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Einwegbesteck und Geschirr aus Plastik reduzieren Plastikverbot: Warum die Fleischer gelassen reagieren

Die EU geht gegen die Plastikgabel von Bratwurst und Pommes und den Strohhalm in der Limo vor. Um die immer größer werdenden Plastikmüllberge zu reduzieren, sollen Einwegartikel aus Kunststoff verboten werden. Das Fleischerhandwerk sieht sich gut aufgestellt.

Rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll fallen jedes Jahr europaweit an und bislang werden nach Angaben der EU-Kommission nur knapp 30 Prozent recycelt. Das soll sich ändern. Die Recyclingquoten sollen steigen und so haben die EU-Mitgliedstaaten die Vorgabe bekommen, bis 2025 eine Strategie zu finden, wie Einweg-Plastikflaschen zu 90 Prozent wiederverwertet werden können und wie klassische Einweg-Produkte wie Teller, Besteck, Strohhalme, Haltestäbe für Luftballons oder Wattestäbchen aus Plastik entweder vom Markt verschwinden oder durch Alternativen ersetzt werden.

Der Grund: die Wegwerfprodukte aus Kunststoff machen nach Angabe des Europaparlaments über 70 Prozent der Abfälle im Meer aus. Dort zerreibt es sich zu Mikroplastik, wird vom Fischen gefressen und gelangt auch wieder zurück zu uns: im Wasser, im Fisch und als Ablagerungen an den Stränden. So sollen diese Einwegprodukte bis 2021 in der EU vom Markt genommen werden. Die Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich Medienberichten zufolge nun auf eine gemeinsame Linie für das Verkaufsverbot von den Einweg-Kunststoffartikeln geeinigt, für die es keine Alternativen gibt.

Als nächstes sind nun die Regierungen der Mitgliedsstaaten und das Europaparlament nochmals an der Reihe, den Vereinbarungen zuzustimmen. Dies gilt jedoch als sehr wahrscheinlich. Eine Verabschiedung und das Inkrafttreten nationaler Regelungen kann dann aber dennoch längere Zeit dauern.

Plastikverbot auch an der "heißen Theke"

Betroffen von diesem EU-Vorhaben sind im Grunde auch Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk, die Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbieten – besonders Handwerksmetzger mit Imbissangeboten.

Denn die "heiße Theke" liegt im Trend und immer mehr Metzger bieten ihren Kunden warme Mahlzeiten zum Vor-Ort-Verzehr oder zum Mitnehmen an. Dazu kommen Partyservice sowie Imbiss- und Verkaufsstände auf Wochenmärkten. Neben dem klassischen Thekenverkauf sind das mittlerweile die stärksten Absatzwege der Handwerksfleischereien in Deutschland. Doch Currywurst, Leberkäse und Buletten gibt es mancherorts allerdings immer noch inklusive Einweggeschirr und -besteck aus Plastik. Und genau darauf hat es jetzt die EU abgesehen.

Fleischerhandwerk: Ersatz für Pommesgabel und Plastikteller wird genutzt

Genau diese werden nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) auch schon genutzt. Der DFV teilt zu dem geplanten Verbot mit, dass Einweg-Plastikbesteck und -geschirr in Deutschland bereits im Verschwinden sei. "Im Fleischerhandwerk wird es nur noch sehr selten genutzt, im klassischen Partyservice ist Mehrweggeschirr und -besteck die Regel, ebenso im Mittagstisch, da die Mahlzeiten üblicherweise entweder direkt im Geschäft verzehrt oder ohne Besteck ausgeliefert werden", sagt Gero Jentzsch, der Sprecher des DFV.

Die wenigen Anwendungsfälle sieht er im Grunde nur noch bei "Pommesgabeln" an Imbissständen, doch auch hier werde schon mehrheitlich die Holzvariante genutzt. Grundsätzlich gäbe es mittlerweile auch genügend kunststofffreie Alternativen oder biologisch Abbaubares wie etwa aus Zellulose, Holz oder Bambus. Demnach schätzt er die Relevanz für die Fleischerbranche als gering ein.

Das Platikverbot steht jedoch im Zusammenhang mit der Kunststoffstrategie der EU und diese beinhaltet weitere Bereiche, die im Handwerk eine Rolle spielen: So gibt es Ansätze des Baus, den Einsatz von Recyclingmaterial aus Kunststoff zu erhöhen. Das Potenzial wird bislang aber kaum verfolgt.   jtw

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