Lebensmittelhandwerk Verpackungsmüll vermeiden: Diese Neuerungen bringt das Jahr 2022

Seit dem 1. Januar 2022 greift ein Verbot von Einwegplastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometer. Mitte 2022 folgt eine weitere Neuerung für weniger Verpackungsmüll. Das steckt hinter den neuen Verboten und Vorgaben.

Verpackungsmüll vermeiden ist auch 2022 ein wichtiges Thema
Verpackungsmüll vermeiden ist auch 2022 ein wichtiges Thema. - © Annett Seidler - stock.adobe.com

Seit 1. Januar 2022 gibt es in Tübingen eine neue Steuer auf Plastikverpackungen. Wer Plastikbesteck, Becher oder Teller aus Kunststoff in den Umlauf bringt, muss mit den Verpackungen auch eine Abgabe an die Stadt bezahlen – pro Speise maximal 1,50 Euro. Zwar sind diese Regelungen auf Tübingen begrenzt. Eine Verpackungssteuer ist bundesweit nicht vorgesehen. Seit 2022 kommen aber grundsätzlich für alle, die Einwegverpackungen beim Verkauf von Speisen und Getränken nutzen, Neuerungen zu.

Zu viel Verpackungsmüll: 2022 mehr Produkte aus Einwegplastik im Fokus

Die Menge an Verpackungsmüll von Endverbraucher und Wirtschaft sind in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Statistik des Umweltbundesamts (UBA) zeigt einen Wert von knapp 19 Millionen Tonnen im Jahr 2019. Um dagegen vorzugehen, hat bereits die letzte Bundesregierung Regelungen in Kraft gesetzt, die vor allem Einwegplastik-Verpackungen verbieten oder zumindest deren Gebrauch einschränken soll. Sie stehen im Verpackungsgesetz; außerdem regeln EU-Vorgaben Verbote von Plastikverpackungen. Genau diese geben auch für das Jahr 2022 Neuerungen vor, die die Verpackungsflut weiter senken sollen.

Seit Juli 2021 greift bereits ein Verbot bestimmter Produkte aus Einwegkunststoff wie Strohhalme und Plastikbesteck. Zwar dürfen Betriebe Restbestände davon noch aufbrauchen, sofern sie vor dem 3. Juli 2021 in Verkehr gebracht wurden. Für neue Produkte aus Einwegplastik – auch die aus abbaubarem Biokunststoff – gilt jedoch ein Verbot, sie in den Umlauf zu bringen.

Wegwerfprodukte brauchen Kennzeichnung

Im Lebensmittelhandwerk betrifft die Regelung vor allem Strohhalme, Einwegbesteck und -geschirr sowie Becher aus Styropor. Für andere Einwegbecher und weitere Produkte aus Kunststoff gilt auch seit Juli 2021 eine Kennzeichnungspflicht. Diese greift insbesondere für Bäckereien, die Kaffee im Außer-Haus-Verzehr im Coffee-to-go-Becher anbieten. Auch hier dürfen die Betriebe bereits beschaffte Restbestände aufbrauchen. Die Kennzeichnung erfolgt in Form von Symbolen. Hier können Beispiele eingesehen werden, die die Europäische Kommission vorgibt.>>>

Seit 1. Januar 2022 gelten weitere Regelungen, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Am 1. Juli 2022 treten zudem erneut Neuregelungen in Kraft, die helfen sollen, dass weniger Einwegplastik mit den Waren verkauft wird:

Weniger Verpackungsmüll zum 1. Januar 2022: Neue Pflichten und Verbote

Seit dem 1. Januar 2022 greift ein Verbot von Einwegplastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometer. Wie dick die Tüten sind, hat bei der Regelung eine besondere Relevanz, denn sowohl dickere als auch dünnere Plastiktüten bleiben erlaubt. Tüten mit einer dickeren Wandstärke lassen sich mehrmals verwenden. Für die ganz dünnen Plastiktüten – die sogenannten Hemdchenbeuten – die man etwa aus dem Gemüsehandel kennt, sowie für Tüten für Fertigverpackungen gilt kein Verbot. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks dürfte es durch das Verbot in Bäckereien allerdings schwieriger werden, beispielsweise Brot mit kantiger Kruste zu verpacken. Dafür nutzen Bäckereien unter anderem Einwegplastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometer.

