Bäckerei vom Virus überrollt Corona-Ausbruch mit Folgen: "Wir sind jetzt sehr ängstlich"

Bäckermeister Julian Kasprowicz war gut vorbereitet. Das Corona-Virus schaffte es trotzdem, sich in seinem Betrieb zu verbreiten – mit tragischem Ausgang. Über die gesundheitlichen, ­sozialen und wirtschaftlichen Nachwehen eines Ausbruchs.

Bäckermeisterk Julian Kasprowicz
Trotz moderner Lüftungstechnik und strenger Hygieneregeln verbreitete sich in der Produktion von Bäckermeister ­Julian Kasprowicz das Corona-Virus rasend schnell. - © privat

Julian Kasprowicz ist Corona-Experte wider Willen. Ende Januar dieses Jahres musste der Bäckermeister aus dem oberbayerischen Pähl seinen Betrieb für zwei Wochen stilllegen. 16 seiner 40 Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung hatten sich mit der hochansteckenden britischen Variante von Covid infiziert. Auch er selbst, seine Frau und seine beiden Kinder waren krank, mit mildem Verlauf.

Tragischer Ausgang des Corona-Ausbruchs in der Bäckerei

Seinen Vater, den 68-jährigen Firmengründer Fritz Kasprowicz, traf es schwerer. Der Bäckermeister lag drei Wochen auf der Intensivstation. "Am schlimmsten aber war das Schicksal unseres Konditors. Seine hochschwangere Frau wurde krank. Das Baby hat überlebt, sie ist gestorben."

Diese Erfahrung hat sich bei Kasprowicz tief eingeprägt.
"Das war ein brutaler Schlag", sagt der 32-Jährige. Der Ausbruch im Betrieb sei trotz ausgefeilten Hygienekonzepts entstanden. Erst im Sommer 2020 hatte der Betriebswirt des Handwerks seine neue gläserne Produktion in Pähl mit Hygieneschleusen, Luftaustauscher und reichlich Platz für Sicherheitsabstände eröffnet.

Shitstorm nach Corona-Ausbruch in sozialen Medien

Gerade weil er so viel Wert auf Hygiene gelegt hatte und seine Mitarbeiter wegen der FFP2-Maskenpflicht regelrecht getriezt habe, sei er von den Reaktionen auf den Ausbruch tief getroffen gewesen. Kasprowicz sagt: "In den sozialen Medien haben wir einen richtigen Shitstorm bekommen, denn es gab ältere Fotos eines Mitarbeiters, der die Maske nicht richtig trug."

Heute reagiere er sehr sensibel, wenn es um Corona geht. Er habe die Sorge, dass es wieder losgehen könnte, zumal die aktuell grassierende Delta-Variante als noch ansteckender und gefährlicher gilt als ihre Vorgängerinnen und die jüngst entdeckte Omikron-Variante diese möglicherweise noch übertrifft.

"Wir sind jetzt sehr ängstlich. Permanent haben wir das Gefühl: Es geht schon wieder los."

Julian Kasprowicz, Bäckermeister

Zwei Mitarbeiter leiden an Long Covid

Bis heute leiden zwei von Kasprowicz’ Mitarbeitern an Long Covid. Eine Mitarbeiterin ist nach wie vor in ärztlicher Behandlung wegen ihrer Kopfschmerzen und der Kurzatmigkeit und sie kann nicht mehr so viel arbeiten wie früher.

Auch der Senior-Chef Fritz Kasprowicz fühlt sich nicht mehr fit genug, um noch in der Produktion mitzuarbeiten. Bis zu seiner Erkrankung war er noch ein, zwei Tage pro Woche in der Bäckerei.

Der menschliche, aber auch der wirtschaftliche Schaden eines Corona-Ausbruchs wie in Pähl ist gewaltig. Kasprowicz, der sich für den Neubau seiner Produktion mit 13,5 Millionen Euro verschuldet hat, verlor durch die zweiwöchige Betriebsschließung Umsätze in Höhe von 500.000 Euro.

Sorge um Arbeitsplätze nach Corona-Ausbruch

Die Mitarbeiter fürchteten um ihre Arbeitsplätze, sie fragten, ob die Firma das überleben könne. Und auch Kasprowicz sorgte sich: Wie hoch würde der Imageschaden sein, würden die Kunden zurückkommen? 250.000 Euro zusätzliche Schulden nahm er über die Kreditanstalt für Wiederaufbau auf, um Personalkosten, offene Rechnungen und den Kapitaldienst während der Schließung zu bezahlen.

Mittlerweile sei es wirtschaftlich wieder etwas entspannter. Der Betrieb habe sein altes Niveau wieder erreicht, wenn auch die zwei Wochen fehlen. "Aber die ganze Situation belastet."