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Ziele von 2020 schon bald erreicht Solarbranche: Neuer Ausbauboom genügt noch nicht

Der neue Aufschwung für den Sonnenstrom hält an. Vor allem weil Solaranlagen mittlerweile vergleichsweise günstig zu haben sind, erleben sie eine steigende Nachfrage. Ausbauziele, die für 2020 geplant waren, werden voraussichtlich schon 2018 erreicht. Wie dies die Branche selbst erlebt und wer profitiert.

Nach Jahren der Flaute hat sich der Solarmarkt in den vergangenen Monaten wieder stärker gezeigt. Gesetzesänderungen, sinkende Kosten und ein Bewusstseinswandel bei den Nutzern sorgen für einen neuen Aufschwung. Die Installationen von Solaranlagen erlebten – vor allem in dem Bereich, wo es um den Eigenverbrauch des Solarstroms geht – schon über das gesamte Jahr 2017 eine stärkere Nachfrage. Nun meldet der Bundesverbands der Solarwirtschaft (BSW Solar), dass in Deutschland gerade die eine millionste Solarstromanlage der Eigenheimklasse in Betrieb genommen wurde und dass die Photovoltaik inzwischen zu den preiswertesten Energieformen zählt und deshalb weltweit die Photovoltaik-Nachfrage stark steigt. Der ursprünglich für 2020 erwartete Schritt über die 100-Gigawatt-Marke wird laut aktueller BSW-Prognose bereits 2018 erreicht.

Die Gründe für den neuen Solarboom liegen zum einen in gesunkenen Preisen bei den Solaranlagen und sogleich gestiegenen Stromkosten. Zum anderen ist in der Branche ein Bewusstseinswandel der Verbraucher spürbar. "Die Tatsache, dass sich PV-Anlagen eben doch rechnen, ist in der breiten Masse angekommen", sagt Cora Jung von der Firma Ludwig im hessischen Ulrichstein. Das Handwerksunternehmen installiert derzeit im Schnitt acht bis zehn neue Anlagen im Monat und zusätzlich bis zu acht Stromspeicher, denn auch bei dieser Technik zieht die Nachfrage an.

Die vergangenen Jahre beschreibt Jung dagegen als Berg- und Talfahrt was den Solar-Bereich betrifft. Zwar hatte die Firma immer gut zu tun, da sie breit aufgestellt ist und unter anderem auch um den Ofenbau, um Bäder und Heizungen kümmert, doch: "Die politischen Rahmenbedingungen haben einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass es immer wieder Einbrüche gab und entsprechend rückläufige Nachfragen zu verzeichnen waren."

Solaranlagenpreise sinken

Dass sich derzeit wieder etwas ändert, spürt auch das Elektrohandwerk. "Es geht wieder leicht aufwärts statt ins Minus", sagt Andreas Habermehl vom Zentralverband der E-Handwerke. Dabei hat er eindeutige Rückmeldungen aus der Branche dazu, dass nun vor allem diejenigen eine Solaranlage – inklusive Speicher – installieren lassen, die damit die eigenen Stromkosten senken wollen.

Dass nun die Investition in die eigene Solarstromanlage für private und auch gewerbliche Investoren wieder attraktiv wird, liegt auch nach Ansicht des BSW Solar vor allem an der wachsende Erkenntnis, dass Solarstrom vom Eigenheim- oder Gewerbedach preislich in der Regel nur noch halb so hoch liegt wie die herkömmlichen Stromtarife vom regionalen Versorger. Dass die Politik ständig an kleinen Schrauben bei der Förderung dreht, verliert mehr und mehr an Bedeutung für die Nutzer. Dennoch wird die Festlegung im Koalitionsvertrag, dass das EEG erst einmal nicht weiter verändert werden soll, branchenweit begrüßt. Der Verband rechnet in diesem Jahr mit einem Photovoltaik-Zubau von rund 2,5 Gigawatt in Deutschland.

Solarstrom: Die Nachfrage steigt

Die Nachfrage nach neuen Solarstromanlagen in Deutschland zog bereits im Jahr 2017 wieder an und auch 2018 ging es bislang weiter aufwärts. Allein von Januar bis März 2018 hat die Bundesnetzagentur neue Photovoltaik-Systeme mit einer Gesamtleistung von rund 580 Megawatt registriert. Damit ist der deutsche Photovoltaik-Markt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut BSW-Solar um rund 65 Prozent gewachsen. Vor allem die Solarstromanlagen für Eigenheime erfahren eine gestiegene Nachfrage und so konnte erst kürzlich die millionste Solaranlage dieser Klasse in Betrieb genommen. Jede zweite neue private Photovoltaikanlage wird nach Angaben der Solarwirtschaft bereits mit einem Solarstromspeicher ausgestattet.

Die Nachfrage steigt aber nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Der ursprünglich für 2020 erwartete Schritt über die 100-Gigawatt-Marke wird nach der aktuellen BSW-Prognose bereits 2018 erreicht. Für Deutschland rechnet der BSW in diesem Jahr mit einem Photovoltaik-Zubau von rund 2,5 Gigawatt. Das würde einem Marktwachstum von etwa 50 Prozent entsprechen.

