Handwerk setzt auf Nachvermittlung Zum Ausbildungsstart: Erste Zahlen aus dem Handwerk

Viele Kammern berichten von einem Plus an neuen Ausbildungsverträgen und vielen offenen Stellen. Ein erster Überblick.

Junger Mensch mit Rucksack an der Startlinie
Zum 1. September beginnt in dem meisten Bundesländern das neue Ausbildungsjahr. Die Zahlen für 2021 sehen besser aus als im Vorjahr. - © mirsad - stock.adobe.com

Für unentschlossene Jugendliche und junge Erwachsene bieten sich in den kommenden Wochen noch viele Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. "Auch jetzt ist noch eine gute Zeit zu starten", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei einer Veranstaltung zum Sommer der Berufsbildung in Berlin. Gemeinsam mit Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ermunterte sie Jugendliche, sich in den nächsten Wochen weiter zu informieren und noch im September oder Oktober eine Ausbildung anzufangen.

Wollseifer: Wir müssen nochmal richtig Gas geben

Schon jetzt ist es nach den Worten Wollseifers gelungen, wieder mehr Jugendliche als im Vorjahr für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. Die Kammern und Betriebe hätten schnell auf digitale Formate umgestellt und so die Jugendlichen bei der Berufsorientierung unterstützt. Noch immer gebe es aber rund 30.000 offene Stellen "Wir müssen deshalb nochmal richtig Gas geben", sagte er. Ziel sei es, möglichst viele dieser Stellen noch zu besetzen. Sowohl Karliczek wie Wollseifer beschrieben die unterschiedlichen Möglichkeiten der Einstiegs- sowie Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk. Unter dem Slogan "demonstrieren ist gut, installieren ist besser", verwies Wollseifer auf verschiedene Handwerksberufe, mit denen die Klimawende umgesetzt werde.

Wie die Lage vor Ort aussieht, zeigen die Zahlen aus den verschiedenen Bundesländern.

Vorkrisenniveau in Bayern trotz Plus noch nicht erreicht

So wurden allein im bayerischen Handwerk zum 1. September 20.848 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Ein Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ende August 2019 lag die Zahl allerdings noch bei 22.587. Gleichzeitig melden die Lehrstellenbörsen der bayerischen Handwerkskammern noch 4.770 offene Ausbildungsangebote. Hier erwartet der Präsident des Bayerischen Handwerkstages Franz Xaver Peteranderl noch eine starke Nachvermittlung. "Lehrverträge können auch nach dem 1. September geschlossen werden", betonte er.

Leichtes Plus auch in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg ist es gelungen, die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse um 169 auf 16.336 Verträge leicht zu erhöhen. "Unsere Betriebe haben in diesem Jahr enorm viel dafür getan, Auszubildende zu gewinnen - trotz der nach wie vor kaum existierenden Berufsorientierungsangebote in Schulen und auf Messen", sagte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Allerdings seien immer noch 3.550 Ausbildungsplätze unbesetzt. Reichhold verwies wie andere auch auf die künftigen Aufgaben im Klimaschutz. Hier böten viele Handwerksberufe interessante Möglichkeiten.

Hessen hofft auf Nachholeffekte in den kommenden Wochen

Noch 2.621 offene Ausbildungsplätze gibt es noch im hessischen Handwerk. Insgesamt sei die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 148 oder zwei Prozent auf 7.303 Verträge zurückgegangen, wie die Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern mitteilte. Wie in Bayern macht sich auch in Hessen der Rückgang von Bewerbern mit Fluchthintergrund bemerkbar. Haus zeigte sich aber optimistisch, dass im Rahmen der Nachvermittlungsaktionen noch viele Stellen besetzt werden könnten.

Leichtes Plus bei den neuen Ausbildungsverträgen in Sachsen

Mehr als 1.000 offene Stellen gibt es auch bei der Online-Lehrstellenbörse in Sachsen, wie es beim Handwerkstag in Sachsen heißt. Und auch hier hat das Handwerk im Vergleich zum Ausbildungsstart im Vorjahr mit insgesamt 4.647 neuen Ausbildungsverträgen leicht zulegen können. Besonders viele Neuabschlüsse gab es hier im Kfz-Handwerk, im Elektrohandwerk und im Bereich Sanitär-Heizung-Klima.

Wieder mehr neue Auszubildende im Handwerk in Thüringen

Mit vereinten Kräften ist es auch in Thüringen gelungen, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bis Ende August zu erhöhen. Ingesamt melden die Kammern in Erfurt, Gera und Suhl 2.465 (Vorjahr: 2.327) neue Ausbildungsverträge. Aber auch hier gibt es noch rund 950 offene Lehrstellen. Die Kammern weisen auch hier darauf hin, dass sich jetzt noch Jugendliche bei Berufs-Infobörsen oder Aktionstagen informieren und Ausbildungsverträge abschließen können.

In Halle mehr Ausbildungsverträge als vor der Krise

Ein deutliches Plus gab es auch im Kammerbezirk Halle in Sachsen-Anhalt. Bis Ende August konnten hier ingesamt 1.219 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet werden. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 880 und im Jahr 2019 ganze 1043 Verträge. Auch gibt es noch Einstiegschancen. Denn auch hier sind noch rund 400 Ausbildungsplätze nicht besetzt.