Voraussichtlich um 30 Prozent sinkt die Solarförderung in diesem Jahr. Schuld ist die stetig steigende Nachfrage. Doch trotz der Kürzungen geht die Bundesnetzagentur nicht vom Ende des Solarbooms aus. Denn gleichzeitig mit den Fördersätzen sinken auch die Preise für die Anlagen.
Jana Tashina Wörrle

Für die Solarbranche war der Dezember ein Rekordmonat. Die Installateure bauten neue Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 3.000 Megawatt auf. Viele Hausbesitzer wollten noch die höhere Förderung mitnehmen und ließen sich eine neue Photovoltaikanlage installieren. Doch seit dem 1. Januar gelten neue Fördersätze – und die sind um 15 Prozent gekürzt. Aufgrund der großen Nachfrage im Gesamtjahr 2011 plant die Bundesregierung nun noch weitere Kürzungen. Ersten Schätzungen zufolge liegt der Jahreswert 2011 bei rund 7.500 Megawatt und übertrifft sogar die Werte aus dem Rekordjahr 2010. Zum 1. Juli werden die Fördersätze deshalb voraussichtlich um weitere 15 Prozent sinken.
Große Konkurrenz aus Asien
Damit greift die gesetzliche Kostenbremse. Da sich die Fördersätze jeweils an dem Grad der erreichten Leistung des Solarstroms richten, sinken sie sobald die Leistung steigt. Und sie steigt so schnell, dass die Förderung schneller sinkt als erwartet. Eigentlich sollten die Fördersätze schrittweise bis zum Jahr 2022 sinken, doch bleiben die Werte so hoch wie aktuell noch, könnte das Ende der Förderung schon 2015 erreicht sein, meldet die Bundesnetzagentur .
Und dass der Solarboom mit dem Ende der Förderung zurückgeht, ist noch nicht klar. Da die Preise der Anlagen schneller fallen als die Fördersätze gekürzt werden, rechnet Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, damit, dass die Nachfrage anhält: „Jedenfalls hat sich trotz der bisherigen Förderkürzungen der Zubau der Photovoltaik nicht verlangsamt, und es ist auch sehr wahrscheinlich, dass wir im Juni 2012 trotz weiterer Förderkürzung wieder einen ähnlichen Zubauboom haben werden wie jetzt im Dezember“, sagt er zu den gestern veröffentlichten Ergebnissen.
Industrie strauchelt – Handwerk profitiert
Doch die sinkenden Preise sind vor allem das Resultat des gestiegenen Preisdrucks und der Konkurrenz aus Asien. Bereits mehrere deutsche Solarmodulproduzenten konnten nicht mehr mithalten. Die deutsche Solarindustrie schwächelt also, das Handwerk profitiert dagegen. Neue Anlagen bedeuten neue Aufträge für Elektriker, Dachdecker und Installateure und dazu kommt noch das Reparatur- und Wartungsgeschäft.
Die Förderungskürzung war auch aus Sicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nötig. Er kritisierte gestern in der "Financial Times Deutschland", dass die Photovoltaik nur drei Prozent des deutschen Stroms erzeuge, aber 50 Prozent der Förderkosten verursache. Doch diesen Werten widersprach der Bundesverband der Solarwirtschaft (BWS Solar). Er geht von einem Anteil von vier Prozent am deutschen Stromverbrauch aus, der bei moderater Weiterentwicklung auf über zehn Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden könne.
"Solarstrom wird dadurch zu einem wesentlichen Motor der Energiewende, die durch den Wegfall der Atomkraft beschleunigt werden muss", meldete der Verband. Er sieht die Entwicklung der vergangenen Jahre sehr positiv, geht aber von weit weniger optimistischen Szenarien aus als die Bundesnetzagentur. Die Lage innerhalb der Branche bleibe vor dem Hintergrund weltweiter Überkapazitäten, eines harten internationalen Wettbewerbs und der starken Förderkürzung dennoch angespannt, so BWS Solar.