Nachfolger außerhalb der Familie Nachfolge: So finden Betriebsinhaber einen externen Käufer

Viele Betriebsinhaber werden auf der Suche nach einem Nachfolger nicht in der eigenen Familie fündig. Die Gründe dafür sind vielfältig. Für die Suche nach einer externen Lösung gibt es verschiedene Wege und Möglichkeiten.

Im Handwerk werden Nachfolger etwa zu 25 Prozent bei den Mitarbeitern gefunden, zu rund 25 Prozent bei externen Käufern und circa 50 Prozent innerhalb der Familie, schätzt Hartmut Drexel von der Handwerkskammer für München und Oberbayern. - © Jakub Krechowicz - stock.adobe.com

Zuallererst muss klar sein, was der Nachfolger an Eigenschaften mitbringen sollte. Klingt erstmal trivial. Trotzdem sollte man sich vorab Gedanken machen. Hartmut Drexel von der Handwerkskammer für München und Oberbayern sagt sogar: „Bereits im Moment der Gründung sollte man einen Plan für die Nachfolge haben.“

Generell gilt: Genügend Zeit für die Nachfolgesuche einplanen, bestenfalls mehrere Jahre. Für eine erfolgreiche Übergabe muss es nicht nur für den abgebenden Inhaber passen. Auch für den Übernehmer ist es wichtig, dass das Anforderungsprofil möglichst mit der eigenen Person übereinstimmt und später keine bösen Überraschungen drohen – weil zum Beispiel doch entscheidende Kompetenzen fehlen.

Wie finden Betriebsinhaber einen geeigneten Nachfolger?

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hat zusammen mit dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag und der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern die Offensive „Unternehmensnachfolge.Bayern“ initiiert und eine Internetseite online gestellt. Dort wird unter anderem empfohlen, ein Profil für den Nachfolger nach den Erfordernissen des Unternehmens zu formulieren. Folgende Punkte werden dabei als Orientierungshilfe aufgeführt:

  • Unternehmerisches Talent des Nachfolgers
  • Persönlicher Eindruck: Passt der potenzielle Nachfolger zum Unternehmen?
  • Fachliche Qualifikation: Hat der potentzielle neue Chef das notwendige Fachwissen – kennt er die Branche?
  • Zulassungsvoraussetzungen: Liegen die für die Branche nötigen Fähigkeitsnachweise wie zum Beispiel Meisterbrief vor?
  • Hat der potenzielle Nachfolger Führungsqualitäten? Ist er kommunikativ und kann er sich und andere motivieren?
  • Hat er überzeugende Konzeptionen und Visionen für seine Zukunft mit dem Unternehmen?
  • Respektiert der potenzielle Nachfolger Ihr Lebenswerk?

Der auf Unternehmensnachfolge spezialisierte Rechtsanwalt Sebastian von Thunen empfiehlt, den Ruf des potenziellen Nachfolgers anzutesten. „In der Branche kennt man sich ja meistens. Das ist verlässlicher als dem Kandidaten irgendwelche Fangfragen zu stellen. So etwas könnte abschrecken.“ Von Thunen rät zudem dazu, den Kandidaten mit den Mitarbeitern sprechen zu lassen und danach abzufragen, was sie von ihm halten.

Eine weitere wichtige Frage für Inhaber: Hängt die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs von ihm oder seiner Familie ab? Könnte sich das Unternehmen unter „fremder“ Führung am Markt behaupten? Hartmut Drexel berichtet aus seiner Beratungspraxis, dass dies immer wieder nicht der Fall ist. „Damit ein Betrieb übergabefähig ist, muss vieles stimmen: Zum Beispiel das Produkt, die wirtschaftlichen Kennzahlen, ob der Nachfolger einen neuen Pachtvertrag zum Betriebsgelände abschließen kann oder auch, dass wirklich der Wille zur Abgabe vorhanden ist.“

Weitere Informationen zum Vorgehen bei der Suche nach dem richtigen Nachfolger gibt es bei den Handwerkskammern oder in der Publikation „Nur in gute Hände" des Bundeswirtschaftsministeriums sowie in der Checkliste auf Nachfolgewiki.

Wo finden Betriebsinhaber geeignete Nachfolger?

