Kolumne So regeln Ausbilder die Handynutzung im Betrieb

WhatsApp, Instagram, private Nachrichten und Videos – viele Azubis nutzen ihr Handy während der Arbeitszeit. Ausbilder dürfen das einschränken. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt was gilt, wann die Handynutzung im Betrieb notwendig ist und welche Regeln dann sinnvoll sind.

Azubi schreibt SMS
Viele Azubis sind durch die private Handynutzung im Betriebsalltag abgelenkt. - © pressmaster - stock.adobe.com

Wenn die Nervensägen an den Nerven sägen, lösen sie Konflikte aus. Quasselstrippen, Gestresste oder Neunmalkluge – die Liste der ganz wichtigen Menschen ist lang und die Palette der Sonderlinge breit. Sie müssen immer und überall erreichbar sein. Im Restaurant oder Theater, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Getümmel auf der Straße oder auf dem sonst so stillen Örtchen: die Handysüchtigen.

Wie Azubis die Handynutzung ausnutzen

Die Handy-Smartphone-Nervensägen sind ein Dauerproblem. Sie stellen die Geduld ihrer Umgebung auf eine harte Probe. Allen gemeinsam sind der ausgeprägte Mitteilungsdrang. Niemand von denen ist sich darüber bewusst, dass sie andere stören.

In der Regel lässt man sie gewähren. Doch wird es immer peinlicher, wenn in so einer zwanzig oder dreißig Minuten Dauerrede alles getextet wird, was absolut niemanden interessiert. Zu den Themen gehören Lebensgeschichten und Weltanschauungen. Das Telefonat dient mitunter auch zur Selbstdarstellung. Eine Variante sind übrigens die Musik-Nervensägen. Das Gedudel in der Öffentlichkeit ist ein Trend. Gehandelt wird nach dem Motto, wenn ich einen Kopfhörer benutze, haben die anderen nichts davon.

Handynutzung im Ausbildungsbetrieb: Nachrichten, Fotos und mehr

Mit solchen Nervensägen hatte auch ein Meister zu kämpfen, der in seinen Werkstätten die jungen Leute im Beruf Orthopädietechnik-Mechaniker/-in ausbildet.

Sie benutzten während der Ausbildungszeit ständig das Handy oder Smartphone. Teilweise wurden die Kurznachrichten von einem Ausbildungsplatz zum anderen gesendet. Schnell haben die Azubis mal ein Bild von einer Kollegin gemacht. Immer wieder waren Gespräche zu hören, ganz laut und ohne die erforderliche Rücksicht.

Die Einschränkungen in der Nutzung dieser Kommunikationsmittel werden von den Auszubildenden häufig als unzumutbarer Eingriff in die persönliche Freiheit gewertet. Sie vermischen sehr gerne den Lebenswandel und das Verhalten in der Freizeit mit dem bei der Ausbildung im Betrieb.

So kann der Ausbilder die Handynutzung regeln

Grundsätzlich darf der Meister in diesen Fällen eine Weisung erteilen und bestimmen, wie die jungen Leute sich im Betrieb zu verhalten haben. Die Vorgaben dürfen nicht im Widerspruch zu den Vereinbarungen im Berufsausbildungsvertrag stehen oder willkürlich sein. In diesen Grenzen darf die Nutzung des Handys oder Smartphones am Ausbildungsplatz eingeschränkt werden. Er sorgte dafür, dass die privaten Geräte, während der Arbeitszeit, abgeschaltet oder der Klingelton leise geschaltet ist.

In einigen Ausbildungsbetrieben ist die Erreichbarkeit nötig, zum Beispiel auf einer Baustelle oder bei einem externen Kundenkontakt. Für diese Fälle empfiehlt sich, den Auszubildenden ein Prepaid-Diensthandy zu geben. Im Betrieb sollte man die private Nutzung, der persönlichen Geräte, auf die Notfälle beschränken. Die Lehrlinge müssen ihre Freunde oder die Familie dazu anhalten, nur in den äußersten Notfällen während den Arbeitszeiten anzurufen. Dürfen die Auszubildenden die dienstlichen Geräte auch privat nutzen, ist es uns nicht automatisch gestattet, den Einblick in die Verbindungsdaten oder die Inhalte von Mails zu nehmen.

Private Handynutzung möglich machen

Eine rücksichtsvolle private Nutzung in den Pausen wird möglich sein, allerdings darf sie die Gemeinschaft dadurch nicht beeinträchtigen. Ein Foto von den Beschäftigten zu machen, das ist ohne deren Zustimmung grundsätzlich nicht gestattet. Der zeitliche Rahmen für die Nutzung sollte vorgegeben sein, wenn es ein berechtigtes Interesse gibt. Die Ausbildung darf durch die private Nutzung auf keinen Fall beeinträchtigt sein. Sinnvoll ist, die ersten Schritte einmal auszuprobieren. Sollte sich keine Besserung einstellen, dann wird strikt verboten, die Geräte mitzubringen. Grundsätzlich ist ein Verbot am Ausbildungsplatz zulässig.

Auch wenn das Verbot nicht im Berufsausbildungsvertrag geregelt wurde, können die Ausbildenden, durch ihre Weisungsbefugnis das Verhalten der Auszubildenden festlegen. Dazu zählt auch die Benutzung von einem Handy- oder Smartphone. Allerdings muss dies nach billigem Ermessen geschehen. Das heißt, dass die berechtigten Interessen zu berücksichtigen sind.

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.