Kolumne Ausbildungsende vor der Probezeit: Das sollten Ausbilder wissen

Wenn ein Meister oder ein Azubi die Ausbildung noch vor Beginn kündigt, ist das zwar nicht schön, aber rechtlich meist recht einfach möglich. Was dabei zu beachten ist, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner neuen Ausbildungskolumne.

Kündigungsrecht
Eine Kündigung ist noch vor Beginn der Ausbildung möglich. Dies geschieht zum Beispiel, wenn ein Azubi noch vor dem Start den Ausbildungsbetrieb wechseln möchte. - © kwarner - stock.adobe.com

"Stufen" ist eines der bekanntesten Gedichte von Hermann Hesse, mit dem berühmten Zitat "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne". Ob es auch zauberhaft ist, wenn das Ende der Ausbildung vor der ersten Stufe liegt?

Das könnte sich Paul fragen, der sicher nicht Herrmann Hesse liest, dessen Ausbildungszeit jedoch schon vor dem Beginn endete. Er ist volljährig und hat einen Berufsausbildungsvertrag zum Bodenleger abgeschlossen. Die Ausbildung soll im Herbst beginnen. Bis zum Beginn der Ausbildungszeit stellt der Meister ihn als Aushilfskraft ein. Während dieser Zeit besucht der junge Mann regelmäßig einen Spielsalon und verspielt dort größere Geldbeträge. Als die Ehefrau des Meisters davon erfährt, ist sie ganz sicher, dass so einer nicht für eine Ausbildung in ihren Familienbetrieb passt. In einigen Gesprächen drängt sie ihren Mann dazu, die vorgesehene Ausbildung zu kündigen. Diesem Wunsch folgt er letztendlich und übergibt Paul ein Kündigungsschreiben, vor dem Beginn der Probezeit.

Wann ist eine Kündigung vor der Probezeit zulässig?

Da nach dem Berufsbildungsgesetz die für den Arbeitsvertrag geltenden Rechtsgrundsätze anzuwenden sind, ist die Frage nach der Kündigung vor dem Vertragsbeginn nach den allgemeinen arbeitsrechtlichen Grundsätzen zu beurteilen.

In der allgemeinen Rechtsauffassung besteht Einigkeit darüber, dass die ordentliche Kündigung eines Arbeitsvertrages, dessen Verwirklichung erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen ist, schon vor dem angestrebten Beginn erklärt werden kann. Ein Ausbildungsvertrag kann demnach bereits vor Beginn und ohne eine Frist ordentlich gekündigt werden. Hierfür muss kein Grund vorliegen.

Wann ist eine Kündigung vor der Probezeit nicht zulässig?

Unzulässig wäre die ordentliche Kündigung, vor dem Antritt der Berufsausbildung, nur dann, wenn sie entweder von den Vertragsparteien ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Zum anderen dann, wenn sich aus ihren Abreden oder den für die Auslegung verwertbaren Umständen ergeben würde, dass sie während der Probezeit eine bestimmte befristete, feste Bindung angestrebt haben. Eine derartige Bindung darf sich allerdings nicht zum Nachteil der Auszubildenden auswirken.

Können auch Lehrlinge die Ausbildung vorzeitig kündigen?

Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen die zukünftigen Lehrlinge, vor dem Beginn der Ausbildung kündigen oder einfach am ersten Ausbildungstag nicht erscheinen. Letzteres ist besonders ärgerlich, weil für den Ausbildungsbetrieb, im Zusammenhang mit der Auswahl einige Kosten entstanden und das Geld nun verloren ist. Geradezu eine Frechheit ist dieses Verhalten gegenüber den anderen Bewerberinnen und Bewerbern, denn in vielen Fällen bleiben diese Ausbildungsplätze dann unbesetzt. Oft kann der Ausbildungsbetrieb so spät keine geeigneten Lehrlinge mehr zu finden.

>>> Lesetipp: Zum Ausbildungsstart: Erste Zahlen aus dem Handwerk

Warum treten Lehrlinge ihre Ausbildung nicht an?

Die Gründe, warum recht viele Jugendliche ihren Ausbildungsplatz erst gar nicht antreten sind vielfältig. Viele schließen mehrere Ausbildungsverträge ab. Sie unterschreiben zunächst einen Vertrag, um sicherzugehen und finden später einen aus ihrer Sicht attraktiveren Ausbildungsplatz. Andere entschließen sich doch noch zum Studium oder einer weiterführenden Schulausbildung. Die Meisterin oder der Meister sollte sich nicht nur auf den Vertrag verlassen. Sicherheitshalber lassen sie sich gleichzeitig die Daten der elektronischen Lohnsteuerkarte geben.

Manche haben sich in einer fremden Stadt beworben, kann jetzt aber eine Ausbildung im Heimatort beginnen. Andere wiederum sind sprunghaft und haben die Interessen für den Ausbildungsberuf geändert. Er oder sie möchte in einem anderen Handwerk, in einem Industriebetrieb oder an einem Ausbildungsplatz lernen.

Auch durch den Umzug in eine andere Stadt, ein anderes Bundesland oder Land kann unter Umständen die Ausbildungsstelle nicht angetreten werden. Wieder andere ziehen den weiteren Besuch einer Schule dem vermeintlich "harten Leben" als Auszubildende vor. Dann gibt es natürlich auch noch die Kündigung aus persönlichen Gründen, die im familiären Umfeld liegen. In machen Fällen kann auch eine Allergie gegen ein Berufsmittel vorliegen.

Was muss der Ausbildungsbetrieb noch beachten bei einer Kündigung vor Ausbildungsbeginn?

Wurde das Berufsausbildungsverhältnis vor dem Beginn beendet und waren die Daten schon im Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse bei der Handwerkskammer registriert, ist es wichtig, die Kündigung auch dort zu melden. Natürlich wird auch die Berufsschule über die vorzeitige Beendigung des Ausbildungsverhältnisses informiert, denn sonst wurden dort die Klassen mit bestimmten Schülerzahlen geplant und zum Beginn des Schuljahres steht manche Lehrerinnen oder Lehrer unter Umständen vor einer halbvollen Klasse.

Was muss bei einer Kündigung während der Probezeit beachtet werden?

Bei der Kündigung während der Probezeit hätte es sich um eine Kündigung ohne die Einhaltung einer Kündigungsfrist gehandelt. Sie muss grundsätzlich nicht mit einem besonderen Kündigungsgrund erklärt werden. Nach den Vorstellungen der Gesetzgebenden sollen sich die Vertragsparteien während der Probezeit gegenseitig dahingehend prüfen, ob sich die geplanten Ausbildungsziele verwirklichen lassen und ob sich die Auszubildenden für den zu erkundenden Beruf eignen.

Es ist jedoch nirgends geregelt, dieses Ziel in einem vorgeschalten Zeitraum zu erreichen. Das Ausbildungsverhältnis könnte zum Beispiel bereits am ersten Tag, also unmittelbar nach dem Beginn ohne die Einhaltung einer Frist durch die Kündigung beendet werden, wobei es hierfür keinen Grund geben muss.

Für die Auszubildenden besteht übrigens keine Gefahr, dass sie von den Ausbildenden auf Schadensersatz verklagt werden können. Denn der Begriff Probezeit verdeutlicht das Kennenlernen aller Umstände, die für die Ausübung des Berufes und des Ausbildungsvertrages erforderlich sind.

>>> Lesetipp: Probezeit in der Ausbildung: 17 Fakten zu Kündigung, Dauer & Co.