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E-Bike oder Pedelec? So funktioniert ein E-Bike: 8 Fragen zu Akku, Antrieb und Kosten

Die Fahrradsaison 2018 steht in den Startlöchern. Immer beliebter werden bei Jung und Alt E-Bikes. Doch was kostet ein alltagstaugliches E-Bike, wie lange hält ein Akku und wie lagert man ihn am besten? Ein Fahrrad-Experte verrät Tipps und Tricks rund um die Elektro-Räder.

Der E-Bike-Markt wächst immer schneller. Nach aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands wurden im Jahr 2017 deutschlandweit etwa 720.000 E-Bikes verkauft – ein Plus von 19 Prozent. Die Gründe für einen boomenden Markt sind klar: Es gibt in nahezu allen Fahrradkategorien Räder mit elektronischem Antrieb, ganz egal ob als E-City-Rad, E-Mountainbike oder E-Lastenrad. Doch mit der größeren Verbreitung kommen auch Fragen zu Antrieb, Akku und Funktion. Fahrradexperte Alban Manz von der Stuttgarter Agentur inMotion mar.com, weiß worauf es beim E-Bike-Kauf ankommt.

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1. Was ist der Unterschied zwischen E-Bike, Pedelec und S-Pedelec?

Wer die Begriffe E-Bike und Pedelec benutzt, meint in aller Regel dasselbe. Aber es gibt doch gravierende Unterschiede. "Die Begriffe Pedelec und E-Bike werden häufig unscharf verwendet", weiß Manz. "Der größte Anteil der angebotenen Elektro-Räder sind eigentlich Pedelecs." 

Eine Typenkunde:

Pedelecs:

Sie unterstützen den Fahrer mit einer Motorenleistung von maximal 250 Watt. Während des Tretens darf das Rad eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde erreichen. Wer schneller unterwegs sein will, muss aus eigener Kraft zusätzlich Tempo machen. Die Körperleistung eines durchschnittlichen Radfahrers liegt allerdings nur bei circa 100 Watt. Juristisch ist das Pedelec einem Fahrrad gleichgestellt.

E-Bikes:

Sie gehören zur Gattung der Mofas. Sie unterstützen den Fahrer nicht nur, wenn dieser ohnehin schon in die Pedale tritt, sondern können sich alleine durch die Leistung des Motors in Bewegung setzen. Es gilt die Beschränkung der Motorleistung auf 500 Watt. Zudem darf der Motor sie nicht auf mehr als 20 Stundenkilometer beschleunigen, damit E-Bikes noch als Kleinkrafträder durchgehen. Damit brauchen die E-Bikes ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und ihr Fahrer mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung.

S-Pedelecs:

Ebenfalls zu den Kleinkrafträdern zählen die sogenannten S-Pedelecs (auch schnelle Pedelecs genannt). Der Grund: Die Motorunterstützung wird hier nicht bereits bei 25, sondern erst bei 45 Kilometern pro Stunde abgeschaltet. Die maximal erlaubte Motorleistung liegt bei 500 Watt.

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2. Wie viel muss man für ein alltagstaugliches E-Bike bzw. Pedelec investieren? 

Bei Discountern oder im Baumarkt findet man häufig schon E-Bikes für etwa 1.000 Euro. Doch Vorsicht: In aller Regel wird aufgrund des geringen Preises an einzelnen Komponenten gespart. Dies kann sich auf die Qualität auswirken.  

Laut Manz geben die Käufer durchschnittlich wesentlich mehr Geld aus: "Nach den Daten des VSF (Verbund Service und Fahrrad) geben Käufer im Premiumfachhandel durchschnittlich etwa 2.500 Euro für ein Pedelec aus, während der Durchschnittspreis im Fachhandel immerhin bei rund 2.000 Euro liegt."

3. Wie funktioniert ein E-Bike-Motor? 

Sobald man in die Pedale tritt, unterstützt der E-Bike-Motor die Tretleistung. Damit diese Unterstützung möglichst harmonisch abläuft, sind die Systeme mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet.  

"Häufig werden drei Werte gemessen: Drehmoment, Geschwindigkeit und Trittfrequenz", erklärt Manz. "Die Steuereinheit berechnet so die Energie, die der Motor zur Leistung des Fahrers dazu gibt. Dies ist auch abhängig von der gewählten Unterstützungsstufe. In der Regel haben die aktuellen E-Bike-Motor-Systeme drei bis vier unterschiedliche Fahrmodi."

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4. Welche Antriebsarten gibt es und welche eignet sich für welchen Fahrer? 

Grundsätzlich unterscheidet man bei Elektrorädern zwischen drei unterschiedlichen Antriebskonzepten. Sie unterscheiden sich darin, wo der Motor untergebracht ist: Voderradantrieb, Hinterradantrieb und Mittelmotor (der Motor sitzt mittig an der Kurbel). 

