Tarifrunde im Bauhauptgewerbe Tarifverhandlungen im Baugewerbe: Der aktuelle Zwischenstand

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der deutschen Bauwirtschaft gehen in zwei weitere Runden. Arbeitgeber und IG BAU haben sich Ende Juli auf einen Fahrplan verständigt, der vorsieht, die Forderungen der Arbeitnehmer einzeln zu verhandeln. Welche das sind und wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist.

Bauarbeiten in einem Neubaugebiet. - © Wolfilser - stock.adobe.com

Rund zehn Stunden dauerten die Tarifverhandlungen am 27. Juli 2021 an. Es seien konstruktive Gespräche gewesen, hieß es anschließend von Arbeitgeberseite. Neben der Einigung auf Themen und Termine habe man bereits einzelne Punkte sondieren können, erklärte Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) und Verhandlungsführer der Arbeitgeber.

Die vorige Runde im Juni war von seiner Seite überraschend abgebrochen worden. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) habe wiederholt von der eigentlichen Diskussion der Entgeltfrage abgelenkt, begründete Nostitz den Abbruch. Die Gewerkschaft warf ihrer Gegenseite wiederum Zeitspiel vor. Der vergangene Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe ist am 30. Juni 2021 ausgelaufen.

Auf diesen Fahrplan haben sich IG BAU und Arbeitgeber verständigt

Bei den jüngsten Verhandlungen konnten sich die Tarifvertragsparteien nun auf zwei weitere Termine einigen, bei denen die Gespräche fortgeführt und ein gemeinsames Ergebnis erzielt werden soll. Dabei wollen beide Seiten einem inhaltlichen Fahrplan folgen. Zunächst sollen die Themen Mindesturlaubsvergütung und Erschwerniszuschläge verhandelt werden, anschließend die Punkte Mindestlohnstruktur und Weiterentwicklung der Wegezeitentschädigung. Erst am Ende wollen die Tarifpartner über die von der IG BAU geforderten 5,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die Mindestlohnhöhe und den Ost-West-Angleich beraten. Über Zwischenergebnisse haben die Tarifvertragsparteien Stillschweigen vereinbart.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir in den kommenden Runden bis Ende September eine Einigung erzielen können," sagte Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). Auf Arbeitnehmerseite zeigen sich Verhandlungsführer und Bundesvorsitzender Robert Feiger und Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt "verhalten optimistisch", dass am Ende ein gutes Ergebnis steht. "Wir freuen uns darüber, dass die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nun ernsthaft und konstruktiv mit uns über das gesamte Paket sprechen wollen", sagten sie. Ein Schlichterspruch und Arbeitskampf stünden jedoch weiterhin im Raum. "Die Beschäftigten in der Baubranche haben gerade jetzt in der Pandemie-Phase gezeigt, was sie leisten können. Deswegen haben sie sich auch einen ordentlichen Tarifabschluss verdient", so die IG BAU.

Das sind die Forderungen der IG BAU

Für die rund 890.000 Beschäftigten verlangt die Gewerkschaft 5,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung. Zudem müssten die Ost-Löhne an das West-Niveau angeglichen werden und höhere Entschädigungen für die Anfahrtszeiten der Arbeiter bezahlt werden. Die Arbeitgeber hatten in der ersten Tarifrunde ein entgeltwirksames Gesamtvolumen von drei Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwei Jahren in Aussicht gestellt, was die IG BAU als "absolut unzureichend" bezeichnete.

Die Arbeitnehmerseite argumentiert, der Bau habe mit einem Umsatzwachstum von sechs Prozent in 2020 ein Rekordjahr verbucht. "Von der allgemeinen Corona-Krise ist im Bausektor nichts, aber auch gar nichts zu spüren", teilte Burckhardt mit. "Da ist es nur recht und billig, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auch ein Plus auf ihrem Lohnzettel sehen."

ZDB und HDB entgegnen, man müsse 2021 mit einem Null-Wachstum rechnen. "Die Baukonjunktur trübt sich merklich ein", sagte ZDB-Verhandlungsführer Nostitz. Zudem sei aufgrund der derzeitigen Materialknappheit und dem damit verbundenen Anstieg der Preise für Baumaterialien mit "einem ordentlichen Dämpfer" zu rechnen.

Im vergangenen Jahr war eine Tarifeinigung erst in der Schlichtung gelungen. Erstmals konnten sich Tarifvertragsparteien dabei auf einen pauschalen Wegezeit-Zuschlag einigen. Außerdem stiegen die Entgelte im Januar im Westen um 2,1 Prozent, im Osten um 2,2 Prozent.