Familienbetrieb aus Fulda Innovative Blockflöten: Mollenhauer gibt den Takt an

Die Conrad Mollenhauer GmbH versorgt die Musikwelt seit 200 Jahren mit begehrten Blockflöten. Doch auf ihrer langen Tradition ruht sich die Manufaktur nicht aus: Das Team arbeitet mit Herzblut daran, das Instrument weiterzuentwickeln.

Berthold Mollenhauer, Conrad Mollenhauer GmbH, Blockflöten
Berthold Mollenhauer demonstriert die Helder Evo Tenor, die derzeit fortschrittlichste Blockflöte auf dem Markt. - © Annabel Aulehla

Zwischen Fitness-Studios und Auto-Händlern erblicken im Fuldaer Industriegebiet filigrane Blockflöten das Licht der Welt. Hinter drei Besucherparkplätzen und einem kleinen Vorgarten verstecken sich Werkstatt und Geschäftsräume des 200 Jahre alten Familienbetriebs Conrad Mollenhauer. An diesem warmen Sommer-Vormittag führt Berthold Mollenhauer an der Längsseite des Gebäudes entlang: Er ist der inzwischen sechste Nachfolger des Firmengründers und einer von drei Geschäftsführern.

Vom Rohling zum Instrument

Aus den offenen Fenstern tönen Flötenmelodien, die Meter für Meter leiser werden und dem Geschrei von Maschinen weichen. Schließlich ist das Holzlager auf der Rückseite des Gebäudes erreicht. Unter dem Dach der offenen Lagerhalle türmen sich zigtausende Holzrohlinge. Das Sortiment reicht von schwarzem Grenadill über hellgelben Ahorn bis hin zur rötlichen Pflaume.

Doch die länglichen Holzklötze wirken allesamt matt und unscheinbar. Ihre schöne Maserung und ihr individueller Charakter werden erst nach zahlreichen Produktionsschritten erstrahlen bzw. erklingen. Viele Umdrehungen in Drechselmaschinen und eine Menge präzise Handarbeit verwandeln sie in Blockflöten, die saubere, klare Töne erzeugen.

Die Produktion eines einzelnen Exemplars dauert ein halbes bis ganzes Jahr, die Planung erfolgt dementsprechend langfristig: "Wir wissen grob: Für Weihnachten müssen so und so viele Flöten gebaut werden. Das versuchen wir im Frühjahr anzuschubsen", erklärt Mollenhauer.

Innovative Modelle setzen Maßstäbe

Etwa 30.000 Instrumente gelangen jährlich von hier aus in die Hände von Flötisten auf der ganzen Welt. Einsteiger werden dabei ebenso bedient wie Profi-Musiker. Zwischen 20 und 4.000 Euro können sie in ihr Hobby oder ihren Beruf investieren. Am oberen Ende der Preisskala thront die Helder Evo Alt bzw. Tenor. Das Flaggschiff des Unternehmens verkörpert den Anspruch des Familienbetriebs, die Blockflöte weiterzuentwickeln.

Das Modell mit abgewinkeltem Mundstück verfügt über eine stufenlos verstellbare Piano-Klappe. Wie eine Haifischflosse schiebt sie sich von der Seite in den Luftstrom und moduliert die Lautstärke. Neben diesem Feature verfügt das musikalische Aushängeschild über ein Mundstück, das ein Einstellen des Windkanals mit Hilfe von drei austausch- und verstellbaren Plättchen erlaubt. Der gesamte Flötenkopf ist außerdem ausziehbar, wodurch sich eine weitere Stimmbarkeit ergibt.

Mit dem Material experimentiert der Blockflötenhersteller ebenfalls: So entwickelte er eine Modellserie aus Kirschholz, das den Holzblasinstrumenten Gewicht nimmt. "Sie wiegen deutlich weniger als ihre Schwestern aus Birnenholz und sind damit leichter zu spielen", begeistert sich der 48-jährige.

