Im Zeichen eines immer schärferen internationalen Konkurrenzkampfes hat auf dem Münchner Messegelände die weltweit größte Fachmesse der Solarwirtschaft, Intersolar Europe, begonnen. Rund 2.000 Aussteller – weit weniger als im vergangenen Jahr – erwarten vom 12. bis 15 Juni rund 80.000 Besucher aus 150 Ländern. Die schwächelnde Branche kämpft derzeit um die Fördersätze für Solarstrom.

Das der Boom der Branche vorbei ist, zeigt sich auch bei der Zahl der Aussteller: In diesem Jahr sind etwa 2.000 Aussteller auf der Branchenmesse vertreten und somit knapp 300 weniger als im vergangenen Jahr. Der Streit um die Solarkürzung, aber auch die niedrigen Preise der Konkurrenz setzen der Branche zu.
Vor allem chinesische Solarfirmen stehen bei westlichen Herstellern wegen angeblicher Dumpingpreise in der Kritik. Wichtig sei es jetzt, in den Leitmärkten - zu denen auch Deutschland gehöre - verlässliche, attraktive Förderbedingungen zu schaffen und die Verunsicherung abzubauen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Solarwirtschaft, Carsten Körnig.
Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert die Bundesregierung auf, die Fördersätze für Solarstrom gegenüber den ursprünglichen Plänen des Bundestages langsamer zu reduzieren.
Die Untergangsstimmung in der deutschen Solarwirtschaft hält aber an. Mit der Solarwatt aus Dresden steht eine weitere Firma der von Überkapazitäten, Billigkonkurrenz und Förderkürzungen gebeutelten Branche vor dem Aus.
Mehrere große Firmen pleite
Wegen möglicher Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beantragte das 1993 gegründete Unternehmen am Mittwoch beim Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren, eine Form der Insolvenz, die eine Rettung zunächst ohne Druck durch die Gläubiger ermöglichen soll. 460 Arbeitsplätze stehen bei Solarwatt auf dem Spiel.
Diese Hiobsbotschaft ist nur eine von vielen in jüngster Vergangenheit. Mitte Mai reihte sich der Solarmodulhersteller Sovello aus Sachsen-Anhalt in die lange Liste der insolventen Solarfirmen ein, zu der auch schon Solar Millennium, Solon, Solarhybrid und Q-Cells zählen.
Auch die mehrheitlich zur Bosch-Gruppe gehörende Aleo Solar kämpft gegen die Krise. Am Montag kündigte die Firma an, ihr Werk in Spanien zum Ende des Jahres zu schließen. Angesichts der schwierigen Marktlage sei die Auslastung des Stammwerks in Prenzlau in der Uckermark "oberstes Ziel", erklärte Vorstandschef York zu Putlitz.
Selbst der deutsche Branchenprimus Solarworld aus Bonn schwächelt und reagiert mit einem massiven Stellenabbau auf die Misere. Allein im sächsischen Freiberg sollen bis zum Jahresende 250 von 1.800 Stellen wegfallen, zumeist Jobs von Angestellten mit befristeten Verträgen und von Leiharbeitern, kündigte Solarworld Anfang Juni an.
Chinesische Firmen als Sündenbock
Als Schuldigen der Krise hat Solarworld auch die chinesischen Firmen ausgemacht, die dank hoher staatlicher Subventionen ihre Produkte zu unfairen Dumpingpreisen auf den Markt bringen könnten. In den USA hat Solarworld bereits gemeinsam mit mehreren US-Firmen Strafzölle bis zu 250 Prozent auf Solarimporte aus China erstritten. Für Europa ist eine entsprechende Klage in Vorbereitung.
Nicht alle Solarfirmen aber unterstützen die Initiative gegen China. Der Chemiekonzern Wacker etwa, der Polysilicium für die Photovoltaik herstellt, lehnt Strafzölle ab. Vorstandschef Rudolf Staudigl glaubt nicht, dass solche Maßnahmen die heimische Branche schützen. "Im Gegenteil, sie beeinträchtigen die Zukunftschancen der Photovoltaik", sagte er. Ein Handelskrieg wäre schädlich für alle.
Angesichts der großen Not wird jeder Hoffnungsschimmer begierig aufgenommen. Am Dienstag vermeldete die US-Firma First Solar eine wachsende Nachfrage in Europa. Die Aktienkurse für Solarwerte wie SMA Solar und Solarworld stiegen prompt an.
Für die zwei Werke von First Solar in Frankfurt (Oder) bedeutete das Auftragsplus zwar mehr Auslastung. Doch eine wirklich gute Nachricht war auch das nicht. Denn das Aus für den Standort hat die angeschlagene First Solar schon im April beschlossen. Nun machen die Werke erst Ende des Jahres dicht und nicht schon im Oktober. Für 1.200 Beschäftigte hat sich nur die Galgenfrist verlängert.
Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Vor allem für die reinen Hersteller von Solarzellen hierzulande wird es angesichts billigerer Konkurrenz vor allem aus Asien eng. "Die produzierende Industrie hat die ganzen Nachteile des Standorts Deutschland", sagte Wolfgang Hummel, wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Solarmarktforschung in Berlin. dapd/rh