Kolumne Schlechte Noten: Tipps für Ausbilder im Streit mit dem Azubi

Schlechte Noten in der Berufsschule und schlechte Leistungen im Betrieb können zu Auseinandersetzungen zwischen dem Ausbilder und dem Lehrling führen. Ausbilder können diesem Problem gezielt entgegenwirken. Ausbildungsberater Peter Braune berichtet von Beispielen aus der Praxis.

Schlechte Noten in der Berufsschule
Schlechte Noten in der Berufsschule? Das sollte auch Thema im Ausbilungsbetrieb sein. - © Antonioguillem - stock.adobe.com

Das schlechte Abschneiden in der Berufsschule wird bei den Auszubildenden häufig mit einer gewissen Faulheit in Verbindung gebracht. Das trifft in einigen Fällen sicher auch zu. In manchen Fällen hat das unter Umständen mit dem Ausbildungsberuf zu tun. Das gilt vor allem dann, wenn der, im Rahmen einer Neuordnung, den aktuellen den Anforderungen angepasst wurde. Im Verlauf der Ausbildungszeit stellt sich dann die Überforderung heraus. Ganz häufig stimmen die Noten, im Abschlusszeugnis der zuletzt besuchten, allgemeinbildenden Schule, nicht mit den Leistungen im Betrieb und in der Berufsschule nicht überein.

So hat auch in diesem Fall ein Meister die Ausbildungspflicht zu beachten, der aktuelle eine Mechatronikerin für Kältetechnik ausbildet. Er muss vor allem dafür Sorge zu tragen, dass die Auszubildende das Ausbildungsziel innerhalb der festgelegten Zeit erreichen kann. Dazu gehören alle in der Ausbildungsordnung und im Ausbildungsrahmenplan vorgesehenen, beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse. Das Ausbildungsziel ist die Abschlussprüfung. Die Prüfungsanforderungen erstrecken sich auf die im aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.

Schlechte Noten? Angst vor den Klassenarbeiten?

Was macht er jedoch, wenn seine Auszubildende in der Berufsschule nur noch die schlechten Leistungen zeigt? Zunächst ermittelt er, wie grundsätzlich die Wissenslücken sind. Es ist die Frage zu beantworten, ob der Azubi regelmäßig lernt und ob es dafür genügend Zeit gibt. Manchmal hat so eine Person nur etwas Angst vor den Klassenarbeiten. Möglicherweise gibt es zu Hause nicht die notwendige Ruhe und die Voraussetzungen, um erfolgreich lernen zu können.

Es ist stets daran zu denken, dass die Ausbildenden die Berufsausbildungsverträge unterschrieben haben und nicht die Lehrkräfte der Berufsschule. Generell gilt für die Meisterin oder den Meister, dass sie sich vom ersten Tag an die Noten zeigen lassen, die der Azubi in der Berufsschule erreicht hat. Durch den engen Kontakt zu den Lehrkräften in der Berufsschule erfahren die Verantwortlichen welcher Förderunterricht dort angeboten wird. Wenn es machbar ist und in ganz dringenden Fällen organisiert der Betrieb die Nachhilfe. Natürlich sollte man den ehrling auffordern, die Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Das kann zum Beispiel durch die ausbildungsbegleitenden Hilfen geschehen, die die Arbeitsagentur finanziert. Durch die regelmäßige Durchsicht der Ausbildungsnachweis wird sichergestellt, den nötigen Überblick über den Lehrstoff zu erhalten, der im Unterricht geboten wurde.

Schlechte Noten? Kann der Ausbildungsbetrieb schuld sein?

Kritisch wird es, wenn die Auszubildenden versuchen, die Ursachen ihrer Leistungsschwächen und fehlendem Interesse an der Ausbildung beim Ausbildungsbetrieb zu suchen. Meist beginnt es damit, die Organisation und Methoden der Ausbildung anzuzweifeln. Ganz frech fordern sie dann die fragwürdigsten Änderungen. Sie schwingen sich zu einem Verhalten auf, mit dem sie den Ausbildungsbetrieb nach ihren Wünschen gestalten möchten und versuchen die auch Fakten gegen die Meisterin oder den Meister zu sammeln. So wollen sie nachweisen, dass darin die Ursache eines Scheiterns ihrer Ausbildung begründet wäre. Hier sollte unbedingt die Ausbildungsberatung der zuständigen Stelle in Kenntnis gesetzt werden. Alle Tatsachen kommen auf den Tisch, um zukünftigen Streitfällen vorzubeugen.

Kein Rauswurf wegen schlechter Noten. Das versuchte eine Meisterin, die ihre Lehrlinge im Bauhandwerk ausbildet. Sie begründete ihr Vorhaben damit, dass einer der Lehrlinge einfachste Tätigkeiten nicht erledigen könnte. Der Junge wäre für den Beruf völlig ungeeignet. Das könnte sie auch daran erkennen, dass er durch die Zwischenprüfung gefallen sei. Der Prüfer hatte den praktischen Teil mit mangelhaft bewertet. Vor Gericht hatten ihre Argumente jedoch keinen Bestand. Eine fristlose Kündigung wegen schlechter Leistungen komme nur in Betracht, wenn es ausgeschlossen ist, dass die Auszubildenden die Abschlussprüfung bestehen, was es zu beweisen gelte. 

Ausbilder sollten Noten in der Berufsschule im Auge behalten

Welche Folgen es auch noch haben kann, wenn die Meisterin oder Meister die Leistungen der Lehrlinge in der Berufsschule nicht im Auge behalten zeigt das folgende Beispiel. Ein junger Mann hatte die Ausbildungszeit als Konditor zurückgelegt und nahm an der Abschlussprüfung Teil. Die bestand er nicht. Seine Ausbildungszeit endete mit dem im Berufsausbildungsvertrag vereinbarten Datum. Vier Wochen danach erschien er bei seinem ehemaligen Ausbildenden. Er beantragt das Berufsausbildungsverhältnis bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung zu verlängern. Als Begründung gab er an, der Meister habe sich nicht genügend um die den schlechten Leistungsstand seines Schützlings in der Berufsschule gekümmert. Der Meister lehnt die Bitte ab. Daraufhin reicht der Lehrling eine Klage beim Arbeitsgericht ein.

Da konnte dem Auszubildenden wenig geholfen werden. Wenn er die Prüfung nicht bestanden hat und den Verlängerungsanspruch erst nach Ablauf der vereinbarten Ausbildungszeit geltend macht, würde die Verlängerungswirkung nur eintreffen, wenn der Anspruch unverzüglich erklärt wurde.

Die Regelung des einseitigen Verlängerungsanspruches stellt einen Eingriff in die Berufsfreiheit der Ausbildenden dar. Die haben für den Fall des Nichtbestehens einen Ausbildungsplatz vorzuhalten, um eine weitere Chance für den Berufsabschluss einzuräumen. Diese Pflicht ist jedoch auf das zur Zweckerreichung erforderliche Maß zu begrenzen. Das verlangt jedoch, den Anspruch unverzüglich und damit ohne schuldhaftes Zögern geltend zu machen. Ob das der Fall ist, bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalls. Den Auszubildenden muss ein angemessener Zeitraum verbleiben, um sich Klarheit zu verschaffen.

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.