Die Solarbranche steckt nach vielen guten Jahren in einer tiefen Krise. Auf der Messe Intersolar gibt man sich zwar kämpferisch und zeigt die neuen Trends und Themen. Doch von der Politik ist die Branche enttäuscht.

Die Regierung ist schuld. Diesen Satz hört man von Beschäftigten aus der Solarbranche immer wieder. Seitdem die schwarz-gelbe Koalition ernst macht mit der Kürzung der Solarförderung, ist ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. Die Kürzungen seien zu hoch, sie werden zum Sargnagel der Solarindustrie.
In der Tat sind schon mehrere große Player aus deutschen Landen in die Insolvenz gegangen. Doch die Gründe dafür sind vielfältiger: Neben den Solarförderkürzungen macht der Branche vor allem der Preisverfall der Module zu schaffen. Die Chinesen haben den Markt mit versalzenen Preisen kaputtgemacht. "Kein Hersteller auf der ganzen Welt verdient zurzeit Geld", hatte Sovello-Chef Reiner Beutel kürzlich in einem Interview in der Deutschen Handwerks Zeitung gesagt.
Intersolar zeigt Trends und neue Themen
Das sind die Vorzeichen zur diesjährigen Intersolar 2012 (vom 13.-15. Juni), der weltweit größten Fachmesse der Solarwirtschaft. Mehr als 2.000 Aussteller zeigen die neuesten Trends und Technologien in den Bereichen Photovoltaik (PV), PV Produktionstechnik und Solarthermie. Erstmals steht dabei auch das Thema Elektromobilität im Zentrum der Aufmerksamkeit: Die neue Sonderschau „PV und E-Mobility“ informiert über mobile Speichertechnologien und präsentiert Kombinationen von PV-Carports, Ladestationen und Elektrofahrzeugen. Technisch wird das Aktuellste geboten, was der Markt hergibt. Allerdings rechnen die Veranstalter wegen der aktuellen Branchenkrise auch mit zehn Prozent weniger Ausstellern.
Politisch wird es ebenso spannend in diesen Tagen. Bundesregierung und Länder streiten gerade um die Höhe der Förderkürzungen. Die Bundesregierung will drastisch kürzen, damit der Strompreis für die Verbraucher nicht weiter steigt, denn die müssen die Kosten für erneuerbare Energien über eine Umlage zahlen. Zudem entfällt weit mehr als die Hälfte des Budgets zur Förderung erneuerbarer Energien auf Sonnenstrom. Große Solarparks sollen von der Förderung ganz ausgenommen werden.
Pleitewelle wirft Schatten
Die Solarbranche fürchtet stattdessen den Exitus. "Ein Entschärfen der überzogenen Förderkürzung ist unverzichtbar, um zehntausende Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Handwerk zu retten", sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Schon fünf große Hersteller sind seit vergangenem Dezember in die Pleite gerutscht.
Und dazu kommt für Körnig, dass die Energiewende so in Gänze in Gefahr gebracht wird. Bislang ist die Bundesregierung nicht vorangekommen.
Messehallen weiter voll
Die Intersolar kann zum Gelingen der Energiewende beitragen. Die Münchner Leitmesse will die größeren Zusammenhänge aufzeigen, wie Stromspeicherung und Netzintegration mit der effektiven Nutzung des eigenen Solarstroms zusammenspielen.- In den Hallen A1 bis A5 findet sich alles zum Thema "Zellen und Module".
- In den Hallen A5 und A6 sind die Firmen aus den Sparten "Fotovoltaik Produktionstechnik" und "Materialien und Zubehör" vertreten.
- In den Hallen B2 bis B4 befinden sich "Fotovoltaik Systemtechnik", "Großhandel" sowie Produkte und Dienstleistungen rund um Fotovoltaiksysteme.
- In Halle B3 sind die Anbieter von Montagetechnik untergebracht.
- B6 beinhaltet Fotovoltaik-Komponenten und Installationszubehör.
- B1 und B2 hat die Solarthermie beheimatet.
- C3 und C4 sind der Wechselrichtertechnologie gewidmet.
- C2 bietet Montage- und Nachführsysteme.
"Solar nicht mehr zu stoppen"
Die Zukunft der Solarenergie ist aber noch nicht tot. "Die Solarenergie ist nicht mehr zu stoppen. Deutschland muss nur unmissverständlich die Frage beantworten, ob es eine Vorreiterrolle weiter euinnehmen oder aber diese anderen überlassen will. Das heißt aber auch, das Projekt Energiewende jetzt politisch ernsthaft anzugehen", sagte Körnig der "Süddeutschen Zeitung".
Zumal es sich laut Berechnungen noch immer lohnt als Endverbraucher, hier einzusteigen. PV-Anlagen sind so preiswert geworden, dass noch immer Renditen von fünf Prozent und mehr möglich sind. Deswegen steht die Intersolar auch weiter im Fokus. dhz