celli

Das Handwerk interessiert ihn, sowie viele andere Vertreter seiner Zunft, vor allem aus geschichtlichen Gründen. Streichinstrumente so zu bauen, wie sie vor rund 200 Jahren gespielt wurden, ist die Quintessenz seines Schaffens. Spezialisiert hat Pabst sich auf den Bau historischer Instrumente. Nach der Entstehung der Geige im beginnenden 17. Jahrhundert hat es ihm besonders der Bau der Barockgeige angetan. Neben der Violine baut und repariert Pabst aber auch andere Streichinstrumente wie Gamben oder Celli.

Es klopft leise an der Tür der Werkstatt. Da Montag ist, hat Pabst eigentlich geschlossen. Er ist aber trotzdem meistens da – irgendetwas gibt es immer zu tun. "Come in, ich grüße dich", sagt er und bittet den Kunden herein. Der stellt seinen Geigenkoffer ab, holt das Instrument heraus und erklärt dem Geigenbaumeister sein Problem. "Kein Problem", antwortet Pabst. "Das leim ich dir, dann kannst du sie heute Nachmittag wieder abholen." Sichtlich erleichtert verlässt der junge Mann die Werkstatt.

Vom Studenten bis zum Profi-Musiker

Auch wenn der Neubau von Instrumenten für Pabst den größten Umsatz bedeutet, sind es oft Reparaturen wie diese, die auf seiner Werkbank stattfinden. Das liegt auch an den zeitlichen Dimensionen eines Geigenbaus. Bis jemand nach Auftragseingang seine fertige Geige in der Hand hält, können ein bis zwei Jahre vergehen. Zwischendrin füllen Reparaturen verschiedenster Art das Tagesgeschäft. Von einer einfachen Instandsetzung bis hin zu komplizierten Arbeitsschritten, um beispielsweise die Klangqualität zu verbessern, ist alles dabei. Auch die Kundschaft ist durchwachsen. Studenten, Hobbymusiker oder auch Profimusiker gehen in der Werkstatt ein und aus. "Manchmal habe ich auch Kunden, die eine wertvolle Geige aus dem Familienbesitz herrichten lassen wollen", erklärt Pabst. Neueinsteiger können außerdem ein Instrument mieten, um es auszuprobieren.

Die musikalischen Werke auf dem Notenständer, neben der Werkbank scheinen für Anfänger jedoch ungeeignet. Der klangvolle Titel "BACH: Sonaten und Partiten" ziert das erste Notenheft. Gehört es sich für einen Geigenbaumeister, sein Instrument perfekt zu beherrschen? "Nein, meine Geigenkünste sind eher Hausmusik", gibt Pabst zu und lacht. "Viele gute Geigenbauer können nicht Geige spielen." Die eigene Musikalität sei eine gute, aber keine zwingende Grundvoraussetzung. Das gilt übrigens auch für Geigenbaumeisterinnen, von denen es immer mehr gibt. Mit Rückblick auf seine Ausbildung und das anschließende Studium im Instrumentenbau vermutet Pabst, dass sich an den Geigenbauschulen inzwischen mehr Frauen als Männer tummeln.

3.000 – 14.000 Euro pro Instrument

Christian Pabst widmet sich wieder der Violine in seiner linken Hand. Normalerweise hört er während der Arbeit gerne Musik oder neuerdings vor allem Hörbücher. In diesem Moment aber ist es fast ganz still. Nur das leise Quietschen des Poliertuchs ist zu hören, mit dem er kreisförmig und druckvoll über den Wirbelkasten rubbelt. Er benetzt den Lack mit Spiritus. Der bringt die betroffenen Stellen wieder zum Glänzen. Der Blick über die Schulter zeigt, dass bei jedem Arbeitsschritt Geduld und Millimeterarbeit gefragt sind. Das ist auch ratsam, wenn man den Wert der Instrumente bedenkt. Die günstigeren Geigen im Atelier beginnen preislich bei etwa 3.000 Euro. Für Modelle von Pabst müssen Kunden aber schon bis zu 14.000 Euro hinlegen. Dabei hängt der preisliche Spielrahmen vor allem mit dem Alter und der Herkunft des Instruments zusammen. "Eine 3.000 Euro-Geige besticht in der Regel nicht durch ihre bauliche oder klangliche Qualität. Die Herkunft ist oft unbekannt oder sie kommt zumindest nicht aus Italien", sagt Pabst und macht sich wieder ans Polieren.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner war die Deutsche Handwerks Zeitung.