Seit dem 1. Januar 2022 sieht das Verpackungsgesetz außerdem neue Nachweispflichten bei Transportverpackungen vor. Konkret nimmt es dabei diejenigen in die Pflicht, die verpackte Waren ausliefern. So gilt, dass Transportverpackungen dem Lieferanten dann wieder mitgegeben werden können – etwa beim nächsten Liefertermin. Mit der Regelung gilt aber auch die Vorgabe, dass die Rücknahme nachverfolgt werden können muss. Die Lieferanten – also auch Bäcker, Metzger oder Konditoren, die Waren in Transportverpackungen ausliefern – müssen die Kunden über die Regelungen informieren und dokumentieren, wenn sie die Verpackungen zurücknehmen.

Diese Regelungen für weniger Verpackungsmüll gelten ab 1. Juli 2022

Ab 1. Juli 2022 bekommen die Nutzer von sogenannten Serviceverpackungen neue Registrierungspflichten bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister. Serviceverpackungen sind die Verpackungen, die erst direkt vor dem Verkauf befüllt werden wie Eisbecher, Pizzakartons und auch Brötchentüten und Einschlagpapier für Brot beim Bäcker oder Aluschalen für warme Gerichte beim Metzger. Auch wenn für all diese Verpackungen meist der Verpackungshersteller schon eine Lizenz bezahlt hat, muss genau dies der Nutzer nachweisen und sich ebenfalls registrieren.

Neu ab 1. Juli 2022 ist außerdem, dass die Ausweitung der Pfandpflicht auf kunststoffhaltige Einweggetränkeflaschen, Getränkebehältnisse und Getränkedosen dann unmittelbar greift. Zwar ist die Pflicht an sich bereits zum 1. Januar in Kraft getreten, aber bis 1. Juli gilt eine Übergangs- bzw. Abverkaufsfrist der Getränke ohne Pfand. Ausgeweitet wird die Pfandpflicht dann auf Flaschen und Dosen, die mit Fruchtsaft (ohne Kohlensäure) befüllt sind. Für Milch und Milcherzeugnisse gilt die Pfandpflicht erst ab 1. Januar 2024.

Auch für sie gilt dann ein Einwegpfand und sie müssen zurückgenommen werden. Da auch Betriebe des Lebensmittelhandwerks oftmals Getränke verkaufen, müssen sie sich darauf einstellen, Pfand zu verlangen und Flaschen und Dosen zurückzunehmen. Der Bäckerverband weist darauf hin, dass dies auch neue Anforderungen an die Hygiene mit sich bringt. Die Pfandverpackungen sollten separat und abseits der frischen Produkte gesammelt werden.

Ab 2023 Pflicht zur Mehrweg-​Alternative

Noch weiter geht es mit den neuen Pflichten, um Verpackungsmüll zu reduzieren, im Jahr 2023. Dann müssen Betriebe für Außer-Haus-Speisen und -Getränke immer eine Mehrwegvariante anbieten. Der Bäckerverband nennt als Beispiel für die Folge in der Praxis: "Verkauft eine Bäckerei dann zum Beispiel einen Kaffee im Pappbecher, muss sie Kunden offerieren, den Kaffee zum gleichen Preis auch im Mehrwegbecher kaufen zu können." Zwar können Betriebe auch anbieten, Kaffee in einen mitgebrachten Becher einzufüllen. Die gesetzlichen Pflichten sind damit nach den aktuellen Plänen aber nicht erfüllt. Eine Mehrweg-Alternative muss auch ohne mitgebrachten Becher angeboten werden.

Doch es sollen Ausnahmen für kleine Betriebe gelten. Der Zentralverband macht sich nach eigenen Angaben dafür stark, dass Bäckereien hierbei einbezogen sind. "Noch muss das Bundesumweltministerium allerdings klären, inwiefern die Ausnahme auf Unternehmensfilialen angewandt werden kann", heißt es in einem Schreiben dazu des Bäckerverbands. Dieser appelliert auch an die Verbraucher, dass diese ihr Verhalten ändern müssen – etwa hin zur Nutzung von Mehrwegbechern. Dann müssten nicht immer neue gesetzliche Pflichten greifen.