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Social-Media im Betrieb Instagram für Handwerksbetriebe: 7 Fragen an die Profis

Instagram ist nur etwas für den privaten Gebrauch? Weit gefehlt – auch immer mehr Handwerksbetriebe setzten auf den Social-Media-Kanal. Welche Gründe dafür sprechen und wie man einen Instagram-Kanal erfolgreich führt, verraten sechs Blogger aus dem Handwerk.

Mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Instagram – Tendenz steigend. Nach Facebook, mit mehr als 32 Millionen Nutzern, ist es der wichtigste Social-Media-Kanal. Wer aber denkt, Instagram eignet sich nur, um private Fotos aus dem Urlaub zu teilen, der irrt. Auch immer mehr Handwerker und Betriebe nutzen die Plattform für betriebliche Zwecke. Blogger aus dem Handwerk zeigen, dass selbst vermeintlich "schmutzige Berufe" erfolgreich und spannend präsentiert werden können. Wie das gelingt? Die Deutsche Handwerks Zeitung hat bei erfolgreichen Bloggern nach den wichtigsten Tipps für einen gelungenen Instagram-Kanal gefragt.

1. Warum sollten Handwerksbetriebe auf Instagram aktiv sein?

Bei dieser Frage sind sich die Blogger-Experten einig: Ein Instagram-Account ist der beste Weg um Interesse bei potentiellem Nachwuchs zu wecken und einen spannenden Blick in den Arbeitsalltag und das Handwerk zu geben. "Ich kann zeigen, was mein Beruf als Maler alles bietet und, dass wir viel mehr können, als viele Leute denken", sagt Phillip Zenglein, der im Familienbetrieb arbeitet. Dank seines Kanals "malermuenchen", hat sein Betrieb innerhalb von einem Jahr schon mehrere Bewerbungen bekommen und einen neuen Mitarbeiter einstellen können.

Auch Madita Brauer konnte durch ihren Account "frauimhandwerk" mit mehr als 5.000 Abonnenten Auszubildende für den Betrieb ihres Vaters gewinnen. Das Anwerben von Auszubildenden oder auch Fachkräften würde vor allem durch einen authentischen Einblick in die Arbeit gelingen. "Ich zeige die tägliche Arbeit und wie viel Spaß diese machen kann", sagt die Auszubildende zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Ein Instagram-Kanal bietet aber nicht nur die Möglichkeit junge Leute anzusprechen, sondern auch Kunden zu gewinnen. "Der Internetauftritt ist für mich wie mein Schaufenster. Dort kann ich durch Bilder meine Törtchen oder Macarons ganz einfach präsentieren", sagt Konditormeister Andreas Muschler. Die Vermarktung seiner Produkte auf Internetplattformen wie seinem Instagram-Account "chocolaterie_patisserie" habe sich auch im Verkauf auswirkt.

2. Wer sollte den Kanal betreuen?

Sollte die Betreuung des Instagram-Accounts Chefsache sein oder kann die Aufgabe auch in die Hände von Mitarbeitern oder Azubis gelegt werden? "Das kann jeder Betrieb individuell entscheiden", meint Felix Schröder. Auf seinem Kanal "gipserfelix" mit mehr als 9.000 Abonnenten gibt er Einblicke in seine Arbeit als Gipser und Stuckateur. Wenn es eine Person im Betrieb gibt, die auch privat viel auf Social-Media-Kanälen unterwegs ist, bietet es sich an, dass diese mit der Aufgabe betraut wird. Aber auch wenn jemand wenig oder noch gar keine Erfahrung mit Instagram hat, sei das kein Problem, da die Plattform sehr einfach zu bedienen ist.

Schröder sieht kein Problem darin, die Betreuung des Accounts in die Hände eines Azubis zu legen. Denn über die Kontrolle des Passwortes, könne man die Arbeit des zuständigen Azubis überwachen und kontrollieren.

3. Wie baut man sich eine Community auf?

Hier müssen Betriebe durchaus Geduld aufbringen. Man sollte sich laut Madita Brauer zuallererst klar machen, welche Zielgruppe angesprochen werden soll – Kunden, Jugendliche, vielleicht auch beide. Die Inhalte des Instagram-Profils sollten sich daran orientieren. Brauer wollte beispielsweise jungen Leuten die Ausbildung in ihrem Beruf näher bringen und gestaltet danach den Inhalt auf ihrem Kanal. 

