Kolumne Wie man Azubis nach der Probezeit noch kündigen kann

Wenn Azubis erst nach der Probezeit ein schlechtes Benehmen an den Tag legen, ist es nicht immer rechtlich einfach ihnen zu kündigen. Warum eine Abmahnung vorher wichtig ist und wie diese aussehen sollte.

Gastautor Peter Braune

Eine Kündigung ist bei einem Azubi auch nach der Probezeit möglich. Allerdings sollten vorher eine oder mehrere schriftliche Abmahnungen ausgestellt werden. - © Zerbor - stock.adobe.com

Ein junger volljähriger Mann wird in einem Baugeschäft zum Hochbaufacharbeiter ausgebildet. Sein Lebensmotto: Die Unverfrorenheit liegt irgendwo zwischen der Dreistigkeit, Unverschämtheit und Unbefangenheit.

Der Ausbilder erlebte wiederholt seinen unfreundlichen Umgang mit der Kundschaft und den Gesellen. Zum Verhalten gehörte sein gesamtes, negatives Erscheinungsbild, das sich leider erst nach der Probezeit entwickelt hatte. Auch die Leistungen wurden immer schlechter. Er kam regelmäßig zu spät in die Berufsschule und den Betrieb. Als Höhepunkt verstieß er mehrfach gegen das betriebsinterne Fahrverbot. Mit einem Kleintransporter hatte er immer wieder auf dem Gelände des Betriebes rangiert. Dabei kam es zu dem einen oder anderen kleinen Sachschaden. Für seinen Ausbildenden war das genug. Es folgte eine fristlose Kündigung.  

Ich denke die ist gerechtfertigt, wenn er sich, in knapp sieben Monaten , zwölfmal verspätete und an drei Tagen, ohne die rechtzeitige Entschuldigung, dem Unterricht in der Berufsschule und der betrieblichen Ausbildung fernblieb, obwohl er wiederholt abgemahnt wurde. 

Offenbar war der Junge mit dem Helikopter durch das Kinderzimmer geflogen und die Eltern haben ihn, durch das Weglassen der passenden Erziehung, dabei unterstützt. Ein Ausbildungsbetrieb ist kein Lernort für die nötige Etikette, auch wenn es auf dem Bau manchmal etwas rau zugeht, der passende Anstand sollte auch hier beachtet werden.

Gespräch zwischen Ausbilder und Lehrling im Vorfeld wichtig

Der Ausbildende hatte es offenbar versäumt, im Zusammenhang mit den verschiedenen Fehlverhalten des Lehrlings, die erforderlichen Gespräche zu führen. Er hätte dem Auszubildenden zuerst die gelbe Karte zeigen sollen. So wäre die Gelegenheit entstanden, dass er sein falsches Verhalten ändert. Dabei wären ihm sicher die passenden Hinweise zu seinen Erwartungen eingefallen und der Lehrling wäre rechtzeitig ermahnt worden. Zu diesen frühen Zeitpunkten war sicher noch zu retten, was an Entwicklungsmöglichkeiten noch in ihm schlummerte. Er hätte die Chance erhalten, es nach und nach besser zu machen.

Vor Gericht würden diese Gespräche jedoch nicht zählen. Hier gelten nur die von beiden unterschrieben Protokolle über die Gespräche oder das Schriftstück über dem das Wort Abmahnung steht. Darin wird eine Kündigung angekündigt, wenn sich die gemahnte Verhaltensweise nicht bessert. In dem Fall, von dem ich hörte, hätten mit Sicherheit die einzelnen Vorgänge, wie die Unfreundlichkeiten gegenüber der Kundschaft, die Missachtung des Fahrverbots oder die Verspätungen, als Anlass für die Personalgespräche dienen können.

Einen Auszubildenden nach der Probezeit zu kündigen, das ist eine große Herausforderung. Das Ausbildungsverhältnis ist kein Arbeitsverhältnis. Es ist ein Beschäftigungsverhältnis besonderer Art und enthält einen Erziehungsauftrag. Daher ist es wichtig, auf dem Weg zu einer berechtigten Kündigung keine Fehler zu machen. Durch die Abmahnung werden die Auszubildenden auf ein Fehlverhalten hingewiesen. Zugleich macht es deutlich, dass ein entsprechendes Verhalten für die Zukunft nicht geduldet wird und ein weiterer Verstoß die arbeitsrechtlichen Konsequenzen hat.

Vor der Kündigung sollte eine schriftliche Abmahnung erfolgen

Sehr wichtig ist, dass er dabei daran gedacht hätte, bei jeder Abmahnung den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten. Das abgemahnte Verhalten darf nicht unverhältnismäßig im Vergleich zum Fehlverhalten stehen. Wenn er daran nicht denkt, ist sie unzulässig und kann gerichtlich angegriffen werden.

Die Abmahnung bereitet eine Kündigung vor. Wurde ein Auszubildender zum Beispiel abgemahnt, weil er einen der Gesellen beschimpft und beleidigt hatte, dann kann er für dieses Verhalten, in der Regel, noch nicht gekündigt werden. Eine Kündigung ist dann möglich, wenn die gleiche oder eine andere Person erneut beschimpft und beleidigt wurde. Die Abmahnung ist bei jeder objektiven Pflichtverletzung möglich. Es sollte jedoch kein unwesentliches Fehlverhalten sein, beispielsweise eine einmalige Verspätung von wenigen Minuten. Als Grundregel gilt, die Abmahnung möglichst zeitnah zu verfassen. Wie oft ein Fehlverhalten abgemahnt wird, das hängt von der Art und Bedeutung der Pflichtverletzung ab.

Verhalten sich die Betroffenen, nach Erhalt der Abmahnung und über einen längeren Zeitraum pflichtgemäß, dann werden die zuvor erteilten Abmahnungen gegenstandslos. In einem solchen Fall bedarf es vor einer Kündigung zunächst erneut einer wirksamen, schriftlichen Abmahnung. Sie kann grundsätzlich formfrei erfolgen. Die Abmahnung von Minderjährigen wird erst mit Zugang bei deren gesetzlichen Vertretungen wirksam. Sie unterliegt keiner Frist, sollte jedoch unverzüglich nach Bekanntwerden des Fehlverhaltens erteilt werden. Bei einer zweiten oder dritten Abmahnung fällt die Formulierung schärfer aus, eine Kündigung kann dann unvermeidbar folgen. Natürlich muss auch entsprechend reagiert werden, wenn die Auszubildenden gleiches Fehlverhalten weiterhin an den Tag legen. Die wiederholten Verspätungen, das unentschuldigte Fehlen, die Nichtvorlage der regelmäßig zu führenden Ausbildungsnachweise, keine unverzügliche Benachrichtigung im Krankheitsfall oder die Nichteinreichung oder verspätete Einreichung der ärztlichen Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit, das sind einige typische Fälle die zu einer Abmahnung führen.

Über den Autor

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.

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