Unternehmensfinanzierung Finanzierung: 5 Alternativen zum klassischen Kredit

Finanzieren ohne Bank – Ein Finanzierungskonzept ist nur mit der Hausbank stimmig, doch die allein reicht heutzutage nicht mehr. Es sollte noch andere Finanzierungsmöglichkeiten bieten. Die DHZ zeigt auf, welche Alternativen wann passen.

Leasing als zusätzliche Möglichkeit der Finanzierung ist schon lange Standard. Auch für Maschinen setzt sich diese Option immer mehr durch. - © Anselm - stock.adobe.com

Liquidität und Finanzierung sind für Unternehmen essenziell. Neben der Hausbank gibt es viele weitere Finanzierungsoptionen, die vielfach ungenutzt bleiben. Finanzierung geht auch ohne Bank. Und nicht immer ist die Hausbank willens – und nicht immer ist sie auch tatsächlich die beste Lösung für einen Kredit.

Gerade bei kleineren Beträgen von 20.000 bis 25.000 Euro, so Maier, zieren sich viele Kreditinstitute. Der Aufwand ist hoch und die Marge gering. Je nach tatsächlichem Bedarf gibt es passgenauere Lösungen, die oftmals jedoch nicht richtig bekannt sind oder zu aufwendig erscheinen.Der Einfachheit halber weichen viele dann auf den Kontokorrentkredit aus, fast immer die teuerste Lösung, darin sind sich fast alle Experten einig. Außer er wird ganz zielgerichtet eingesetzt, beispielsweise um Skonto zu nutzen, wie Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander erläutert. Doch welche Alternativen gibt es?

Leasing – gängig, aber nicht einfach

Von allen Finanzierungmöglichkeiten jenseits der Hausbank ist Leasing im Handwerk am meisten verbreitet. Für Fahrzeuge gilt das sowieso – aber auch bei Investitionen in Maschinen wird Leasing immer beliebter. Zwar differenziert der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen seine Zahlen nicht nach Handwerk, doch der Anteil von Produktionsmaschinen an allen Projektgruppen steigt stetig. 2012 betrug das Leasing-Neugeschäft im Sektor Produktionsmaschinen rund 5 Milliarden Euro, 2020 waren 8,12 Milliarden und im vergangenen Jahr 8,34 Milliarden Euro.

Und tatsächlich hat Leasing einen enormen Vorteil, wie auch Carl-Dietrich Sander betont. Insbesondere, weil geleaste Objekte bis zum Schluss der Leasinggesellschaft gehören und nicht die eigene Bilanz belasten. Das wirkt sich positiv aufs Rating, also auf die weitere Kreditwürdigkeit, aus. Hinzu kommen steuerliche Vorteile.

Allerdings: Gerade derzeit ist Leasing deutlich teurer als das klassische Annuitätendarlehen. Ob also die Rechnung am Ende aufgeht, hängt daher immer an der individuellen Situation, der Einpassung ins gesamte Finanzierungskonzept des Unternehmens und der genauen Vertragsgestaltung.

In der Regel werden im Handwerk aber sogenannte Restwertverträge abgeschlossen, bei denen man das geleaste Objekt am Ende zum kalkulierten Endbetrag übernehmen kann. Damit hier keine Fehler gemacht werden, die am Ende teuer werden könnten, empfiehlt Betriebsberater Stefan Maier, sich immer einen Anbieter zu suchen, der sich nicht nur mit Leasing auskennt, sondern auch mit den besonderen Anforderungen des Handwerks.  Alternativ gibt es aber auch Optionsverträge, bei denen eine eventuelle Kaufentscheidung erst am Ende der Laufzeit fällt. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn jemand schnell auf Innovationen reagieren will.

Einen Überblick über Leasingpartner, die fürs Handwerk geeignet sind, finden Sie ­unter ­https://mitglieder.­leasingverband.de/­wer-verleast-was

Beteiligungskapital – wenig Wissen, kaum Interesse

Grundsätzlich, sagt Holger Zervas, Geschäftsführer der MBG Schleswig-Holstein, kann das Thema auch fürs Handwerk interessant sein. Trotzdem ist das Interesse nach wie vor geringer als in anderen Branchen, auch wenn es im Laufe der Zeit "moderat gestiegen ist". Gründe dafür gibt es gleich mehrere. Da ist zum einen die Angst vor Einmischung des Investors ins Alltagsgeschäft. Die ist aber bei "stillen Beteiligungen", wie fast immer im Handwerk üblich, gar nicht gegeben.

Zum anderen sind es die deutlich höheren Zinsen, oder – wie es im Bankendeutsch korrekt heißt – zinsähnliche Beteiligungsentgelte. Ein Einwand, der sich wie beim Leasing ebenfalls nur dadurch entkräften lässt, dass die Stärkung der Eigenkapitalquote andere positive Aspekte bewirkt. So wird es einfacher und günstiger, weitere Kredite zu bekommen und auch die Konditionen für Leasing oder Factoring werden besser. Zudem ist keine dingliche Besicherung notwendig. Gerade wenn es um Firmenübergaben geht, weiß Zervas, kann Private Equity eine gute Lösung sein. Und hier wird es im Handwerk auch am meisten genutzt.

