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Neue Highlights für Fahrradfahrer Eurobike 2018: Neuheiten und Fahrradtrends für 2019

Zu einem ungewohnt frühen Termin trifft sich die Fahrradbranche in diesen Tagen in Friedrichshafen: Die Eurobike öffnet ihre Türen bereits Anfang Juli und gibt erste Einblicke auf die Fahrradtrends für 2019. Auffällig ist vor allem die weiter wachsende Bedeutung von Lastenrädern, die auch bei Handwerkern großes Interesse wecken dürften. Ein Blick durch die Messehallen am Bodensee.

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Der Start ist gelungen: Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) berichtet von einem erfolgreichen Start in das Geschäftsjahr 2018. Zwar sorgte der kühle März für eine kurze Flaute bei der Kaufstimmung der Konsumenten, doch das gute Wetter im zweiten Quartal sei Garant für beständig gute Absatzzahlen. "Wir blicken sehr zuversichtlich auf die Fahrradsaison 2018. Sollten sich die guten Witterungsbedingungen auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, gehen wir von einem weiteren Wachstum der Branche in diesem Jahr aus", sagte Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des ZIV. Besonders E-Bikes werden sich auch in diesem Jahr voraussichtlich überdurchschnittlich entwickeln. Man gehe von 800.000 – 900.000 verkauften Einheiten aus.

Unterstrichen wird der Boom der Fahrradbranche auch mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Fahrrads. Die gesamte Fahrradwirtschaft inklusive Tourismus stehe für ca. 230.000 Arbeitsplätze mit einem jährlichen Umsatz in Höhe von rund 16 Milliarden Euro. Umso spannender ist der Blick auf das, was die Fahrrad-, Komponenten- und Zubehörhersteller auf der Eurobike 2018 für das Jahr 2019 an Innovationen und neuen Produkten im Gepäck haben.

Lese-Tipp: >> So funktioniert ein E-Bike: 8 Fragen zu Akku, Antrieb und Kosten <<

Neuheiten von der Eurobike: Schwerpunkt Mobilität

Schon seit vielen Jahren geht der Trend zur Elektrifizierung jeglicher Fahrradgattungen. Dadurch steigt die Zahl der Berufspendler, die mit dem Rad zur Arbeit fahren. Das E-Bike leistet also seinen Anteil an der Verkehrswende. Mit einer eigenen Halle rund um das Thema "E-Mobility" rückt die diesjährige Eurobike dieses Thema in den Fokus. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Lastenräder.

"Das europäische Experten-Netzwerk Cyclelogistics hat in einer Studie errechnet, dass mehr als die Hälfte aller innerstädtischen privaten und gewerblichen Transporte auf Lastenräder mit Elektroantrieb verlagert werden könnten", erklärt Eurobike-Projektleiter Dirk Heidrich. Das Potenzial der Lastenräder für die Klimaziele sei enorm. "Wenn nur eine von 1.000 innerstädtischen Transportfahrten auf das Fahrrad verlagert wird, würde das in der EU jährlich über 37.000 Tonnen CO² einsparen." Nicht allein der Umweltschutz lässt Handwerksbetriebe und Logistikdienstleister auf die Lastenräder umsteigen. Sie sind mit einer Zuladung von teilweise über 150 Kilogramm kaum weniger leistungsfähig als ein vergleichbares Kraftfahrzeug, gleichzeitig aber deutlich platzsparender und wendiger im innenstädtischen Verkehr.

Lastenräder für Unternehmen und Familien im Trend

Ein Vorreiter bei der gewerblichen Nutzung ist die Deutsche Post, die mit dem Tochterunternehmen Streetscooter zum vielbeachteten Hersteller professioneller Elektrofahrzeuge avanciert ist. Doch nicht nur das: Auch Pedelecs für Bike-Sharing-Systeme und den Lastentransport gehören zum Portfolio.

Ein inzwischen alter Bekannter in Sachen Lastenräder ist Urban Arrow. Zur Eurobike präsentieren die Holländer das dreirädrige "Tender", das mit bis zu 300 Kilogramm beladen werden kann. Die Pick-up-Variante hat eine Ladefläche von 107x155cm, was in etwa 12 Bierkisten entspricht. Zusätzlich verfügt das Lastenrad über einen 250 Liter großen geschlossenen Laderaum. Trotz dieser Ladekapazitäten bleibt der Tender einen halben Meter schmaler und nur 15cm länger als ein Smart.

Ebenfalls dreirädrig kommt das Modell Chike "e-kids" daher, das besonders für Familien geeignet ist. Das kompakte Modell erleichtert Fahren, Unterstellen und Transport. Durch Neigetechnik gewinnen dreirädrige Modelle an Fahrdynamik und können so die Vorteile des E-Antriebs voll ausnutzen.

