Interview mit Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander "Niemand sollte sich nur von einem Geldhaus abhängig machen"

Noch fahren zu viele Betriebe in Sachen Finanzierungen eindimensional. Im Gespräch mit der DHZ erklärt Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander, warum eine Hausbank alleine nicht reicht – und warum Handwerksbetriebe das Internet mehr nutzen sollten.

Zwei Sparschweine auf Wippe.
Viele Handwerksbetriebe verlassen sich nur auf ihre Hausbank. Wer sich unabhängiger machen will, braucht aber weitere Finanzierungsbausteine, sagt Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander. - © Prostock-studio - stock.adobe.com

Carl-Dietrich Sander war 20 Jahre in leitenden Positionen im Firmenkundengeschäft von ­Kreditinstituten tätig. Seit 1998 unterstützt er Unternehmer in Sachen Finanzierung. Er ist Autor des im nwb-Verlag erschienenen Fachbuches "Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln".

Herr Sander, was haben Sie gegen die Hausbank?

Carl-Dietrich Sander: Gar nichts, aber viele Unternehmer haben kein tragfähiges Finanzierungskonzept, sondern verlassen sich auf eine einzige Geschäftsbank. Nach einem zweiten kreditgebenden Institut suchen sie erst, wenn es an irgendeiner Stelle Probleme gibt. Das kann zu spät sein, niemand sollte sich nur von einem Geldhaus abhängig machen.

Ist es denn derzeit schwierig für Handwerksbetriebe, einen Kredit zu bekommen?

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Kreditinstitute im Durchschnitt die Kredithürden nicht erhöhen. Allerdings kommt es immer auf die individuelle Konstellation an: Bonität des Unternehmens und Kreditaktivität des einzelnen Instituts. Genau an dieser Schnittstelle kann es zu Schmerzen kommen.

Also zwei Hausbanken sind ein Muss?

Ja, und unabhängig davon gilt es immer auch, weitere Finanzierungsbausteine zu nutzen. Welche das sind, hängt vom speziellen Betrieb ab. Aber ganz grundsätzlich lässt sich sagen, dass gerade im Handwerk das Internet bei der Geldbeschaffung zu wenig beachtet wird.

Wie meinen Sie das? Sollte die zweite Bank eine Onlinebank sein?

Nein, derzeit noch nicht. Dafür sind die reinen Onlinebanken noch nicht kreditaktiv genug. Aber darum geht es nicht alleine. Neben einer zweiten Bank gibt es viele andere Möglichkeiten und da hat gerade das Internet mehr zu bieten.

"Ganz grundsätzlich lässt sich sagen, dass gerade im Handwerk das Internet bei der Geldbeschaffung zu wenig beachtet wird."

Zum Beispiel?

Zum Beispiel Projektfinanzierungen über Kreditplattformen wie Iwoca, Creditshelf oder Auxmoney, um nur einige zu nennen. Hier investieren private und institutionelle Anleger direkt in eine neue Werkbank, Maschinen oder benötigtes Material.

Wo liegt der Vorteil gegenüber einer Bank?

Eine Bonitätsprüfung gibt es natürlich auch, aber die Kriterien sind andere und es werden in der Regel keine Sicherheiten benötigt. Zudem läuft alles online und damit viel schneller als bei Banken. Wer das Prinzip noch nicht kennt, dem empfehle ich, es zunächst mit kleineren Bedarfen mal auszuprobieren. ­Finanziert werden aber auch Millionen­vorhaben. Und neben Kreditportalen gibt es im Netz ja auch die Vermittler.

Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander. - © Sander

Was genau machen die?

Während die Kreditportale direkt Darlehen vergeben, fungieren die Vermittlerportale sozusagen als Makler. Bekannte Plattformen sind hier Compeon, Fincompare oder DFKP (Deutsche Firmenkredit Partner). Dort stelle ich meine Kreditanfrage einmal ein, mehrere Hundert institutionelle Kreditgeber bekommen sie zu sehen und können ein Angebot abgeben. Dann entscheide ich, mit wem ich ein Kreditgespräch führen möchte.

Das entscheide ich doch immer. Was hilft die Plattform?

Sie stoßen auf potenzielle Finanzierungspartner, die Sie vielleicht vorher gar nicht kannten – und stellen dabei vielleicht fest, dass die Konditionen dort besser sind als bei der Hausbank. Langjährige Kunden glauben ja oft, dass ihre Treue sich auszahlt. Meist ist aber das Gegenteil der Fall.

Aber was, wenn meine Hausbank sieht, dass ich mich woanders umschaue?

Das kann nicht passieren, weil sie selbst entscheiden können, wer ihre Anfrage sieht. Sie haben also maximale Freiheit und maximalen Nutzen.

Also brauche ich am Ende doch keine Hausbank?

Doch unbedingt. Richtig aufgestellt ist, wer neben seinen zwei kreditgebenden Hausbanken Internetportale, Leasing oder andere Bausteine nutzt. Ohne Hausbanken geht es nicht.