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Corona-Pandemie Social Media in Krisenzeiten: Tipps für Betriebe

In Zeiten von Corona und Social Distancing verlagert sich die Beziehung zu potenziellen Neukunden oder Bestandskunden in den virtuellen Raum. Die Kommunikation in den sozialen Medien hilft beim Aufbau von Vertrauen – und dabei, sich für die Zeit nach der Krise in eine gute Startposition zu bringen.

Die Corona-Pandemie verändert dieser Tage fast alles. Das gilt auch für Maßnahmen, mit denen Handwerksbetriebe ihre Bestands- und Neukunden ansprechen können – gerade in Branchen wie Autohäusern oder dem Friseurhandwerk, die von den behördlich angeordneten Betriebsschließungen betroffen sind. Hier bietet sich eine intensive Nutzung der Social-Media-Kanäle an, um die Menschen trotzdem erreichen zu können – zumal diese angesichts der Ausgangsbeschränkungen mehr digital unterwegs sind als je zuvor und die sozialen Medien rege nutzen.

Beim Autohaus Emil Frey Aston Martin München etwa hat man das früh erkannt: Zwei Tage nach der behördlich angeordneten Schließung des Verkaufsraums lud das Unternehmen auf seinem YouTube-Kanal eine dreiminütige Videobotschaft hoch. Darin wandte sich der Geschäftsführer an die Kunden: Der Showroom sei zwar geschlossen, erklärte er – telefonisch seien die Verkäufer aber immer noch für die Kunden erreichbar. Und nicht zuletzt habe auch die Werkstatt weiterhin geöffnet. Sachlich, nüchtern, auf den Punkt – so geht Kundenansprache in Zeiten von Corona.

Wichtig in der Corona-Krise: In Social Media sichtbar bleiben

"Angesichts der Tatsache, dass die Nutzer viele Stunden des Tages in sozialen Netzwerken verbringen, sind sie für uns erreichbar", betont Tobias Hopf, Geschäftsführender Gesellschafter bei der auf Automotive Marketing spezialisierten BOLD GmbH aus Ludwigsburg. "Wenn wir jetzt visuell und kommunikativ Bedürfnisse wecken, die wir nach der Corona-Krise bedienen, dann investieren wir in unsere Zukunft." Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, den Erstkontakt mit potenziellen Neukunden herzustellen.

"Über Social Media lässt sich in diesen schweren Zeiten hervorragend die Botschaft verbreiten: ‚Hurra, wir leben noch! Uns geht es gut, uns wird es auch weiterhin geben.‘ Bezogen auf die Mitarbeiter wie auf das Unternehmen insgesamt. Dies scheint das Wichtigste", betont Lutz Frühbrodt, Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. "Und das sollte man nicht nur einmal kommunizieren, sondern immer wieder mal, besonders wenn sich die allgemeine Lage verändert."

Regelmäßige Inhalte mit Nutzen für die Abonnenten

Das derzeitige Mehr an freier Zeit und die allgemeine Langeweile seien eine Chance, um dauerhaft bei den Nutzern zu punkten. "Wichtig ist es, regelmäßig Inhalte zu posten, also mindestens ein- bis zweimal pro Woche", sagt Frühbrodt. "Und natürlich müssen die Inhalte auch einen Nutzwert aufweisen." Das können einerseits konkrete Informationen etwa über Serviceangebote sein, aber ebenso unterhaltende Posts wie etwa Bildergalerien – vor allem Dinge, die dem Mediennutzer in diesen trüben Zeiten ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

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In Zeiten von Corona und Social Distancing sei es notwendig, die Beziehung zu potenziellen Neukunden oder Bestandskunden in den virtuellen Raum zu verlagern, sagt Gerrit Grunert, Geschäftsführer der Berliner Content Marketing Agentur Crispy Content. "Es gibt keine Alternative, denn weder wollen wir Bestandskunden verlieren, noch wollen wir Neukundenpotenziale an unsere Wettbewerber verschenken." Über die Kommunikation in sozialen Medien könne man sich gegenüber der Zielgruppe als echter Mobilitäts-Partner positionieren und Vertrauen aufbauen.

