Panorama -

Elektrofahrräder liegen voll im Trend eBike: Worauf es beim Kauf ankommt

Die ersten Frühlingstage sind die beste Zeit, das Fahrrad fit für die neue Saison zu machen. 2016 sind vor allem eBikes gefragt. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat sich mit einem eBike-Experten über die aktuellen Trends unterhalten.

DHZ: Elektro-Fahrräder liegen im Trend. Für welche Nutzer eignen sich Elektro-Fahrräder?

Benjamin Hösel: Die Käuferschicht wird im Vergleich zu den Vorjahren immer jünger. Abgesehen von Kindern eignen sich eBikes meines Erachtens für Jedermann, ob Freizeit, Urlaub oder für den Arbeitsweg. Das liegt auch daran, dass die Angebotsvielfalt stark zugenommen hat und eBikes in Nischen erhältlich sind. Der Offroad-Enthusiast hat bei den Fully-eBikes heute schon die Qual der Wahl. Fahrer, die Wert auf Stil legen kommen genauso auf ihre Kosten wie Pendler. Es gibt in jedem Segment eine große Auswahl. Ältere Menschen, die sich schon mit einem normalen Fahrrad im Straßenverkehr unsicher fühlen, würde ich jedoch von einem eBike abraten.

DHZ: Wie viele eBikes sind inzwischen auf Deutschlands Straßen unterwegs?

Hösel: Seit dem ersten Erfassungsjahr 2009 wurden knapp 2,5 Millionen eBikes in Deutschland verkauft. Allein im vergangenen Jahr wurden 535.000 Stück verkauft. Laut einer Studie von "Navigant Research" soll das weltweite jährliche Absatzvolumen von eBikes auf 40 Millionen im Jahr 2023 wachsen.

Hösel

DHZ: Vorderrad-Antrieb, Mittelmotor oder Hinterrad-Antrieb: Welches Konzept hat welche Vorteile?

Hösel: Das ist oftmals Geschmackssache und daran scheiden sich die Geister. Der Vorderrad-Antrieb ist nur noch bei älteren Elektrofahrrädern zu sehen oder bei günstigen vom Discounter. Vereinzelt gibt es noch Modelle, die im flachen Norden zum Einsatz kommen. Beim Wettbewerb zwischen Mittelmotor und dem Hinterradmotor hat der Mittelmotor aktuell die Nase vorn, was aber auch an der Marktmacht von Bosch liegt. Sie haben dieses Konzept etabliert und sind dominant im Markt vertreten. Viele Kunden gehen dann zum Fachhändler und verlangen oft direkt ein Bosch-eBike. Die Händler haben darauf reagiert und führen überwiegend Bikes mit diesem Antrieb. Für mich persönlich macht ein Hinterradantrieb aber viel mehr Spaß, ist viel leiser und die Kraft wird nicht über die Kette auf die Ritzel übertragen, was Abnutzung und Verschleiß bedeutet.

DHZ: Wie viel muss man für ein alltagstaugliches Elektrorad investieren?

Hösel: Bei Discountern oder im Baumarkt gibt es sicherlich schon eBikes für 1.000 Euro. Allerdings muss der geringe Preis natürlich auch irgendwo herkommen. Das heißt, dass letztlich an den einzelnen Komponenten gespart wird. Dies wirkt sich auf Qualität, Langlebigkeit und Service aus. Ein eBike im guten Einstiegssegment ist deutlich teurer. Die eBikes fangen ab 2.300 Euro an, aber man ist qualitativ gut ausgerüstet. Preissensible sollten am Ende der Saison oder kurz vor Beginn der neuen Saison nach Angeboten oder Vorjahresmodellen schauen. Da lässt sich viel Geld sparen. Auch Werksverkäufe bieten sich an, denn dort werden oft Test- und Messeräder verkauft.

"Ein gutes eBike im Einstiegssegment gibt es ab 2.300 Euro."

DHZ: Worauf sollte man beim Kauf achten?

Hösel: Das wichtigste ist das Vertrauen zum Händler. Der stationäre Fachhandel hat in der Regel große Vorteile, denn man kann viele Räder vorab testen. Auch was den Service angeht ist man auf der sicheren Seite. Wenn man noch keine Erfahrung beim Kauf von Fahrrädern gemacht hat, wird man im Fachhandel auch bei der Rahmenwahl für den Einsatzzweck und der Rahmengröße unterstützt. Zu kleine Rahmen können Schmerzen im Rücken und Nacken verursachen. Ein vollgefederter Rahmen dagegen wäre für einfache Ausflüge überdimensioniert.

Das Fahrrad fit machen

DHZ: Mit sogenannten Nachrüstkits kann man auch das eigene Fahrrad mit einem Elektroantrieb versehen. Lohnt sich das oder macht es mehr Sinn das Geld direkt für ein gutes eBike auszugeben?