Um den Fortbestand eines Unternehmens zu sichern, kann der Betrieb auch von einem oder mehreren Mitarbeitern oder einem firmenexternen Nachfolger übernommen werden. Als weitere Alternative kommt der Verkauf an ein anderes Unternehmen in Frage. Bei der Suche weiterhelfen können neben persönlichen Kontakten die Hans Lindner Stiftung, die Handwerkskammern, regionalen Wirtschafts- und Berufsverbänden sowie Inserate in Zeitungen und Branchenmagazinen.

Oder auch Unternehmens- und Nachfolgebörsen im Internet. Betriebsinhaber können dort für die Nachfolgersuche ein Inserat einstellen mitsamt ihren Eckdaten wie Branche, Mitarbeiterzahl, Jahresumsatz und ähnlichen Infos. Potenzielle Nachfolger können ihre Fähigkeiten und Qualifikationen vorstellen und selbst nach für sie geeigneten Betrieben suchen.

Größtes Portal ist die vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Unternehmensbörse Nexxt-change. Sie arbeitet mit rund 800 Regionalpartnern (Kammern, Volksbanken, Sparkassen, etc.) zusammen, die beim Formulieren der Anzeige helfen und ungeeignete Interessenten vorab aussortieren. Daneben gibt es private, zumeist kostenpflichtige Anbieter wie beispielsweise dub.de, meister-boxx.de, concess.de, biz-trade.de, stabwechsel.de oder kern-unternehmensnachfolge.com.

Zudem bieten viele Handwerkskammern eigene, regionale Betriebsbörsen an. So zum Beispiel die Handwerkskammer Region Stuttgart über ihre Internetseiten oder auch die Betriebsbörsen der Bayerischen Handwerkskammern. Hartmut Drexel weist daraufhin, dass die bayerischen Handwerkskammern nicht mit der Börse Nexxt-change zusammenarbeiten. „Handwerk ist sehr regional, daher bieten wir in Bayern lieber eine spezialisierte, regionale Börse an.“ Zu finden unter unternehmensnachfolge-in-bayern.de.

Wo finden Inhaber von Handwerksbetrieben am ehesten einen Nachfolger?

Was bei der Nachfolgesuche der beste Weg ist, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Sebastian von Thunen glaubt, dass der persönliche Kontakt „erfolgsversprechender ist als Betriebsbörsen“. Nach der Einschätzung von Hartmut Drexel werden Nachfolger im Handwerk etwa zu 25 Prozent bei den Mitarbeitern gefunden, zu rund 25 Prozent bei externen Käufern und circa 50 Prozent innerhalb der Familie. „Je größer der Betrieb ist, desto mehr sind die Kinder gewillt.“

Kleinere Betriebe hätten es generell schwerer. Diese Ansicht teilt von Thunen: „Bei kleineren oder Kleinst-Unternehmen wird sich für potenzielle Nachfolger die Frage stellen, warum sie nicht einfach selbst gründen.“ Letztlich kommt es sehr darauf an, ob der abzugebende Betrieb attraktiv genug ist für einen Übernehmer. „Viele geeignete Nachfolge-Kandidaten bekommen es oft finanziell nicht gestemmt“, sagt von Thunen.

Drexel berichtet von Ladenhütern, also Betrieben, bei denen ein zu hoher Preis verlangt wird und daher keinen Übernehmer finden. „Die Inhaber sind nicht bereit, von ihren Vorstellungen abzurücken. Manchmal auch, weil sie das Geld zum Begleichen alter Kredite benötigen. Oder zur Altersvorsorge.“

Von Thunen gibt bezüglich der Finanzierung den Rat, sich als Übernahme-Kandidat nach Landesbürgschaften zu erkundigen. Und abgebende Inhaber könnten gezielt nach Finanzgesellschaften beziehungsweise Private-equity-Firmen suchen: „Investmentfirmen sind immer mehr auf der Suche nach großen und mittelgroßen Betrieben, die sie aufkaufen und mit anderen fusionieren können, um dann durch Synergieeffekte mehr Gewinne zu erwirtschaften.“

So gebe es derzeit beispielsweise eine Nachfrage nach Unternehmen in der technischen Gebäudeausrüstung. Allerdings scheint es noch ein Kommunikationsdefizit zu geben: „Trotz hoher Kaufbereitschaft tun sich die Investmentfirmen aktuell schwer, geeignete Übernahme-Kandidaten zu finden.“