Solarförderung sinkt ab 2012 Bis Jahresende viele Aufträge fürs Handwerk

Zwischen Oktober 2010 und September 2011 wurden so viele Solaranlagen installiert, dass der Bund die Fördersätze zum 1. Januar 2012 um 15 Prozent kürzt. Da sich viele Hausbesitzer noch die höhere Einspeisevergütung sichern möchten, ist im Handwerk aktuell eine große Nachfrage zu spüren.

Jana Tashina Wörrle

In den vergangenen Jahren waren die Auftragsbücher im Handwerk voll, wenn es darum ging neue Solaranlagen zu installieren. Das wird sich zukünfig ändern, denn die Nachfrage nach neuen Anlagen sinkt. - © Fotolia

Hausbesitzer, die nach dem 1. Januar 2012 eine Solaranlage auf dem eigenen Dach installieren lassen und den Strom in das öffentliche Stromnetz einspeisen möchten, bekommen dafür weniger Geld. Der Staat kürzt die Förderung von Solarstrom, genauer gesagt die sogenannte Einspeisevergütung, um 15 Prozent . Strom von Anlagen, die vorher installiert wurden, sind jedoch nicht von der Kürzung betroffen, da der Preis, den die Anlagenbesitzer für den eingespeisten Strom bekommen, immer für 20 Jahre garantiert ist.

Die Förderung richtet sich jeweils nach der Strommenge, die im Jahr zuvor eingespeist wurde. Und diese Strommenge hat sich laut der Bundesnetzagentur in den vergangenen zwölf Monaten um 5.200 Megawatt erhöht. Umso mehr Solarstrom aber vorhanden ist, umso weniger muss dieser subventioniert werden. Die Förderung sinkt bereits jedes Jahr automatisch um neun Prozent. Zusätzliche Kürzungen sind vereinbart, wenn die Strommenge 3.500 Megawatt überschreitet. Daraus ergibt sich für neue Anlagen ab 2012 eine Kürzung um 15 Prozent.

Weniger Zuwachs bei Neuinstallationen

Dass die Kürzung scheinbar durch die Rekordzahlen der Neuinstallationen zustandekommt, täuscht jedoch darüber hinweg, dass sich der Solarboom der vergangenen Jahre abschwächt. Die Menge an Solarstrom, die von Oktober 2010 bis September 2011 ins Netz eingespeist wurde, liegt noch weit unter der Menge, die der Bundesnetzagentur noch im Vergleichszeitraum Oktober 2009 bis September 2010 gemeldet worden war: Es waren 7.800 Megawatt.

Den Rückgang spürt auch der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW-Solar). Schon im Sommer dieses Jahres sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Verbands auf der Messe Intersolar in München, dass die Zuwachsraten bei Neuinstallationen sinken werden.

Von diesem Rückgang ist auch das Handwerk betroffen. Rund 39.000 Handwerker arbeiten in Deutschland in der Solarbranche und viele verdienen ihr Geld mit dem Bau und Einbau der Anlagen sowie mit den damit zusammenhängenden Arbeiten. Doch aktuell steigt die Zahl der Anfragen wieder, da sich viele Hausbesitzer wohl noch die höheren Einspeisevergütungen sichern möchten.

Energiewende: Nur "Lippenbekenntnisse"

Das spürt auch die Metallbaufirma Schletter aus dem oberbayerischen Kirchdorf. Sie baut Unterkonstruktionen für Photovoltaikanlagen und arbeitet somit den Installateuren der Neuanlagen zu. "Im Laufe des Jahres habe ich schon gespürt, dass die Nachfrage zurückgeht, aber jetzt fehlen teilweise sogar die Kapazitäten bei den Monteuren", sagt Hans Urban, der den Geschäftsbereich "Solar Montagesysteme" des Handwerksunternehmens leitet. Die Entscheidung der Bundesregierung, die Solarförderung zu kürzen, findet er widersprüchlich. "Einerseits soll die Energiewende vorangetrieben werden und andereseits werden die Förderungen gekürzt . Die Maßnahmen passen doch nicht zusammen", kritisiert Urban. Die Aussagen der Bundeskanzlerin zur Energiewende hält er für "Lippenbekenntnisse".

Würde die Förderung weiter laufen, wäre auch eine Nachfrage vorhanden, meint Urban. Er sieht in Deutschland noch ein großes Potenzial für neue Solaranlagen, da auch viele Dächer, die in Richtung Ost oder West ausgerichtet sind, dafür genutzt werden könnten. "Der Markt ist noch nicht gesättigt", sagt der Unternehmer. Eine weitere Förderung würde also sowohl den Handwerksbetriebe zugute kommen als auch der Bundesregierung helfen, die Versprechen zur Energiewende einzulösen.