Außerdem sollte man sofort anfangen, sich zu vernetzen. Das heißt, anderen Kanälen folgen, Beiträge liken und kommentieren. "Nicht darauf warten, dass die Leute auf einen zukommen, man muss selber aktiv sein und mit anderen Kanälen in Kontakt treten. Dann baut sich recht schnell eine Community auf." Dabei muss das Ziel eines Unternehmens nicht das Erreichen von mehr als 10.000 Follower sein. Denn für kleine, regionale Handwerksbetriebe können auch 500 bis 1.000 Follower schon ein großer Erfolg sein.

4. Wie wichtig sind Hashtags?

Sehr wichtig – denn mit Hashtags können sich Betriebe eine Community aufbauen. Für Handwerksbetriebe empfehlen sich etwa branchenspezifische Hashtags wie #handwerk oder #lustaufhandwerk. Durch die Schlagwörter werden die eigenen Beiträge mit den entsprechenden Themen verlinkt und erreichen mehr Reichweite, was im Idealfall zu mehr Followern führt. Phillip Zengleins Tipp: einfach schauen, was erfolgreiche Gleichgesinnte benutzen und sich am Anfang daran orientieren. Außerdem sei es ratsam, Hashtags zu verwenden, die von vielen Menschen verwendet werden. Dadurch werden mehr Leute auf den eigenen Beitrag aufmerksam gemacht.

Auch Andreas Muschler hat hierzu noch einen Rat auf Lager: bei Hashtags die Region, das Produkt und den Firmennamen verwenden. Außerdem sollte der Anlass eines Posts durch einen entsprechenden Hashtag gekennzeichnet werden. Zum Beispiel bei einem Beitrag zum Valentinstag den Hashtag #valentinstag nutzen.  

5. Wann und wie oft sollte man posten?

Das A und O hierbei ist Regelmäßigkeit. "Deshalb muss man sich vorher Gedanken machen, wie viel Zeit man investieren kann", sagt Felix Schröder. Es ist nicht entscheidend, ob jeden Tag oder nur ein bis zwei Mal die Woche gepostet wird. Wichtig ist, dass die Follower eine Regelmäßigkeit beim Erscheinen von Beiträgen erkennen können. Schröder teilt zum Beispiel täglich Fotos in seinem Feed und ist auch in den Storys sehr aktiv. Claudia Beil postet dagegen nur ein bis zwei Mal auf ihrem Instagram-Profil "beilmalerbetrieb", das sie für ihren Malerbetrieb pflegt.

Auch der Zeitpunkt eines Posts kann für dessen Erfolg entscheidend sein. Schröder habe festgestellt, dass er unter der Woche vor allem zwischen 18 bis 19 Uhr und Samstagvormittag viel Resonanz auf seine Fotos kommt.

6. Woher kommen die Inhalte?

Marco Mayer, der im Familienbetrieb als Estrichleger arbeitet und für den Kanal "mayer.estrich" verantwortlich ist, fragt vorab seine Kunden, ob es für sie in Ordnung ist, wenn er ein Bild von seiner Arbeit macht und vereinbart dann einen Termin mit ihnen. Auch Felix Schröder klärt direkt auf der Baustelle, ob er ein Bild für Instagram machen kann. "Es gab auch noch nie Probleme", sagt er. Die Devise hier lautet also: immer nachfragen und die offene Kommunikation mit den Kunden suchen. Dann gibt es im Nachhinein auch keine Probleme.

Manchmal muss es aber gar kein Besuch beim Kunden sein. Viele Betriebe haben passendes Bildmaterial schon direkt vor Ort. So können Optiker oder Konditoren Produkte wie Brillen oder Törtchen einfach und schnell passend in Szene setzen, fotografieren und hochladen.

7. Wie viel Zeit nimmt Instagram in Anspruch?

Das passende Motiv finden, das Bild bearbeiten, einen kurzen Text dazu verfassen und die richtigen Hashtags auswählen – das hört sich erst mal nach Arbeit an. Doch die Blogger geben Entwarnung. "Ich brauche eine bis zwei Stunden in der Woche", sagt Claudia Beil, die ihren Kanal erst seit ein paar Monaten führt.

Damit die Arbeit unter der Woche nicht leidet, hilft es, sich einen Plan zu machen und zu überlegen, was gepostet werden soll. Der Aufwand auf der Baustelle sei dann recht gering, so Zenglein. "Handy zücken, Story hochladen, Effekt rein, Text rein, das sind vielleicht 15 Minuten am Tag."

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