Von Profis gestaltet und erprobt

Bei der Bewertung neuer Produkte helfen Flötisten wie Sarah Jeffery, Katharina Hess oder Tobias Reisige. Sie und andere in der Szene bekannte Köpfe bringen sich ein und geben Rückmeldung, teils auf reichweitenstarken Instagram-Kanälen. So erreicht Sarah Jeffery rund 11.000 Follower mit Testvideos und Tutorials. "Sie verwendet auch Mollenhauer-Flöten, aber ihr Feedback ist nicht von uns beeinflusst. Sie spricht positive und negative Punkte an. Das ist einfach sehr ehrlich und wir freuen uns riesig darüber", lächelt Mollenhauer. Koordiniert wird die Zusammenarbeit von Mit-Geschäftsführer Nikolaj Tarasov. Sein Kollege Stefan Kömpel ist für Vermarktung und kaufmännische Aspekte zuständig und rundet das Leitungsteam ab. Berthold Mollenhauer hingegen ist auf die Produktion spezialisiert.

Erfahrenes Team mit frischen Ideen

Dabei kann er auf sein Wissen als studierter Maschinenbauer zurückgreifen. Bevor er in die Familie Mollenhauer einheiratete, war er im Bereich der Medizintechnik tätig. Nach langem Bitten seines Schwiegervaters übernahm er die Firma im Jahr 2017. Feinmechanik und Rohstoffeigenschaften seien ihm somit vertraute Gebiete. Mit dem Herstellungsprozess einer Blockflöte habe er sich allerdings erst anfreunden müssen. Daher sei es gut, dass Impulse für Verbesserungen der Produkte und des Herstellungsprozesses aus der gesamten Belegschaft kämen: "Die Idee, Zierringe aus einem anderen Holz zu fertigen, um sie farblich abzusetzen, kam zum Beispiel von einem Mitarbeiter", freut sich Mollenhauer.

Azubis deutschlandweit gesucht

36 Mitarbeiter tragen zum Entstehungsprozess bei. Auch Schreiner, Feinwerkmechaniker, Werkzeugmechaniker, Logistiker und Quereinsteiger sind Teil des Teams. Ausgebildet werden jedoch ausschließlich Holzblasinstrumentenmacher. Zwei Lehrlinge befinden sich derzeit auf diesem Weg. Eine von ihnen kommt aus Dresden. "Früher haben wir Azubis rekrutiert, indem wir mit örtlichen Schulen zusammengearbeitet haben. Letztes Jahr habe ich die Stelle bundesweit ausgeschrieben. Ich denke, das wird sich in den nächsten Jahren immer weiter öffnen", erklärt der Geschäftsführer.

Weltweit nachgefragt

Nach der Gesellenprüfung werde der Nachwuchs ausnahmslos übernommen. Damit können sie sich auf einen Arbeitgeber freuen, der wirtschaftlich auf einem soliden Fundament steht. Die Firma Mollenhauer macht einen Jahresumsatz von ca. drei Millionen Euro. 60 Prozent der Ware wird für den deutschen Markt produziert, der Rest wird in mehr als 40 Länder exportiert. Den größten Absatz im Ausland verzeichnet das Traditionsunternehmen dabei auf dem asiatischen Markt.

Wie viele andere Akteure auch, erlebte Mollenhauer durch die Corona-Pandemie einen Einbruch der Verkaufszahlen. Bis heute habe man die Werte von 2019 nicht wiedereingeholt. Eine Änderung im Kaufverhalten milderte den Einsturz jedoch etwas ab: "Insgesamt haben wir zwar weniger Flöten verkauft, aber dafür mehr hochwertige Modelle", zeigt sich der studierte Maschinenbauer erleichtert.

Sozialer Gedanke im Fokus

In der Krise hätten die Angestellten zusammengestanden und die Kurzarbeit mitgetragen. "Auch wir als Geschäftsleitung sind diesen Schritt gegangen", betont Berthold Mollenhauer und lobt sein Team. Der soziale und wertschätzende Umgang mit den Kollegen sei einer der Unternehmenswerte. So zahle man ein vergleichsweise hohes Einstiegsgehalt von 38.000 Euro und spare dafür lieber in den oberen Etagen ein. "Kultur muss man sich leisten können. Und was wir hier herstellen – Blockflöten – das ist Kultur. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die sie herstellen, sie sich nicht anhören können.“