Long Covid und Post Covid Handwerker mit Long Covid: Die Krankheit nach der Krankheit

Kurzatmigkeit, Schmerzen, große Erschöpfung – die Liste der Symptome von Long Covid ist lang. Der Leidensweg der Betroffenen auch. Wie ein Handwerker das erlebt.

erschöpfter Mann auf dem Sofa
Bei Patienten mit Long Covid reicht die Energie oft nur noch für den Weg bis zum Sofa. - © polkadot - stock.adobe.com

Als Thomas Bednarz (Name geändert) im November 2020 an Covid erkrankte, dachte er, er hätte Glück gehabt. Der gelernte Schlosser und Maschinenbautechniker hatte nur milde Symptome; etwas Halsschmerzen, leichtes Fieber, später den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. "Alles auszuhalten", sagt der 59-Jährige. "Dann, als die Quarantäne endete, wollten meine Frau und ich zum ersten Mal eine Runde drehen. Schon nach vier-, fünfhundert Metern haben sich meine Beine angefühlt wie aus Watte. Ich konnte nicht mehr", erinnert sich der Handwerker.

Long Covid - erschöpft nach 400 Metern

Vor der Krankheit war der Hesse immer gut zu Fuß gewesen. Als Vorarbeiter in seinem Betrieb war er ständig auf den Beinen. Die plötzliche Schwäche schob er auf das 14-tägige Nichtstun während der Krankheit. Doch auch nach Tagen, Wochen und Monaten kehrte die Kraft nicht zurück; stattdessen kam eine Konzentrationsschwäche hinzu. Seit nunmehr einem Jahr hat sich sein Zustand nicht gebessert, an Arbeiten ist nicht zu denken.

Long Covid ist für jeden anders

Etwa zehn bis 15 Prozent der Erkrankten leiden in den ersten acht Wochen nach der Infektion unter einem oder mehreren Symptomen von Long Covid: Müdigkeit (Fatigue), schnelle Erschöpfung, Denk- und Konzentrationsstörungen (Brain Fog), Kurzatmigkeit, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, Brust- und Gelenkschmerzen oder psychische Einschränkungen wie Depression und Schlafstörungen.

Nach acht Wochen sinkt die Zahl der Betroffenen auf etwa fünf Prozent, nach zwölf Wochen leiden noch gut zwei Prozent an Langzeitfolgen (vorläufige Angaben der Patientenleitlinie Post-Covid/Long-Covid). Am häufigsten erkranken 30- bis 50-Jährige, eher Frauen als Männer, eher sozial Benachteiligte und eher Menschen mit chronischen oder psychischen Vorerkrankungen, Raucher und stark Übergewichtige. Manche erholen sich gar nicht erst von den ursprünglichen Covid-Symptomen, bei anderen kommen die Symptome nach einer scheinbaren Genesung zurück oder es treten neue Krankheitszeichen auf.

Long Covid auch nach leichtem Verlauf

Ein leichter Verlauf wie bei Thomas Bednarz ist kein Garant gegen Langzeitfolgen. Schwer erkrankte Covid-Patienten haben aber ein höheres Risiko für Long Covid. Die Statistik des wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, dass im Krankenhaus behandelte Covid-Patienten in den neun Folgemonaten nach der akuten Phase viermal so oft krankgeschrieben sind wie der Durchschnitt aller Beschäftigten.

Nur ein Drittel der Menschen, die langfristig unter Beeinträchtigungen leiden, gehen zum Arzt, zeigt eine Befragung der IKK Südwest. Und den wenigsten können die Ärzte nach Angaben dieser Befragten helfen.

So erging es auch Thomas Bednarz. Alle Untersuchungen blieben bisher ohne Befund. Auch eine Post-Covid-Sprechstunde brachte ihn nicht weiter. Man sagte ihm, er solle sich nach Möglichkeit körperlich betätigen. "Aber wenn ich zu weit laufe, muss meine Frau das Auto holen, weil ich es nicht zurück schaffe", sagt Bednarz ratlos. Allmählich verliere sein Umfeld die Geduld.

Jetzt setzt er seine Hoffnung auf eine Reha. "Ich kenne auch Fälle von Gleichaltrigen, die die Krankheit nicht überlebt haben. Verglichen damit bin ich ja noch gut dran. Aber das alte Leben ist es auch nicht."

Wohin sich Long Covid-Patienten wenden können

Das Bundesgesundheitsministerium bietet über die Plattform "Zusammen gegen Corona" klar strukturierte Informationen: Zusammen gegen Corona.

Die Weltgesundheitsorganisation hat im Oktober eine offizielle Definition von Post Covid veröffentlicht, der englische Text im Download hier.

Ein Überblick über Studien zu Corona-Langzeitfolgen haben die Median-Kliniken zusammengetragen.

Das Universitätsklinikum Charité in Berlin hat eine Post-Covid-Fatigue-Sprechstunde.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF hat Leitlinien zu Covid 19 erstellt.

Eine Betroffenen-Initiative hat auf der Webseite Long Covid Deutschland wichtige Informationen gebündelt. Hier sind auch Anlaufstellen in Ambulanzen, Selbsthilfegruppen und Reha-Einrichtungen aufgelistet.

Der Unterschied zwischen Long Covid und Post Covid

Von Viruserkrankungen erholen sich manche Patienten relativ langsam. Das ist beispielsweise vom Pfeifferschen Drüsenfieber bekannt. Bei Covid-19 scheint dies aber besonders häufig der Fall zu sein und besonders lang anzuhalten, wobei die Zahl der Betroffenen je nach Studie stark schwankt. Bei manchen Patienten gehen die Covid-19-Symptome direkt in Long Covid über. Andere sind scheinbar genesen und dieselben oder auch ganz neue Symptome treten erst mit Zeitverzögerung auf.

Von Long Covid spricht man im Zeitraum von vier bis zwölf Wochen nach der akuten Erkrankung, danach von Post Covid.

Zu den häufigsten Symptomen zählen Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit und kognitive Einschränkungen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen.

Insgesamt listet die Weltgesundheitsorganisation folgende 25 verschiedene Symptome auf, die einzeln oder in Kombination erscheinen können und die sich nicht durch andere Diagnosen erklären lassen.

  • Bauchschmerzen
  • Menstruationsbeschwerden und Probleme mit der Periode
  • Veränderungen des Geruchs- oder Geschmackssinns
  • Ängste
  • Sehstörungen
  • Brustschmerzen
  • Kognitive Beeinträchtigungen (Brain Fog = Gehirnnebel)
  • Husten
  • Depressionen
  • Schwindel
  • starke Erschöpfung (Fatigue)
  • Fieberschübe
  • Verdauungsprobleme (Durchfall, Verstopfung, Reflux)
  • Kopfschmerzen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen und -krämpfe
  • Neuralgien
  • Neu auftretende Allergien
  • Empfindungen wie Nadelstiche
  • Post exertional malaise (eine Verschlimmerung aller Symptome nach körperlicher Aktivität)
  • Kurzatmigkeit
  • Schlafstörungen
  • Tachykardie (Herzrasen), Herzklopfen oder Herzstolpern
  • Tinnitus und Hörstörungen