 

"Der Eigenverbrauch des selbst erzeugten preiswerten Solarstroms bringt primär die Rendite", sagt Carsten Körnig, der Hauptgeschäftsführer von BSW Solar. Die Abhängigkeit von der Förderung sei gesunken. Lediglich der Überschussstrom, der nicht direkt verbraucht wird, wird deshalb weiter ins öffentliche Stromnetz eingespeist und mit einem gesetzlich garantierten Einspeisetarif für zwanzig Jahre vergütet. Nur PV-Anlagen im Kraftwerksmaßstab (ab 750 Kilowattpeak) müssen für die Erlangung dieser Förderberechtigung inzwischen an Auktionen teilnehmen. 

Ähnlich argumentiert auch Cora Jung: "Für viele stellt eine PV-Anlage die deutlich bessere Alternative für eine Kapitalanlage dar, da von den Banken für konservative Geldanlagen kaum noch nennenswerte Rendite ausgeschüttet wird", sagt sie und weist nochmals auf die Stromspeicher hin, die den Solaranlagennutzern Unabhängigkeit versprechen – ihrer Erfahrung nach ein weiteres wichtige Argument ihrer Kunden für die Investition in eine solche Anlage. Durch die Nutzung etwa von virtuellen Cloud-Speichern seien 100 Prozent Unabhängigkeit schon heute möglich. 

Unabhängigkeit und Umweltschutz wichtig

Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen gewinnt an Bedeutung, denn die Strompreise steigen weiterhin stetig an. Eigenheimbesitzer und kleine Betriebe, die selbst Stromkosten sparen wollen, sind deshalb diejenigen, die heute auf eine PV-Anlage setzen. Die Firma Ludwig installiert deshalb vor allem Anlagen mit Leistungen knapp unter 10kWp bzw. im gewerblichen Bereich Anlagen bis 30 kWp. 

Doch neben der Unabhängigkeit spielt laut Cora Jung durchaus der Gedanke des Umweltschutzes eine Rolle bei der Investition. Leichter macht dies zudem, dass die Systempreise deutlich gesunken sind – laut BSW Solar um bis zu 70 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Andreas Habermehl spricht von Preisen, die derzeit pro kWp rund 200 bis 300 Euro niedriger liegen als noch im vergangenen Jahr. "Bei einer durchschnittlichen Anlagengröße von fünf kWp sind das über 1.000 Euro für eine komplette PV Anlage", erklärt er. 

Solarheizungen brauchen Förderung 

Im Wärmesektor sieht es dagegen etwas anders aus, denn hier sind es weder gestiegene Kosten, die zur Installation einer Solarheizung motivieren noch hat sich die Politik vom Fördern verabschiedet – im Gegenteil. Um trotz gesunkener Öl- und Gaspreise die Energiewende auch den Wärmsektor zu befeuern, hat die Bundesregierung in den letzten Jahren die Fördersätze für Solarheizungen spürbar erhöht.

"Im letzten Jahr wurden immerhin rund 100.000 neue Solarthermie-Systeme installiert", sagt Carsten Körnig. Wer etwa im Einfamilienhaus eine solarthermische Anlage zur Heizungsunterstützung nachrüsten wolle, wird mit bis zu 3.600 Euro staatlich unterstützt. Im Gewerbe/in der Industrie wird die Investition in eine eigenes Solarthermie-System für die Erzeugung von solarer Prozesswärme mit bis zu 50 Prozent der Investitionskosten gefördert. Die Nachfrage zieht dennoch nicht derart an wie beim Solarstrom.

"Kein Grund, die Photovoltaik weiter zu deckeln" 

Trotz der positiven Entwicklung bei den stromerzeugenden Anlagen fordert die Solarwirtschaft einige Nachbesserungen von der Politik. "Gemessen an den von der Bundesregierung maßgeblich mit getragenen Pariser Klimabeschlüssen müsste das Ausbautempo bei PV-Anlagen und Solarheizungen nach Einschätzung der Wissenschaft jedoch zeitnah verdrei- bis verfünffacht werden", gibt Carsten Körnig zu bedenken. 

Vor dem Hintergrund der geringen Erzeugungskosten geben es keinen Grund mehr, die Photovoltaik weiter zu deckeln. "Ein jährliches Ausbauziel von lediglich 2,5 Gigawatt ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund des steigenden Ökostrombedarfs im Mobilitätssektor keinesfalls mehr zeitgemäß", sagt der BSW-Solar-Geschäftsführer. Es sei höchste Zeit, den Fuß von der Bremse zu nehmen. 

Gleichzeitig sollten bürokratische Hemmnisse und Abgaben für Ökostromproduzenten zum Beispiel innerhalb der Wohnungswirtschaft gesenkt und nicht erhöht werden. "Dies könnte der Solartechnik zum Beispiel bei Millionen von Mietern ganz neue Marktsegmente erschließen", so Körnig. 

Mitte 2017 hat das Bundeskabinett das sogenannte Mieterstromgesetz verabschiedet, das Vermieter dazu ermuntern soll,  Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke (BHKW) zu installieren. Mehr Mieter sollen in Zukunft Solarstrom und Strom aus BHKW nutzen, der vor Ort produziert wird, und finanziell von einer Mieter-Solarstromförderung profitieren. Doch diese Mieterstrom-Förderung könnte aus Sicht der Solarwirtschaft mehr Erfolge erzielen, wenn die Politik noch weitere Marktbarrieren beseitigt hätte. Noch immer gäbe es steuerliche Barrieren für Wohnungsbaugesellschaften und Betreiber kleinerer Solarstromanlagen sollten von Lieferantenpflichten im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes befreit werden. Für sie sei der Aufwand für Abrechnungs-, Informations- und Mitteilungspflichten unverhältnismäßig.

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