"Alle Varianten haben Vor- und Nachteile", weiß Manz. Eine wichtige Unterscheidung sei, dass sich der Vorderradantrieb problemlos mit einer Rücktrittbremse kombinieren lasse. "Es gibt aber auch Mittelmotoren, die eine Rücktrittbremse zulassen. Gerade ältere Nutzer möchten darauf nicht verzichten und sind somit bei der Antriebswahl festgelegt", so der Fahrrad-Experte. 

Der Vorderradantrieb lässt sich auch mit allen Schaltungen kombinieren. Da Vorderradantriebe am leichtesten zu verbauen sind, seien vor allem günstige bzw. einfache Pedelecs häufig damit ausgestattet. 

"Ein Hinterradantrieb kann in aller Regel nur mit einer Kettenschaltung kombiniert werden", betont Manz. "Hinterradantriebe sind häufig recht kräftig und arbeiten gleichmäßig. Daher sind sie oft bei sportlichen oder auf der Langstrecke eingesetzten Rädern zu finden. Ein Rücktritt ist bisher nicht möglich." 

Anders sieht es bei Mittelmotoren aus. "Sie sind aufwändiger, da sie einen speziellen Rahmen benötigen". Die Aufnahme für den Motor müsse in der Nähe des Tretlagers vorgesehen sein.

Ausnahme sind Antriebe, die auf die Tretlagerachse aufgesteckt werden. "Mittelmotoren sind in den günstigen Preislagen eher selten vertreten. Ein Mittelmotor lässt sich mit allen gängigen Schaltungen außer den Tretlagerschaltungen verbauen", erklärt Alban Manz.

5. Wie funktioniert eine E-Bike-Ladestation? 

Mit den steigenden Zahlen der E-Bikes in der Bevölkerung, steigt auch die Ausstattung der Infrastruktur. E-Bike-Ladestationen sind längst nicht mehr nur in Urlaubsregionen ein alltägliches Bild. "Idealerweise kann man an einer E-Bike-Ladestation das Rad sicher abstellen und den Akku währenddessen auch wieder aufladen. Die Station sollte gut zu erreichen sein und komfortable Abstellmöglichkeiten sowie Anschließbügel o.ä. für Pedelecs und E-Bikes bieten", so der Experte.  

Da es umständlich ist, stets das Ladegerät für den e-Bike Akku mitzunehmen, um den Akku unterwegs laden zu können, sollte die Station über ein Ladekabel verfügen, das sich auch für den Außenbereich eignet. "In der Regel gibt es Ladestationen in verschiedenen Ausführungen: Als Ladesäule oder als Ladeboard an der Wand oder im Bereich von bereits vorhandenen Fahrradständern."

6. Wie lange hält ein E-Bike-Akku? 

Damit man lange Freude an seinem elektrischen Helfer hat, sollte der Akku natürlich möglichst lange halten. "Aktuelle Akkus haben je nach Hersteller eine Lebensdauer von 500 bis 700 Ladezyklen", erläutert Manz. Allerdings nehme die Ladekapazität nach etwa 500 Voll-Ladezyklen nach und nach ab. Auch hier gilt: Höhere Qualität kostet in der Anschaffung etwas mehr.

7. Warum sind E-Bike Akkus so teuer? 

Je nach Anbieter und Modell kosten die Ersatzakkus rund 700 Euro. Je nach Häufigkeit und Intensität der Akkunutzung kann die Anschaffung eines neuen Akkus bereits innerhalb weniger Jahre nötig sein. "Der Preis ist deswegen teuer, da es sich in der Herstellung ein sehr aufwändiges Technologie-Produkt handelt", so Manz. "Außerdem liegt die Produktion der Zellen größtenteils in der Hand von nur drei großen Herstellern weltweit."

8. Wie lagert man den E-Bike Akku am besten?

Die Neuanschaffung eines Ersatzakkus ist also recht kostspielig. Umso wichtiger ist es, mit dem eigentlichen Akku richtig umzugehen. Dies gilt vor allem für die Einlagerung vor längeren Pausen, etwa im Winter. Zwar gibt jeder Hersteller individuelle Tipps für die ordnungsgemäße Lagerung, dennoch hat Alban Manz noch ein paar allgemeine Ratschläge: "Grundsätzlich sollt der Akku trocken und frostfrei lagern, idealerweise bei Temperaturen zwischen 10°C und 20° C", weiß der Experte. Extrem hohe und niedrige Temperaturen schaden dem Akku. "Außerdem sollten Nutzer den Akku nicht komplett voll aufladen, sondern vor der Einlagerung nur etwa zur Hälfte. Spätestens alle 2-3 Monate sollte dann der Ladezustand überprüft werden, damit die Biker ihr Rad auch mit voller Leistung nutzen können", rät Manz.

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