Kolumne Wenn die beste Fachkraft trotzdem nicht ins Team passt

Fachlich stark, und trotzdem krachte es nach wenigen Wochen im Team – dieses Muster kennen viele Betriebe, ohne die eigentliche Ursache zu benennen. Steinmetzmeisterin und DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg benennt sie. Und zeigt: Die Antwort beginnt nicht mit der Anzeige – sondern davor.

Fachlich stark, handwerklich eingespielt: Was auf den ersten Blick wie ein gutes Team aussieht, kann trotzdem am falschen Rollengefüge scheitern. - © Tyler Olson - stock.adobe.com

In einem Beratungsgespräch schilderte mir eine Betriebsinhaberin eine Situation, die viele kennen dürften. Eine Stelle war besetzt, fachlich schien alles zu passen, die neue Fachkraft konnte, was sie können sollte. Und trotzdem krachte es nach wenigen Wochen im Team. 

Nicht, weil die Person schlecht war. Sondern weil sie nicht in die Rolle passte, die im Betrieb eigentlich gefehlt hatte. 

Diese Erkenntnis kam erst später. Als wir gemeinsam die neue Stellenanzeige erarbeiteten und nicht nur auf Aufgaben, Qualifikationen und Berufserfahrung schauten, sondern auf die Rolle im Team, sagte die Betriebsinhaberin sinngemäß: Wenn ich das so betrachte, verstehe ich, warum es mit der anderen Besetzung nicht funktioniert hat. Genau hier liegt ein blinder Fleck vieler Stellenanzeigen im Handwerk. 

Der Beruf allein ist keine Stellenbeschreibung

Gesucht wird ein Elektriker, eine Tischlerin, ein Anlagenmechaniker, eine Bürokraft, ein Dachdecker oder eine Steinmetzin. Das ist verständlich. Wenn Arbeit liegen bleibt, Aufträge geschoben werden oder die Kolonne zu klein ist, scheint die Sache klar: Es fehlt jemand mit dem passenden Beruf. 

Nur reicht das oft nicht. Eine Stelle besteht nicht nur aus Fachwissen. Eine Stelle hat immer auch eine Funktion im Team. Und diese Funktion wird in vielen Stellenanzeigen kaum beschrieben. 

Fehlt jemand, der eigenständig mitdenkt? Fehlt jemand, der Ruhe in ein unruhiges Team bringt? Fehlt jemand, der Dinge sauber zu Ende führt? Fehlt jemand, der Verantwortung übernehmen kann? Oder fehlt jemand, der klare Ansagen annimmt und verlässlich umsetzt? 

Das ist kein Beiwerk. Genau daran zeigt sich im Alltag, ob eine neue Fachkraft wirklich passt. 

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Was fehlt, wenn alle dasselbe können

Nehmen wir eine Kolonne mit zwei Menschen, die fachlich stark sind, aber beide klare Ansagen brauchen. Dieses Team kann trotzdem hängen bleiben, wenn niemand dabei ist, der vorausdenkt, strukturiert und den nächsten Schritt sieht. 

Oder nehmen wir ein Team, in dem zwei Menschen ständig neue Ideen haben und begeistert unbekannte Wege ausprobieren. Auch das kann wertvoll sein. Nur braucht es dann jemanden, der Aufträge zum Abschluss bringt und dafür sorgt, dass nicht jede Woche ein neues Fass aufgemacht wird. 

In Stellenanzeigen taucht davon kaum etwas auf. Dort stehen dann "teamfähig", "motiviert" und "zuverlässig". Wörter, die kaum zeigen, was im Betrieb wirklich gebraucht wird. 

Die entscheidende Frage vor der Suche

Eine gute Stellenanzeige beginnt deshalb nicht mit schönen Formulierungen. Sie beginnt mit der Frage: Welche Rolle fehlt unserem Team? 

Wer diese Frage nicht beantwortet, sucht oft zu allgemein. Dann kommt vielleicht eine hervorragende Fachkraft. Nur landet sie an der falschen Stelle im Gefüge. Die Folge sind Reibung, Enttäuschung und irgendwann der Satz: "Das hat irgendwie nicht funktioniert."

Dabei hätte man vieles vorher klarer sehen können. Im Handwerk wissen wir sehr gut, dass gutes Arbeiten vom Zusammenspiel lebt. Auf der Baustelle, in der Werkstatt, im Büro. Niemand arbeitet allein im luftleeren Raum. 

Warum suchen wir dann oft so, als ginge es nur um einen Berufsabschluss? Die beste Fachkraft bringt wenig, wenn sie im Team die falsche Rolle einnimmt. Und eine gute Stellenanzeige erkennt man daran, dass sie nicht nur beschreibt, was jemand können muss, sondern auch, welchen Platz dieser Mensch im Betrieb ausfüllen soll. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.