Karriere im Handwerk Meister im Handwerk: Die heiß begehrten Aufsteiger

Die Fortbildung zum Meister, zum Betriebswirt oder ein Hochschulstudium kosten Handwerker viel Zeit und Geld. Die Investition aber rechnet sich. Ob in Anstellung oder als Betriebsnachfolger, die Spezialisten werden dringend gesucht.

Grafik Motivation für den Meister
Ein höheres Einkommen, bessere Aufstiegschancen und mehr Eigenständigkeit sind die wichtigsten Gründe für den Meister. - © Absolventenstudie 2021/Grafik: DHZ

Wer in seinen beruflichen Aufstieg investiert, hat im Anschluss ein höheres Einkommen und mehr Verantwortung. Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb) schlüsseln dies auf Euro und Cent genau auf.

So verdienen Menschen mit Meister, Techniker oder käufmännischer Fortbildung mit 21,30 Euro brutto im Schnitt fünf Euro mehr pro Stunde als Personen, die es bei ihrer ersten Ausbildung belassen.

Noch größer wird der Unterschied für Handwerker mit akademischen Abschlüssen. Mit Bachelor oder Fachhochschulabschluss liegt der Bruttostundenlohn bei durchschnittlich 22,80 Euro. Personen mit Master- oder Universitätsabschluss verdienen durchschnittlich 26,80 Euro.

Mit Meister an die Uni

Wie viele Handwerker studieren ist nicht bekannt; auch nicht, wie viele den Zugang zur Hochschule oder Universität über ihren Meister erworben haben. Die Absolventenstudie des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk (FBH) legt aber nahe, dass die Zahl bisher gering ist. Befragt worden waren 1.355 Personen, die in den Jahren 2017 und 2018 ihren Meister abgelegt hatten. Von ihnen hatten innerhalb der folgenden drei Jahre 2,5 Prozent ein Studium aufgenommen.

Auch an der Hochschule München sind die Jahrgänge im berufsbegleitenden Bachelorstudium Betriebswirtschaft und Unternehmensführung klein. Fünf bis 15 Teilnehmer pro Jahrgang trauen sich dieses insbesondere für Handwerker entwickelte Studium zu. Zum Vergleich: In Oberbayern machen jedes Jahr bis zu 1.600 Handwerker ihren Meister und rund 200 den Betriebswirt nach der Handwerksordnung.

Karriereschub durch Studium

Allerdings scheint das Studium der weiteren Karriere einen kräftigen Schub zu geben. Befragungen unter 40 Absolventen aus dem oben genannten Studiengang zeigen, dass alle 40 ihr Einkommen um mehr als 50 Prozent steigern konnten. 60 Prozent aus dieser Gruppe machten sich nach den Studium selbstständig, teils durch Übernahme, teils durch Neugründung.

Grafik Lieber in Anstellung
Der Großteil der Meister will sich nicht selbstständig machen. - © Absolventenstudie 2021/Grafik: DHZ

Diese Selbstständigenrate ist doppelt so hoch wie unter den Meisterabsolventen der FBH-Studie. Dort hatte weniger als ein Drittel gegründet. Aus diesem Drittel waren 14 Prozent schon zum Zeitpunkt ihrer Meisterprüfung ihr eigener Herr. Jeweils rund 20 Prozent gründeten innerhalb des ersten beziehungsweise zweiten Jahrs danach, der Rest im Verlauf der folgenden beiden Jahre.

Nur jeder dritte Meister macht sich selbstständig

Der größte Teil der Meisterabsolventen hatte sich allerdings nicht selbstständig gemacht und drei von vieren hatten es auch weiterhin nicht vor. Sie wollten lieber in Anstellung bleiben, weil sie hier eine höhere Einkommenssicherheit vermuteten, weil ihnen die bürokratischen Hürden zu hoch erschienen oder weil ihnen das Startkapital für eine Betriebsausstattung fehlte, so die Studie.

Vor allem jüngere Meister im Alter von 20 bis 25 Jahren gaben auch an, noch zu wenig Berufserfahrung für eine Selbstständigkeit zu haben. Seit der Handwerksnovelle im Jahr 2004 dürfen Gesellen direkt im Anschluss an ihre Ausbildung den Meister machen und viele nutzen diese Möglichkeit. Die fehlende Berufspraxis holen sie im Anschluss nach.

Selbst wenn sich alle neuen Handwerksmeister pro Jahr – im Schnitt zuletzt 20.000 – selbstständig machen wollten, würde ihre Zahl nicht reichen. Bis 2027 suchen 125.000 Unternehmer einen Nachfolger für ihren Betrieb. Gleichzeitig werden die Meister auch in Anstellung dringend gebraucht. Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung zeigen, dass es 2021 für mehr als jede zweite ausgeschriebene Meisterstelle keinen Bewerber am Markt gab.

Fördermittel für Meister, Techniker und Betriebswirte