Hösel: Dieses durchaus interessante Thema verfolge ich schon seit zwei Jahren. Hier ist viel passiert, denn das Potenzial gerade für urbane Räume ist sehr groß. Sicherlich wird man nach der Montage eines Nachrüst-Kits kein vollwertiges eBike in den Händen halten, dennoch ist eine Nachrüstung gerade für Falträder, Pendler oder im städtischen Umfeld eine sehr gute Lösung. Viele Unternehmen und auch StartUps versuchen an diesem neuen Markt zu partizipieren. Mittels Crowdfunding wurde viel Geld für die Entwicklung einiger Antriebssysteme gespendet.

"Sicherlich wird man nach der Montage eines Nachrüst-Kits kein vollwertiges eBike in den Händen halten."

Die Montage gestaltet sich für Hobby-Handwerker aber eher schwierig. Daher haben sich viele Hersteller gegen den Vertrieb direkt an Endkunden entschieden. Ein Einbau wird nur in einer Fachwerkstatt unter Berücksichtigung des Fahrrades vorgenommen. Da normale Fahrräder nicht für den Einsatz als eBike ausgelegt wurden, ist immer ein Restrisiko vorhanden. Die Komponenten wie Rahmen und Bremsen werden Kräfte ausgesetzt, für die sie letztlich nicht ausgewählt wurden. Man muss für eine Nachrüstlösung ohne Einbau mit etwa 1.000 Euro rechnen.

DHZ: Die Fahrradsaison 2016 steht vor der Tür. Was sind denn die Trends im eBike-Sektor?

Hösel: Die Fahrradsaison bietet wieder einige Innovationen. Die Hersteller von Antriebssystemen treiben die Vernetzung von eBike, Smartphone und der Cloud voran. Der Nutzer kann viele Funktionen auf dem Smartphone nutzen und der Hersteller bekommt durch die Diagnosefunktionen Daten aus dem Betrieb. Somit kann der Hersteller dem eBike –Fahrer neue Updates zur Verfügung stellen und Wartungsintervalle in Abhängigkeit von Betriebsdauer und Kilometerstand anzeigen. Die Integration des Akkus nimmt weiter zu. Viele Hersteller gehen dazu über, den Akku nicht mehr am Unterrohr oder auf dem Gepäckträger zu positionieren, sondern direkt in den Rahmen zu integrieren. Groß im Kommen sind zudem elektrische Fahrradschaltungen. Ohne mechanischen Bowdenzug wird ein elektrisches Signal an die Schaltung übertragen und elektrisch mit Hilfe der Energie aus dem Akku geschaltet.

Range Extender

Ein Highlight, was sicherlich noch nicht dieses Jahr auf den Markt kommt, ist das Antiblockiersystem. Die Kunden interessieren sich sehr stark für das Thema Reichweitenverlängerung. Ob spezielle eBike-Powerbanks - wie man sie vom Smartphone kennt, nur wesentlich größer – oder in Form von Ersatzakkus: Das wichtigste ist für den Endverbraucher mehr Kapazität und damit mehr Reichweite.

DHZ: Eine besondere Art von Fahrrädern sind Lastenräder, die auch für Handwerker interessant sind. Können sie das Problem der verstopften Innenstädte lösen?

Hösel: Es gibt ja immerhin eine Reihe von Studien zu diesem Thema, die den Lastenrädern ein großes Potenzial bescheinigt haben. Die Post kommt ja schon seit vielen Jahren mit Elektrolastenrädern zu uns ins Haus. Hier wird aber eher der Mitarbeiter bei der Arbeit unterstützt und weniger das Auto ersetzt. Die letzte Meile ist in diesem Kontext das Schlagwort. Dazu muss aber auch die Logistik-Infrastruktur der Logistikzentren verändert werden. Verteilzentren müssen näher an die Städte rücken, damit z.B. die Lastenräder die letzte Meile meistern können. Ich denke, dass diese Art der Fortbewegung und Beförderung von Waren unterschiedlichster Art nur ein Baustein in einem Gesamtsystem sein kann. Das wichtigste dabei ist der Änderungsprozess. Das Umdenken muss in den Köpfen aller Menschen beginnen und das ist ein langwieriger Prozess. Wir müssen uns alle an die Nase fassen und uns fragen: Muss ich diesen Weg wirklich mit dem Auto zurücklegen?

DHZ: Die Diskussion um die Förderung von Elektroautos ist in vollem Gange. Gibt es ähnliche Förderungen auch für eBikes?

Hösel: Eine bundesweite Förderung zur Anschaffung von eBikes gibt es derzeit nicht. Mir ist auch nicht bekannt, dass die Politik dieses Thema derzeit im Fokus hat. Der Absatz von eBikes für die private Nutzung steigt von Jahr zu Jahr. Warum also sollte die Bundesregierung hier nachhelfen wollen?

Weitere Informationen zu Trends aus dem eBike-Sektor finden Sie auf dem Fachportal inside-ebike.com.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten