Verpackungsgesetz und Hygieneregeln Mehrwegpflicht für Metzger: Ohne Verpackung geht schon jetzt

Ab 2023 müssen alle, die Speisen für unterwegs in Einwegverpackungen anbieten auch eine Mehrweg-Alternative dafür bereitstellen. Die Mehrwegpflicht gilt auch für Fleischereien. Doch Mehrwegverpackungen sind auch jetzt schon ein Thema der Branche. Meist als Boxen beim Fleisch- und Wursteinkauf – mitgebracht von Kunden oder als Angebot der Betriebe. Wie das funktioniert, zeigen diese Beispiele.

Mehrwegpflicht beim Metzger
Metzgereien bieten oftmals die Möglichkeit an, dass Kunden ihre eigenen Boxen mitbringen, die dann befüllt werden - auch ohne Mehrwegpflicht. - © U. J. Alexander - stock.adobe.com

Wer seine eigene Tupperdose an der Fleischtheke befüllen lässt und damit die Einwegverpackung vermeidet, kommt dem Gesetzgeber zuvor. 2023 kommt eine neue Mehrwegpflicht – voraussichtlich auch für Metzgereien, die warme Speisen zum Mitnehmen anbieten. Wie auch Lieferdienste und Restaurants sollen sie dann verpflichtet sein, Mehrweg-Behälter als Alternative zu Einwegplastik anzubieten. Die Details der neuen Mehrwegpflicht stehen zwar noch nicht fest, aber schlau ist der Anbieter, der sich schon jetzt auf die Alternativen vorbereitet.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) rechnet damit, dass die Änderung des Verpackungsgesetzes dann noch mit genauen Hinweisen zur Umsetzung ergänzt wird. "Entscheidende Punkte werden insbesondere die Rücknahme ausgegebener Verpackungen und die richtige Reinigung sein", sagt Thomas Trettwer, Justiziar beim DFV. Außer Frage stehe, dass dies hygienisch einwandfrei umgesetzt werden muss. "Die damit einhergehende Logistik und die Eingliederung in die betrieblichen Hygieneabläufe werden davon abhängen, ob ein Unternehmen die Umsetzung selbst durchführt oder ob die Möglichkeit besteht, sich einem Anbieter eines entsprechenden Mehrwegsystems anzuschließen", erklärt er und weist beispielsweise auf größere Unternehmen mit mehreren Filialen oder in Ballungsgebieten hin.

Mehrwegpflicht für Metzger nur beim Außer-Haus-Verzehr

Die Mehrwegpflicht betrifft laut Trettwer dann Unternehmen, die Gerichte zum unmittelbaren Verzehr in Einwegkunststofflebensmittelverpackungen anbieten. Sie müssen ab 2023 zusätzlich auch Mehrwegoptionen bereithalten. Spezielle Hygienevorgaben gibt es für das Befüllen von Mehrwegboxen – egal, ob sie der Kunde mitbringt oder von der Fleischerei bekommt – bislang nicht. "Die Einhaltung der allgemeinen Vorgaben der guten Hygienepraxis sind ausreichend", sagt der Rechtsexperte.

Mehrweg beim Metzger
Mehrweg-Systeme funktionieren auch beim Metzger: Die Fleischerei Merte stellt ihren Stanmmkunden Boxen zur Verfügung, die immer wieder befüllt werden. - © Fleischerei Merte

In der Praxis erleben Fleischereien es derzeit wieder häufiger, dass Kunden eigene Boxen mitbringen, in die sie Fleisch- und Wurstwaren füllen lassen. Unverpackt einkaufen wird beliebter. Viele erkennen den Nutzen für die Umwelt, wenn Plastik eingespart wird. Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es dafür aber einen Dämpfer – aus Verunsicherung der Verbraucher und wegen geltenden Kontaktbeschränkungen. "Die Hygienevorschriften haben vor allem in der Anfangszeit dafür gesorgt, dass plötzlich wieder viel mehr Verpackungen gefragt waren. Keiner wollte etwas Unverpacktes kaufen oder verkaufen", sagt Bernd Willmes von der Metzgerei Merte in Schmallenberg im Sauerland. Auch er hat seine Mehrwegboxen, die er seinen Kunden schon seit einigen Jahren anbietet, erst einmal wieder aus dem Laden genommen. Die Verunsicherung sei zu groß gewesen.

Nun beginnt er aber wieder damit, seine Fleisch- und Wurstwaren in Boxen verschiedener Größe anzubieten – ohne Pfand oder Aufpreis und in verschiedener Größe. Bernd Willmes möchte damit selbst etwas gegen die Verpackungsflut tun und auch seine Kunden nutzen die Boxen gern und bringen sie gereinigt wieder mit beim nächsten Einkauf.

Mehrwegpflicht: Nicht Metzger, sondern Verbraucher sollen aktiv werden müssen

Anders lief es während der Pandemie in der Fleischerei Martin in Trier. Dort akzeptieren die Mitarbeiter hinter der Fleischtheke Mehrwegboxen von Kunden – ohne Corona-Pause – und bieten eigene Pfandboxen an. Mittlerweile sind es rund 25 Prozent der Kunden, die so unverpackt einkaufen. "Das sind zwischen 200 und 300 Kunden, die die Boxen nutzen", sagt Kai Leonhardt, der Geschäftsführer der Metzgerei. Er berichtet von einer steigenden Nachfrage nach den Boxen. Die künftige gesetzliche Mehrwegpflicht sieht er allerdings etwas skeptisch: "Nicht die Betriebe müssen verpflichtet werden, sondern der Verbraucher. Er bestimmt einzig und allein durch sein Einkaufsverhalten, wie viel Billigfleisch, Tierleid und Einwegmüll produziert wird."

Mehrweg beim Metzger
Besonders wichtig war Kai Leonhardt von der Fleischerei Martin, dass seine Mehrweg-Boxen langlebig sind und recycelbar. - © Fleischerei Martin

Die Fleischerei Martin hat mit den Pfandboxen im Jahr 2019 begonnen – und das sowohl bei den Kunden im Laden als auch bei Großkunden wie Restaurants und Kliniken. Kai Leonhardt geht in seiner Fleischerei dabei aus Überzeugung vor, denn für seinen Betrieb ergibt sich ein höherer Aufwand durch das Mehrwegsystem als beim Einsatz von Einweg-Plastikverpackungen. Er spült die Boxen selbst und die Kunden bekommen bei jedem Einkauf eine neue Box. Doch er kommt über die Boxen auch mit den Kunden ins Gespräch und wie er berichtet, lohnt es sich auch, dass er "nicht mehr die Bauchschmerzen beim Anblick der vielen Verpackungen hat".

Mehrwegpflicht: Für Metzger nicht bei Fleisch- und Wurstwaren

Ob Mehrwegboxen aus dem eigenen Betrieb oder die der Kunden: Klar ist einerseits, dass das Thema auch für Metzgereien wichtiger wird. Andererseits richtet die Politik den Fokus bislang nur auf die sogenannten Take-away-Gerichte und nicht auf Fleisch- und Wurstwaren für den Verzehr zuhause. Für Letztgenanntes stehen keine verpflichtende Mehrwegangebote an. Dabei kommen die Erfahrungen der Fleischer bis heute quasi ausschließlich aus diesem Bereich.

Bernd Willmes versucht aber auch für die Speisen to go schon jetzt möglichst wenig Verpackung mitzugeben. "Und keine Aluschale in einer Tüte, die dann nochmals in eine Tüte gestellt wird", wie er es manches Mal sieht. Wer bei ihm in der Fleischerei etwas isst, bekommt auch einen Teller aus Porzellan und keinen aus beschichteter Pappe oder Ähnliches. Der Geschäftsführer sieht dennoch, dass zur Nutzung der Boxen eine gewisse Überzeugung gehört – beim Unternehmen und beim Kunden. "Es gehört aber mehr zum nachhaltigen Handeln als nur diese Boxen. Außerdem finde ich es wichtig, dass Verbracuehr erkennen, dass ein Einkauf in der Handwerksfleischerei fast immer weniger Müll produziert als im Supermarkt und dass derjenige, der Fleisch aus artgerechter Haltung anbietet auch damit etwas zum Klimaschutz beiträgt."

Mehrwegboxen vom Kunden: Diese Hygieneregeln sind wichtig

Für die Mehrwegboxen hat der Fleischermeister einst einen vierstelligen Betrag in die Hand genommen. Betriebe, die dies nicht leisten können oder wollen, können auch einfach verstärkt darauf aufmerksam machen, dass sie kundeneigene Boxen annehmen. Das wird auch aus Sicht des DFV in immer mehr Verkaufsstätten des Fleischerhandwerks durchaus erfolgreich durchgeführt.

Besondere rechtliche Vorschriften gibt es dafür nach Aussage von Thomas Trettwer nicht. Er erwähnt als Tipp eine DFV-Leitlinie für die gute Hygienepraxis in handwerklichen Fleischereien. "Danach können mitgebrachte Kundenbehältnisse befüllt werden, wenn sie sauber und hygienisch sind. Die mitgebrachten Behältnisse sind dabei entweder auf eine Papierunterlage auf der Theke zu stellen oder es ist ein gesonderter Thekenbereich zu verwenden", erläutert Trettwer. In der Regel würden die Behältnisse auf ein Tablett gestellt, so dass der Behälter nicht vom Verkaufspersonal angefasst werden muss.