Handwerker sichern Haustechnik in Kliniken Wie ein Elektriker die Arbeit auf der Corona-Station erlebt

Die Zahl der Covid-Patienten steigt, in den Krankenhäusern arbeiten Ärzte und Pflegekräfte am Anschlag. Das spüren auch Handwerker, die zur ­Versorgung der Patienten beitragen. Elektriker Uwe Schmerling schildert seine Eindrücke vor Ort.

Beatmungsgerät auf Covid-Station
Handwerker arbeiten auch auf Corona-Stationen. Denn Medizintechnik wie dieses Beatmungsgerät nützt den Patienten nichts, wenn die Haustechnik versagt. - © privat

Wenn das Smartphone klingelt, muss es schnell gehen, auch nachts. "Was nützt ein millionenschweres medizinisches Gerät, wenn sich die Tür zu dem Raum nicht öffnen lässt?", kommentiert Elektriker Uwe Schmerling seine Rufbereitschaft.

Er und seine Kollegen von der HOST-GmbH kümmern sich am Universitätsklinikum Frankfurt/Main rund um die Uhr darum, dass die Haustechnik funktioniert.

Stadt in der Stadt

Knapp 2.000 Krankenhäuser gibt es in Deutschland. Im technischen Dienst dort arbeiten etwa 18.000 Menschen. Zusätzlich kommen zahllose Handwerker von außen in die Häuser, um die Anlagen auch während des laufenden Betriebs instandzuhalten und zu warten.

Allein das Frank­furter Uniklinikum zählt mehr als 70 Gebäude, eine Stadt in der Stadt, die mit Licht, Luft, Strom, Wärme, Kälte, Wasser und Gas versorgt sein muss – auch auf der Corona-Station. "Wenn wir dorthin gerufen werden, steht an der Eingangsschleuse Personal, das uns in die Schutzmaßnahmen einweist", erklärt Schmerling.

Wie das medizinische Personal müssen auch die Handwerker Schutzkleidung tragen, wenn sie die Station betreten. Sicht und Bewegungsmöglichkeiten seien durch diese Ausrüstung sehr eingeschränkt, es sei heiß und unter diesen Bedingungen schwierig, handwerklich zu arbeiten, gibt der 60-Jährige zu. Für andere Kollegen, die sich beispielsweise um die Lüftungstechnik kümmerten, sei das allerdings noch anstrengender als für die Elektriker.

Je mehr Covid-Patienten, desto mehr Einsätze

Und immerhin: Die Handwerker können nach getaner Arbeit die Station wieder verlassen und die Schutzkleidung ablegen, anders als die Pflegekräfte. Trotzdem sei man froh, wenn man da nicht oft hin müsse, so Schmerling. Im Sommer, als die Corona-Fallzahlen niedrig waren und die Betten nicht voll belegt, wurde das Elektrikerteam ein- bis zweimal pro Woche auf die Corona-Station gerufen. Jetzt sind es wegen der stärkeren Belegung wieder mehr Einsätze.

Gerade in hektischen Situationen entstünden in Kliniken oft Schäden, beispielsweise weil das Pflegepersonal mit einem der großen Betten gegen eine automatische Tür stößt und diese dann blockiert. Wenn das medizinische Personal dann anruft, muss es schon am Telefon eine genaue Fehlerbeschreibung geben, damit die Handwerker einschätzen können, welches Werkzeug sie brauchen werden.

Wertvolle Handwerksarbeit im Hintergrund der Covid-Stationen

Jedes Teil, das sie mitnehmen, muss vorher desinfiziert sein. Denn bei den Schutzmaßnahmen geht es nicht nur darum, dass sich die Handwerker selbst absichern. Es dürfen auch keine Keime zu den ohnehin geschwächten Patienten gelangen. "Sauberkeit und Reinigen sind bei uns das A und O. Wir schwimmen jeden Tag in Sterilium und Seife", sagt Schmerling.

Der Elektriker denkt oft an die vielen Handwerkskollegen, die überall im Hintergrund die Kliniken am Laufen halten. Er liebe diese Arbeit: "Die Nähe zu den Patienten lässt einen nicht kalt. Wir bekommen sämtliche Gefühlswelten hautnah mit. Wir haben jeden Tag mit dem Tod zu tun und mit weinenden Angehörigen. Aber wir erleben eben auch die Freude im Kreissaal mit, wenn ein Kind gesund geboren wurde. Da weiß man, wie wertvoll Leben ist."