Und dann gibt es noch die Annahme, dass die Geber erst bei Millionenbeträgen einsteigen. Auch die ist falsch. Beteiligungsgesellschaften, wie die MBG Schleswig-Holstein, starten bereits bei 50.000 Euro. Im Schnitt, so Zervas, liegen die Beteiligungssummen der MBG im Handwerk bei 200.000 Euro.

Crowdfunding – schwieriger Begriff, klarer Nutzen

Will man es ganz einfach ausdrücken, geht es beim Crowdfunding darum, über eine Online-Finanzierungsplattform Geld für ein bestimmtes Projekt zu sammeln. Komplizierter wird es, wenn man das Thema genauer betrachtet. Tatsächlich gibt es nämlich ganz unterschiedliche Formen der Schwarmfinanzierung, die noch dazu nicht eindeutig gegeneinander abgegrenzt sind. Das fängt an bei Sammelaktionen für soziale Projekte (Crowd-Donation) und reicht bis zu Investments (Crowd­investing).

Trotzdem, so Finanzierungsexperte Sander, kann das Thema gerade auch fürs Handwerk interessant sein. Sowohl das sogenannte kreditfinanzierte Crowdfunding (auch Crowdlending), als auch Crowdinvesting „können eine Alternative sein“.  Bei ersten stellt die Crowd die benötigte Summe über eine feste Laufzeit und zu einem vereinbarten Zins zur Verfügung. Beim zweiten wird der Schwarm – meist über Nachrangdarlehen – finanziell am Projekt­erfolg beteiligt.

Beides ist teurer als der klassische Kredit, dafür werden aber keine Sicherheiten benötigt und oftmals geht es auch schneller. Die Beschäftigung mit dem Thema, findet Sander, sollte daher im Handwerk selbstverständlicher werden.

Factoring – schnelle Hilfe, immer öfter

Bis heute, wissen Finanzierungsexperten, hat die Factoring-Branche einen schlechten Ruf – und das oftmals zu unrecht. Denn tatsächlich kann der Verkauf von Rechnungen durchaus eine Alternative sein. Insbesondere, wenn hohe Außenstände ansonsten zu einer Umsatzvorfinanzierung über den Kontokorrentkredit führen würden, wie Betriebsberater Maier betont. Entsprechend empfindet er es als positiv, dass sich die meisten Gesellschaften nach anfänglichem Zögern den letzten Jahren fürs Handwerk geöffnet haben. So erhält der Betrieb – je nach Vereinbarung – 60 bis 80 Prozent der ausstehenden Summe sofort.

Finetrading – wenig Anbieter, viel Skepsis

In Handwerksbetrieben mit umfangreichem Materialeinsatz bindet die Vorfinanzierung von Material oft enorm viel Liquidität. Hier setzen sogenannte Finetrader an. Der Begriff setzt sich zusammen aus "finance" (Finanzen) und "trading" (Handel ) – und bedeutet, dass die entsprechenden Unternehmen den Materialkauf vorfinanzieren. Sie bezahlen den Lieferanten unter Abzug von Skonto und "verkaufen" die Ware anschließend mit einem verlängerten Zahlungsziel zwischen 60 und 180 Tagen an den Betrieb.

Da auf diese Weise kein Geld direkt in den Betrieb fließt, handelt es sich im engeren Sinne gar nicht um einen Kredit, trotzdem hilft es bei der Finanzierung. Beim Handwerk spielt es bislang kaum eine Rolle. Das liegt zum einen daran, dass es noch immer kaum Anbieter gibt, die die Branche überhaupt ansprechen, zum anderen wird das Thema in den Betrieben bislang eher skeptisch betrachtet – auch weil der Aufwand oftmals groß ist.

Hier gibt es mittlerweile Anbieter, die den Ablauf digitalisiert haben. Für den Kunden ist das nicht schwieriger als Online-Banking – und das Geld ist in 24 Stunden auf dem Konto. Wer einmal für eine Finanzierungslinie freigeschaltet ist, kann diese immer wieder nutzen. Es gibt zwar eine Bonitätsprüfung, aber die legt andere Kriterien zugrunde als Banken. Bevor man Finetrader einschaltet, sollte es zunächst darum gehen, die eigenen Betriebsabläufe zu optimieren, findet Stefan Maier – "und das Skonto dann selbst einzustreichen". Grundsätzlich aber kann es durchaus Situationen geben, in denen Finetrading besonders auch für große Handwerksbetriebe ein gangbarer Weg ist. Auch hier gilt: Besser als eine lange Ausnutzung des Kontokorrentkredites ist es allemal.

Welche Rolle die Hausbanken spielen und was zum Finanzierungskonzept unbedingt dazugehört, erklärt Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander im Interview.