Auch der deutsche Premiumhersteller E-Bike Manufaktur bietet für das Modelljahr 2019 erstmals ein Lastenrad. Der Frontlader "FR 8" vereint Tiefeinstieg, einen Motor von Continental sowie eine geräumige Ladefläche und zwei in den Rahmen integrierte Akkus.

Eine Frage, die sich bei den großen Rädern zwangsläufig stellt, ist die nach einer sicheren und geschützten Abstellmöglichkeit. Abhilfe dafür schafft die Fahrradgarage "Bike Box 2 Maxi" von WSM. Hier haben nicht nur Lastenräder, sondern auch Liegeräder oder Kinderanhänger einen sicheren Aufbewahrungsplatz.

Fahrradtrends 2019: Neuheiten von der Eurobike

Projekt "Ich entlaste Städte" für Handwerker interessant

Dass Lastenräder nicht nur ein Trend sind, sondern auch eine wichtige Rolle in Sachen Verkehrswende einnehmen, zeigt auch das Projekt "Ich entlaste Städte" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Es bietet Unternehmen bundesweit 150 moderne Lastenräder zum Testen im gewerblichen Einsatz. 23 unterschiedliche Modelle bieten für jeden Betrieb die passende Lösung und sollen zum Nachdenken über einen Umstieg anregen.

Vorankommen in der Stadt und auf der Straße

Doch auch neben den Lastenrädern gibt es auf der Eurobike allerhand weitere Fahrradtrends zu sehen. Gerade Reiseräder werden meist elektrisch angeboten. Ähnlich wie im nichtmotorisierten Segment bieten Hersteller unterschiedliche Komfortkonzepte an. Velotraum verbindet mit seinem "E-Finder FD2E" einen Mittelmotor mit einer elektronischen Kettenschaltung, beides von Shimano. Dank seiner breiten Reifen ist das Rad auf nahezu jedem Untergrund fahrbereit.

Wer mit mehr Gepäck unterwegs sein will, ist beim Riese & Müller "Multicharger" richtig: Der verlängerte Radstand des E-Bikes ermöglicht einen Gepäckträger mit 60 Kilogramm Zuladung. Das bedeutet zum Beispiel Platz für zwei Kindersitze.

Das "Pace SX" von Kogas ist ein Beispiel für gelungene Systemintegration. Akku, Leitungen und Kabel sind weitgehend im aufwendig geschliffenen Rahmen integriert. Das Cross-Over-Rad mit breiten Gravel-Reifen ist für die sportliche Tour auf Straßen und Feldwegen gedacht.

Für stilbewusste Frauen hat Winora ein elektrifiziertes Hollandrad im Angebot. "Saya" heißt der Retro-Gleiter, der mit Bosch-Mittelmotor und auf Wunsch mit Rücktrittsbremse ausgestattet ist. Beim Tiefeinsteiger "Yucatan" (ebenfalls Winora) steht der Komfort im Mittelpunkt: Zur gefederten Sattelstütze gibt es eine Federgabel, der Motor hat eine an der Trittfrequenz orientierte Unterstützungsautomatik und der Akku ist im Rahmen integriert.

Neuheiten aus dem Bereich Liege- und Falträder

Was man hierzulande auf den Straßen recht selten sieht, ist aber ein echter Hingucker: Liegeräder. Der Fahrer liegt oder sitzt nach hinten geneigt auf seinem Gefährt. Statt eines Sattels hat es einen Schalensitz und die Pedale sind vorne montiert. Einer der namhaftesten Hersteller ist HP Velotechnik. Das "Scorpion fs 26" ist ein S-Pedelec, das höchste gesetzliche Anforderungen erfüllt. Als mehrspuriges Leichtkraftrad muss es mit einem Blinker, einer Hupe und einem Ölstand-Kontrollanzeiger für Bremsflüssigkeit ausgestattet sein. Zudem braucht man einen Helm und Führerschein und das Rad ein Versicherungskennzeichnen.

Dass sich Fahrrad und Auto nicht ausschließen zeigt auch der Faltradhersteller Brompton. In Zusammenarbeit mit den Entwicklern des Formel-1-Teams von Williams ist es den Briten gelungen einen E-Motor in seine bekannten Räder zu integrieren – Ergebnis ist das Brompton Electric, das es entweder mit zwei oder mit sechs Gängen gibt und das nichts von seinem kleinen Faltmaß eingebüßt hat.

Mit motorisierten Falträdern macht Tern schon länger von sich Reden. Für das neue Modelljahr 2019 stellen die Taiwanese drei neue Modelle der Vektron-Baureihe vor. Ausgestattet werden sie mit den Active Line bzw. Active Line Plus-Motoren von Bosch. Außerdem wird das Cockpit länger und bietet somit mehr Komfort für größere Fahrer.

