Weltweit geschätzte Handarbeit Mit 90: Geigenbauer arbeitet an seinem 350. Instrument

Wilhelm Brückner wird am 30. September 90 Jahre alt. Grund genug, auf sein Leben und sein Lebenswerk zurückzublicken. Schließlich werden seine feinen Instrumente, darunter Meistergeigen und Violinen im Stil alter Italiener, Bratschen und Celli, von der Thüringer Landeshauptstadt aus in die Welt verkauft und sind zu einem absoluten Qualitätsbegriff geworden.

Geigenbauer mit Geige
Geigenbaumeister Wilhelm Brückner feiert am 30. September seinen 90. Geburtstag. Gerade arbeitet er an seinem 350. Instrument. - © Geigenbau Brückner

So richtig still stehen kann Wilhelm Brückner nicht. Zwei Mal pro Woche arbeitet der Geigenbaumeister aus Erfurt in seiner Werkstatt und verwandelt ein altes Stück Holz, älter als er selbst, zu klingenden Streichinstrumenten. "Das ist der beste Zeitvertreib", sagt der Mann. Er ist einer der wenigen Geigenbauer in Deutschland und hat sogar einen eigenen Eintrag in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Berufswunsch Förster

Zu Kindheitszeiten war das nicht vorhersehbar. "Ich wollte ursprünglich Förster werden, begann dann aber mit 15 Jahren eine Geigenbaulehre bei Meister Willi Dölling in Markneukirchen", sagt Wilhelm Brückner. Nach der Gesellenprüfung 1951 arbeitete er bei Geigenbaumeister Willi Lindörfer in Weimar, der sich vor allem auf Restaurierung der Instrumente spezialisiert hatte.

1956 bestand er die Meisterprüfung. Vier Jahre später hat er sich selbstständig gemacht. Anfangs konzentrierte er sich auf Restaurationen. Nach dem Gewinn der Goldmedaille beim internationalen Geigenbauwettbewerb "Henryk Wieniawski" 1972 in Polen wagte er sich zunehmend an den Neubau von Instrumenten, vor allem von Bratschen. "Sie sind nach wie vor meine große Liebe", sagt Wilhelm Brückner.

Von Solisten geschätzt

Beim internationalen "Louis Spohr Wettbewerb" in Kassel war er der mit Abstand erfolgreichste Geigenbauer des Ostblocks. Noch zu DDR-Zeiten begann er eine Lehrtätigkeit an der Geigenbauschule im schwedischen Leksand. Damals wie heute erklingen seine Instrumente an den großen Musikhäusern in Bayreuth, London, New York und Peking, gespielt und geschätzt von den größten Solisten der Welt. Allein im Orchester von Andrè Rieu kommen sieben von Tochter Ruth Brückner gebaute Bratschen sowie drei Geigen und ein Cello von Wilhelm Brückner zum Einsatz.

Doch nicht nur Wilhelm Brückner feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. 2022 besteht die Werkstatt, die sein Großvater August Wilhelm aufgebaut hat und von Vater Alfred Ernst Konrad übernommen wurde, seit 125 Jahren. Heute wird sie von Brückners Tochter Ruth geführt, auch Enkel Christoph ist seit mehr als zehn Jahren als Geigenbauer tätig.

Obgleich die Brückners schon seit fünf Generationen als Geigenbauer tätig sind, hat sich an der Arbeitsweise, der Einrichtung und den Werkzeugen seit den Anfängen im Jahr 1897 wenig verändert. In eben dieser Werkstatt sitzt Wilhelm Brückner auch im hohen Alter noch. Gerade arbeitet er an seinem 350. Instrument. Es soll voraussichtlich sein letztes sein.