Meisterstücke -

Bodenschlammräumer für Gewässer Umleitung für Schlamm und Aale

Die Firma Klawa sorgt mit Rohrleitungsbau dafür, dass Wasser und Fische ihren Weg finden. Und manchmal braucht auch der Dreck einen Ausweg.

Bodenschlammräumer, Klawa
Angesaugt und abgegeben: Der Schlammräumer von Klawa sorgt dafür, dass Klärschlamm nicht mehr aus den geleerten Teichen ausgebaggert werden muss. -

Wenn Frank Smasal steif und fest behauptet, das l iebste Material seiner Firma Klawa sei der Edelstahl, dann ist das ganz sicher richtig. Sind doch alle Produkte des Unternehmens in der Hauptsache aus diesem Werkstoff gefertigt. Allerdings scheint es da auch ein Lieblingselement zu geben, ohne das all die Rohre und die Steuerungstechnik keinen Sinn hätten – das Wasser. Dem Unternehmen könnte man zu diesem Element ebenso eine besondere Beziehung andichten. Seine Entwicklungen legen das jedenfalls nahe.

Klawa firmiert in Gudensberg, einem kleinen Ort bei Kassel, und biete t vor allem Rohrleitungsbau, Wasserversorgungs-, Wasserkraft- und Abwassertechnik. Auch eine Abflusssteuerung für den Kanalbereich bietet das Unternehmen. Klawa hat jedoch auch ein Gerät konstruiert, das andere Firmen in dieser Form nicht haben: einen Bodenschlammräumer – aus Edelstahl versteht sich.

Alternative zum Ausbaggern

Wer das Wort hört, stutzt nur kurz, denn Geschäftsführer Frank Smasal kann sofort erklären, wozu so etwas wie ein Bodenschlammräumer gut ist. Und der Aha-Effekt bleibt nicht lange aus. Das Gerät entfernt vor allem aus Klärteichen den Schlamm, den man vorher mühsam ausbaggern musste. "Das war sehr aufwendig und hat viel vom Teichgrund kaputtgemacht", sagt Smasal. Und so entstand schon vor 15 Jahren die Idee, dem Teicheausbaggern eine Alternative zu bieten und den Schlamm auf andere Weise aus dem Wasser zu holen.

Das Prinzip des Bodenschlammräumers ist ganz einfach. Das Gerät schwimmt über den See, wirbelt mit einer Förderschnecke den Schlamm auf, saugt ihn – ja, man ahnt es – wie ein Staubsauger vom Boden ab und transportiert ihn über einen Schlauch weiter ans Ufer, wo er trocknen kann und dann entsorgt wird. Laut Smasal gibt es auch andere Firmen, die ähnliche Geräte anbieten, doch hier kommt wieder das Lieblingsmaterial von Klawa ins Spiel. Ihr Bodenschlammräumer ist der Einzige aus Edelstahl und geht damit so gut wie nicht kaputt. Einfach zu bedienen ist er auch noch. Eine Einweisung dauert maximal einen Tag lang und zur Bedienung reicht eine einzige Person per Fernsteuerung vom Land. Derzeit arbeiten die Entwickler von Klawa an einer GPS-Steuerung.

Inzwischen wird der Bodenschlammräumer weltweit verkauft, zum großen Teil außerhalb von Europa. Bis zu 70 Prozent der Schlammräumer gehen ins Ausland. Kunden sind zum Beispiel Industriefirmen mit eigenen Kläranlagen, die Fischzuchtindustrie, für die Klawa einen speziell fischschonenden Räumer entwickelt hat, oder auch Gewässerreinigungsfirmen.

"Billig kann jeder"

Billig ist so ein Schlammräumer nicht. Die Preise starten bei 80.000 Euro, je nach Größe und Ausstattung dann mehr. Aber, sagt Frank Smasal ganz selbstbewusst: "Billig kann jeder." Das Gerät von Klawa punktet demgegenüber auch mit Qualität und Beständigkeit. Edelstahl eben. Aus dem Lieblingsmaterial wie die Rohre, mit denen alles angefangen hat. Die beiden Gründer Oswald Smasal und Peter Jünemann gründeten den Betrieb 1992, nachdem sie zuvor in einem Unternehmen als Kollegen gearbeitet und daraufhin selbst jeweils eigene Firmen gegründet hatten.

Seitdem entwickelte sich Klawa zu einem namhaften Unternehmen in der Wasserwirtschaft. "Klassisch bedienen wir hauptsächlich Ausschreibungen von Städten und Kommunen beim Rohrleitungsbau", sagt Frank Smasal. Ein mühsames Geschäft. Auf bis zu mehrere hundert Ausschreibungen pro Jahr bewirbt sich die Firma. Doch nur bei rund zwei Prozent der Bauvorhaben kommt das Unternehmen zum Zuge.

Gewässerschutz als weiteres Standbein

Smasal macht sich auch keine Illusionen, dass es mehr werden, denn letztlich liefen solche Vergaben doch immer nur über den Preis. Für Klawa sind diese Verfahren deshalb vielfach unbefriedigend, vor allem, wenn einige der Billiganbieter eine Baustelle nicht abschließen können, Klawa als Retter in der Not einspringen und das Projekt zu einem guten Ende führen darf.

Frank Smasal freut sich umso mehr über Aufträge für Projekte jenseits des alltäglichen, etwas mühsamen Tagesgeschäfts. "Ich mag das internationale Umfeld", betont er mit Hinweis auf die vor allem aus dem Ausland kommende Kundschaft für den Bodenschlammräumer.

Doch der Geschäftsführer ruht sich nicht auf der Erfolgsgeschichte dieses Produkts aus. Seit einigen Jahren machen er und sein Unternehmen sich auch einen Namen in Sachen Gewässerschutz, speziell, wenn es um Fische und ihre Wanderwege geht. Mit der Universität Kassel gibt es verschiedene Projekte, um die Tiere an Hindernissen wie Wasserkraftwerken auf den richtigen Weg zu bringen. Ein vorgelagerter Rechen etwa verhindert, dass Fische in die Kraftwerksturbinen geraten. Klawa hat den Rechen so konstruiert, dass die Strömung des Wassers nicht verringert wird und so die Energie ohne Verluste an der Turbine ankommt.

Lockströme leiten die Fische

Lockstrompumpen sorgen dann wiederum dafür, dass die Fische nicht am Rechen hängenbleiben, sondern dem richtigen Weg über eine Fischtreppe folgen. Durch Strömungen, von denen sich die Fische angezogen fühlen, wandern sie entlang des vorgesehenen Wegs. Ein Aalrohr zum Beispiel führt die Tiere direkt am Rechen vorbei. Auch solche Produkte haben sich inzwischen gut am Markt durchgesetzt, sagt Frank Smasal. Da diese Produkte einer europäischen Richtlinie folgen, hofft er, sie auch im europäischen Ausland vertreiben zu können.

Mit dem Verkauf des Bodenschlammräumers ist ebenfalls eine Expansion angedacht. "Wir möchten mittelfristig auch im Ausland Filialen gründen", so Smasal. Kennt man doch dort die Materialvorlieben der hessischen Firma noch nicht gut ­genug.

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