Trendiges Fahrradzubehör: Bunte Socken, Hundeanhänger und noch viel viel mehr

Auch im Zubehör-Bereich zeigt sich die ganze Vielfalt der Fahrradwelt auf der Eurobike. Erstmals am Bodensee dabei ist der italienische Hersteller Q&E srl. Der Aussteller setzt auf Innovationen im textilen Bereich mit der Marke "Q 36,5" Q im Markennamen steht für Quaerere, das lateinische Wort für Forschen, und 36.5 beschreibt die ideale Körpertemperatur eines Menschen. Die Italiener widmen sich also der Frage, wie Bikewear dazu beitragen kann, die Temperatur eines Radsportlers möglichst im idealen Bereich zu halten. Die Antwort sind ausgesprochen leichte Bikewear-Teile, die beim Body-Mapping neue Wege einschlagen.

Einen Einstieg in das stilbewusste Radfahren bietet die US-Firma Sockguy. Mit einem großen Sortiment an bunten Socken fallen Fahrer auf ihrem Bike auf. Erstmalig sind die vielen Farb- und Materialvarianten auch in Deutschland für Endverbraucher erhältlich.

Für den Transport von alltäglichen Dingen bietet Fahrer Berlin die Gepäckträgertasche "Kurier fix". Sie kommt in unterschiedlichen Designs und wird in Deutschland aus recycelten Planen und Stoffen gefertigt. Etwas kurios mutet einen weiteres Utensil der Berliner an: Das "Akku Cover Tube" ist aber bei genauerer Betrachtung ein pfiffiges Extra. Denn der Neoprenschutz schützt das Unterrohr vor Schmutz und wärmt gleichzeitig den Akku.

Wer mehr Platz für sein Gepäck benötigt, ist bei Ortlieb an der richtigen Adresse. Die Gepäckträgertasche "E-Mate" bietet ein extra Akku-Fach. Die Versteifungen machen den Stromtransport einfach und sicher.

Den Schutz der kleinsten hat die Schweizer Firma Woom im Sinn. Beim Kinderhelm hat der Hersteller einen besonders tiefen Schutz über Schläfen und Hinterkopf, einen einfachen Magnetverschluss und ein flexibles Visier als zusätzlichen Aufprallschutz kombiniert. Die schicke Optik wird den kleinen sicher auch gefallen.

Für Mountainbiker bietet 7 Protection den nötigen Schutz. Die Knieschoner "Sam Hill Knee" sorgen dank anatomisch adaptivem Schaumstoff für die notwendige Schonung, wenn die Biker die Traktion verlieren.

An den besten Freund des Menschen hat Croozer gedacht. Mit dem Anhänger "Dog XL” wird der Transport großer Hunde zum Kinderspiel. Tiere bis 70 Zentimer Schultermaß passen rein, der Einstieg ist dank niedriger Schwelle am Heck einfach – und der Vierbeiner freut sich sicher über die Erholungspause während der Fahrradtour.

Sicherheitsspezialist Abus setzt mit seinem neuen "770A SmartX"-Bügelschloss auf schlüssellose Sicherheit. Das Öffnen und Schließen geht bequem und einfach per App. Die Digitalisierung setzt sich also auch am Rad weiter fort.

Platter Reifen? Schnee von gestern! Das neue "Airless"-System von Reifenspezialist Schwalbe bedeutet sorgenfreies Reisen. Denn statt eines Luftschlauchs sind die Reifen mit einem Polyurethan-Einsatz versehen, das einen Platten unmöglich macht.

Über die Eurobike

Vom 8. bis zum 10. Juli blickt die Fahrradwelt zur 27. Eurobike nach Friedrichshafen. Bei der Weltleitmesse zeigen über 1.400 Austeller aus 50 Ländern die Welt des Fahrrads in all seinen Facetten. In diesem Jahr ist die Eurobike als reine Fachmesse nur für Fachpublikum zugänglich. Die Kritik an dieser Ausrichtung hat sich aber bereits in der künftigen Planung niedergeschlagen: 2019 soll sich das Konzept wieder ändern. Dann findet die Eurobike vom 31. Juli bis zum 3. August am Bodensee statt – in altbewährter Form wird sich die Messe an den ersten drei Tagen ausschließlich dem Fachpublikum widmen und am vierten Messetag mit einem gezielten Konsumentenfestival für alle Fahrradfans enden. Die Messe Friedrichshafen teilte mit, dass der Wunsch in der Branche deutlich heraussteche, künftig wieder allen Bikefans die Möglichkeit zu geben bei der Eurobike dabei zu sein.

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