Zeitplan hilft bei der Vorbereitung Nachfolge: 6 Tipps für eine erfolgreiche Übergabe

Viele Betriebsinhaber erreichen demnächst das Rentenalter. Dann wird es Zeit, sich um einen Nachfolger zu kümmern. Damit die Übergabe klappt, gilt es einiges zu beachten.

Zwei Handwerker in der Werkstatt
Um die Übergabe des eigenen Unternehmens erfolgreich zu gestalten, können Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber umfangreiche Unterstützung durch die Berater der Handwerkskammer in Anspruch nehmen. - © Steffen Müller Fotografie

Mindestens 125.000 Handwerksbetriebe bundesweit werden nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks in den nächsten fünf Jahren an eine Nachfolgerin bzw. einen Nachfolger übergeben. Betriebsinhaber stehen dabei vor zahlreichen Herausforderungen, denn die Übergabe sollte rechtzeitig und sorgfältig vorbereitet werden. Die Betriebsberater der Handwerkskammern stehen Unternehmern im Nachfolgeprozess unterstützend zur Seite. Hier sechs wichtige Tipps für eine erfolgreiche Übergabe – zusammengetragen von den Betriebsberatern der Handwerkskammer Unterfranken:

1. Rechtzeitig beginnen

"Mindestens fünf Jahre, bevor der eigene Ruhestand ansteht, sollten sich Betriebsinhaber mit einer möglichen Nachfolgeregelung befassen", rät Björn Salg, Betriebsberater am Standort Aschaffenburg. Schon in dieser frühen Phase hilft er Unternehmern dabei, ­weitere Schritte sowie einen realistischen Zeitplan für die Übergabe festzulegen. "Dann gilt auch: Dranbleiben! Denn nicht selten beobachten wir, dass, je näher das Renteneintrittsalter heranrückt, bei Betriebsinhabern Zukunftsängste entstehen und die Nachfolgesuche verdrängt und verschoben wird", so Björn Salg weiter. Allen voran die finanzielle Absicherung werde hierfür als Grund genannt. Auch um die künftige Einkommenssituation zu planen, kann schon frühzeitig die betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer in Anspruch genommen werden.

2. Richtige Vorbereitungen treffen

Je rentabler ein Betrieb und je moderner er ausgestattet ist, desto leichter findet sich auch ein geeigneter Nachfolger. Das bedeutet, dass – auch wenn der Zeitpunkt für den Ruhestand näher rückt – der Geschäftsbetrieb weiterhin aufrechterhalten und keinesfalls zurückgefahren werden sollte. "Besonders wichtig ist es zudem, auch die Mitarbeiter bei einer Übergabe mit ins Boot zu nehmen", nennt Rainer Plößl, Betriebsberater am Standort Schweinfurt, einen weiteren entscheidenden Faktor. Denn diese Fachkräfte seien für die Zukunft des Unternehmens enorm bedeutend und Abwanderungen aufgrund fehlender Nachfolgeplanung und mangelhafter Informationspolitik können negative Auswirkungen auf zukünftige Chancen und Erträge haben.

3. Für verschiedene Modelle offen sein

Prinzipiell kann eine Betriebsübergabe in Form eines Verkaufs, einer Verpachtung, Beteiligung oder Schenkung realisiert werden. Auch Kombinationen sind möglich. "Es gibt allerdings kein Patentrezept, jede Übergabe ist immer sehr individuell. Deshalb sollten Unternehmer offen für verschiedenste Modelle sein und sich nicht auf eine bestimmte Form festlegen", so der Rat von Betriebsberater Björn Salg. Unter Berücksichtigung von rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten kann mit geeigneten Beratern ein optimales Übergabekonzept entwickelt werden.

4. Bei familieninterner Nachfolge Konflikten vorbeugen

Wer sich für eine familieninterne Nachfolge entscheidet, sollte im Vorfeld möglichen Erbkonflikten vorbeugen. Diese können zum Beispiel entstehen, wenn es mehrere Kinder gibt, von denen aber nur eines als Nachfolger für den Betrieb in Frage kommt. "Oftmals bestehen falsche Vorstellungen bezüglich des Unternehmenswerts und es werden Übervorteilungen befürchtet", so die Erfahrung von Betriebsberater Rainer Plößl. Er empfiehlt deshalb ausdrücklich eine vertragliche Regelung, die schriftlich von allen Familienmitgliedern, die sich letztendlich nicht am Betrieb beteiligen, unterzeichnet wird. So können Ausgleichszahlungen oder Unklarheiten, die das Fortbestehen des Unternehmens gravierend gefährden können, vermieden werden.

5. Vermittlungsangebote nutzen

Die bayerischen Handwerkskammern haben eine gemeinsame Betriebsnachfolgebörse ins Leben gerufen. Übergabewillige Betriebsinhaber können auf dieser Plattform anonym ein Angebot veröffentlichen. Nachfolgeinteressenten haben wiederum die Möglichkeit, die Betriebsbörse gefiltert nach Gewerk, Standort und Umkreis nach interessanten Unternehmen zu durch­suchen. Ein Kontakt zwischen Betriebsübergeber und Übernahmeinteressent kommt unter Vermittlung der Handwerkskammer zustande.

6. Beratungsangebot der Handwerkskammer in Anspruch nehmen

Die Betriebsberater der Handwerkskammer für Unterfranken stehen Betriebsinhabern von den ersten Planungen bis zur erfolgreichen Übergabe zur Seite. Während in der Frühphase die Festlegung eines Zeitplans und konkreter Schritte im Fokus stehen, helfen die Berater im weiteren Übergabeprozess mit Unternehmensbewertungen (z.B. Substanzwert, Ertragswert), die dann als Verhandlungsgrundlage dienen. Auch Betriebsanalysen, die für den Übernahmeinteressenten eine Planungsgrundlage für den künftigen Ertrag darstellen, sind möglich. Die Berater fungieren darüber hinaus als neutrale Moderatoren im Verhandlungsprozess und vermitteln zwischen Übergeber und Übernehmer. Nachfolger unterstützen sie bei der Erstellung eines Businessplans für anstehende Bankgespräche.