Verschiedene Kanäle bieten reichhaltige Möglichkeiten

Grundsätzlich bieten die verschiedenen Social-Media-Kanäle den Unternehmen reichhaltige Möglichkeiten, ihre Botschaften an den Mann respektive die Frau zu bringen und auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen. "Wir können davon ausgehen, dass wir über Facebook und sein Schwesternetzwerk Instagram so gut wie jeden potenziellen Kunden, der auch geschäftsfähig ist, erreichen können", sagt Grunert. "Auch YouTube als virtueller TV-Kanal sollte nicht vergessen werden. Eine zielgruppengenaue Aussteuerung von Content ist auch hier möglich und längere redaktionelle Bewegtbild-Inhalte sorgen für eine stärkere Nutzerbindung als kurze Videos." Darüber hinaus seien Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn für die Ansprache von Geschäftskunden nützlich. "Die Möglichkeiten im Social Media Marketing sind schier unendlich", so Grunert. Jetzt sei eine gute Gelegenheit, sie zu testen.

Kooperationen, Gewinnspiele, Inhalte von Mitarbeitern

Hilfreich kann in der aktuellen Phase zudem die Kooperation mit sogenannten Influencern sein, weil diese eine sehr persönliche Bindung zu ihren Followern genießen. Ob dies im Einzelfall wirklich sinnvoll ist, muss man aber genau abwägen. Es sei grundsätzlich empfehlenswert, "die besondere Kommunikationsbeziehung von Influencer und Nutzer jetzt zu nutzen, um einen additiven Kommunikationskanal zu erschließen", sagt Jan Honsel, Managing Director bei der Hamburger Agentur upljft. Denn gerade in Krisensituationen seien Menschen auf der Suche nach Führung und Orientierung. Medienexperte Frühbrodt hält es hingegen für fraglich, "ob es unbedingt ein professioneller Influencer sein muss, der möglicherweise auch noch ein deftiges Honorar verlangt." Vielleicht könne sich ja ein kommunikationsstarker Mitarbeiter als Influencer auf den Social-Media-Kanälen des Betriebs profilieren. "Auch Gewinnspiele kommen immer gut", so Frühbrodt, denn für die Kommunikation in den sozialen Medien sei grundsätzlich alles geeignet, was die menschliche Neugier reizt und befriedigt.

Heute schon an morgen denken

Bei aller Krisenkommunikation über die sozialen Medien sollte man sich aber auch schon intensiv Gedanken über die Zeit nach der Krise machen. "Es mag in der aktuellen Phase verrückt klingen, aber die Beschränkungen durch die Corona-Krise werden auch wieder vorbeigehen", sagt upljft-Geschäftsführer Honsel. "Unternehmen sollten frühzeitig mit einer Planung beginnen, wie die Unternehmens- und Marketingstrategien nach der Krise aussehen können." Und gerade die Betriebe, die sich jetzt bereits mit ihrer Kommunikation für diesen Zeitpunkt befassen, werden dann zu den Gewinnern zählen.

5 Ideen für Social-Media-Posts während der Corona-Krise

1. Mit Social-Media-Challenges sichtbar werden: Eine Challenge zieht immer. Wie wäre es mit der #oldpicturechallenge, bei der Sie Ihre Follower bitten, Kinderfotos hochzuladen – und selbst Bilder aus der Angangszeit Ihres Unternehmens zeigen?

2. Mit Gewinnspielen für Reichweite sorgen: Verwandeln Sie das Kommentieren oder Teilen in ein Gewinnspiel und loben Sie dafür kleine Giveaways als Preise aus. So lässt sich mit minimalem Wareneinsatz die Zahl der Follower steigern.

3. Per Videobotschaft an die Kunden wenden: Das Autohaus darf keine Kunden empfangen, der Friseur darf nicht mehr frisieren – aber ein Redeverbot gibt es nicht: Nutzen Sie die Video-Optionen von Facebook und Instagram oder eröffnen Sie Ihren eigenen YouTube-Kanal und wenden sich per Videobotschaft an Ihre Kunden.

4. Schaffen Sie Nutzwert für Ihre Kunden: Ob Styling- oder Autopflegetipps – bieten Sie Ihren Nutzern einen persönlichen Mehrwert. Egal ob per Online-Video, Tweet oder Blog-Beitrag – dem Format sind dabei keine Grenzen gesetzt.

5. Nutzen Sie Instagram-Stories: Ob Flechtfrisuren für den Frühling, die schönsten Automodelle der letzten Jahre oder die besten Mitarbeiter-Fotos aus dem Home Office: Alles, was sich in Form von Fotos zeigen lässt, bietet Material für eine spannende Instagram-Story.

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