Tarifrunde 2021 Tarifverhandlungen im Baugewerbe: Diese Einigung wurde erzielt

Nach fünf Verhandlungs- und zwei Schlichtungsrunden gibt es eine Einigung zwischen den Tarifparteien im Baugewerbe. Bundesweite Streiks sind damit vorerst abgewendet. Welche Verbesserungen der ausgehandelte Tarifvertrag für die Angestellten vorsieht – und welche Hürde er noch nehmen muss.

Bei den Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe vereinbarten die Tarifparteien Lohnerhöhungen, eine Ost-West-Angleichung sowie Wegestreckenentschädigungen. - © Wolfilser - stock.adobe.com

Von einer "der schwierigsten Tarifverhandlungen seit Jahren" sprachen die Arbeitgeber im Vorfeld. Nach fünf erfolglosen Verhandlungsrunden und einer 27-stündigen Schlichtung ohne Ergebnis, drohten die Arbeitnehmer mit bundesweiten Streiks. Diese konnten in der zweiten Schlichtungsrunde vorerst abgewendet werden. Nach weiteren zweitägigen Verhandlungen einigten sich die Tarifparteien auf einen Vorschlag, den sie nun ihren Gremien vorlegen müssen. Der vorige Tarifvertrag war bereits am 30. Juni ausgelaufen.

Einigung auf mehr Geld und lange Laufzeit

Der Kompromiss sieht für die rund 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe mehr Geld vor. So sollen zum 1. November 2021 die Einkommen im Westen um zwei Prozent, im Osten um drei Prozent angehoben werden. Weitere Lohnsteigerungen soll es ab April 2022 (West: 2,2 Prozent; Ost: 2,8 Prozent) sowie ab April 2023 (West: zwei Prozent; Ost: 2,7 Prozent) geben.

Darüber hinaus einigten sich die Verhandlungspartner auf Einmalzahlungen in Höhe von 400 Euro zum 1. April 2022 und 450 Euro zum 1. April 2023, jeweils für Beschäftige im Westen. Für die Monate Juli bis Oktober 2021 sollen Arbeitnehmer im Westen eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro erhalten, für die Beschäftigten im Osten sind 220 Euro vorgesehen. Eine stufenweise Erhöhung der Ausbildungsvergütungen vereinbarten die Tarifparteien ebenfalls. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 33 Monaten haben und am 31. März 2024 enden.

Im Jahr 2026 soll dann eine 100-prozentige Angleichung der West- und Ost-Einkommen sowie der Ausbildungsvergütungen erreicht werden. Per Haustarifvertrag könnte jeder Betrieb im Tarifgebiet Ost jedoch schon früher einen Ost-West-Angleich für seine Beschäftigten festlegen.

Übersicht: Möglicher Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe 2021

 WestOst
Lohnerhöhung und Corona-Prämie zum 1. November 2021zwei Prozent + 500 Eurodrei Prozent + 220 Euro
Lohnerhöhung und Einmalzahlung zum 1. April 20222,2 Prozent + 400 Euro2,8 Prozent
Lohnerhöhung und Einmalzahlung zum 1. April 2023zwei Prozent + 450 Euro2,7 Prozent

Tarifverhandlungen im Baugewerbe: Kompromiss auch bei Wegezeitenentschädigung

Im Mai ging die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit der Forderung nach 5,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung in die Tarifverhandlungen. Zudem forderte die Gewerkschaft einen Ost-West-Angleich und den Ausbau der Wegezeitentschädigung.

Letzteres war bei den Tarifverhandlungen im Baugewerbe lange der Knackpunkt. Der jetzige Kompromiss sieht eine Entschädigung für die Anfahrtswege der Beschäftigten zu ihren Baustellen vor – in Form von pauschalen Beträgen, gestaffelt nach Kilometern. Ab 2023 sollen auch Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitsplatz nicht täglich nach Hause fahren, einen Ausgleich erhalten. Vorgesehen ist, die Regelungen mit einem Sonderkündigungsrecht in den Bundesrahmentarifvertrag aufzunehmen. "Natürlich sehen wir bei den Entschädigungen noch Luft nach oben, aber der Einstieg ist gemacht", sagte Carsten Burckhardt, im Vorstand der IG Bau zuständig für das Bauhauptgewerbe.

Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe 2021: Diese Hürde muss noch genommen werden

Das ausgehandelte Tarifpaket ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Gremien der Tarifvertragsparteien müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Streiks sind damit noch nicht gänzlich vom Tisch. "Wir haben uns bewusst für einen Tarifvorschlag in freien Verhandlungen entschieden, damit die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung bei den Mitgliedsverbänden liegt", sagte Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB).

Für die Einholung der Zustimmung haben die Arbeitgeberverbände – der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der ZDB – sowie die Gewerkschaft 14 Tage Zeit. Die Bundestarifkommission der IG Bau kündigte an, eine Entscheidung "bereits in den nächsten Tagen" fällen zu wollen.

Der IG-Bau-Vorsitzende Robert Feiger sagte: "Unsere Vorstellungen für eine gerechtere Entlohnung der Beschäftigten lagen durchaus höher, aber mit diesem Kompromiss können wir leben." Nun sei der Weg frei für die immensen Aufgaben, die anstünden: Rund 400.000 Wohnungen müssten pro Jahr in Deutschland entstehen, die Auftragsbücher der Bauunternehmen seien voll.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber Uwe Nostitz, sagte: "Wir hatten langwierige und schwierige Verhandlungen mit einer komplizierten und zum Teil auch neuen Materie." Bauindustrie-Vizepräsidentin Jutta Beeke ergänzte: "Es ist uns gelungen, ein umfangreiches Paket zu verhandeln und zu einem Ergebnis zu bringen, welches mit einer langen Laufzeit für Planungssicherheit in den Unternehmen sorgen kann."

Mit Inhalten von dpa