Krankschreibung wegen Corona-Infektion Long Covid: Betroffene fallen im Schnitt 105 Tage aus

Von extremer Müdigkeit bis anhaltenden Kopfschmerzen: Die Symptome von Long Covid sind vielfältig – und die Erkrankung macht lange arbeitsunfähig. Im Durchschnitt 105 Tage, zeigt eine Analyse der Techniker Krankenkasse. Doch auch schon leichte Corona-Infektionen haben im vergangenen Jahr für viele Fehltage gesorgt.

Frau mit Kopfschmerzen beim Arzt.
Anhaltende Kopfschmerzen nach einer Corona-Infektion können ein Symptom für eine Long Covid-Erkrankung sein. - © terovesalainen - stock.adobe.com

Wer länger als vier Wochen an den Folgen einer Corona-Infektion leidet, ist möglicherweise an Long Covid erkrankt. 2021 erhielten diese Diagnose knapp ein Prozent der Beschäftigten, die bei der Techniker Krankenkasse (TK) versichert sind und die sich im Jahr zuvor mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Vergleichsweise waren die Erkrankten lange arbeitsunfähig: im Schnitt 105 Tage, heißt es in einer Sonderauswertung des TK-Gesundheitsreports 2022. Darin wurden die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion auf den Krankenstand der Beschäftigten in Deutschland untersucht. 

Der Report zeigt auch, dass schon leichte Corona-Infektionen für viele Fehltage im Folgejahr sorgen können. Bereits Long Covid Betroffene mit leichtem Verlauf einer Corona-Infektion waren 2021 durchschnittlich 90 Tage krankgeschrieben. Solche, die wegen ihrer Corona-Infektion mehr als sieben Tage im Krankenhaus lagen, waren im darauffolgenden Jahr im Schnitt 168 Tage krankgeschrieben. Bei den Betroffenen, die im Krankenhaus beatmet werden mussten, waren es sogar durchschnittlich 190 Tage. Zum Vergleich: Im Schnitt war jede TK-versicherte Erwerbsperson im letzten Jahr 14,6 Tage arbeitsunfähig gemeldet, heißt es in der Analyse.

Experten gehen von hoher Dunkelziffer aus

Die Symptome von Long Covid reichen von eingeschränkter Belastbarkeit und extremer Müdigkeit über Atemnot und Kopfschmerzen bis hin zu Muskel- und Gliederschmerzen. Per Definition bezeichnet Long Covid Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Infektion auftreten oder fortbestehen. Bei Beschwerden, die länger als zwölf Wochen nach einer Infektion anhalten oder neu auftreten, spricht man hingegen von Post Covid. "Die Zahl der Long Covid-Betroffenen erscheint mit knapp einem Prozent relativ gering. Aber das sind nur die Patientinnen und Patienten, die auch mit dieser konkreten Diagnose krankgeschrieben worden sind – wir gehen zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer aus", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Es sei deshalb von einer Untererfassung in den Daten auszugehen. Basis für die Sonderauswertung waren die Daten von mehr als 4,2 Millionen TK-versicherten Erwerbspersonen – jedoch basieren die Zahlen nur auf nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeiten. So lassen sich laut der Studienmacher viele Menschen mit Long Covid-Symptomen wie zum Beispiel starker Müdigkeit gar nicht krankschreiben. Zudem basiert die Analyse lediglich auf Fehlzeiten aus dem ersten Pandemiejahr. "Daher ist noch nicht abzusehen, was da gegebenenfalls noch auf uns zu kommt", sagt TK-Chef Baas.

Was tun, wenn der Verdacht auf Long Covid besteht?

Dr. Christian Gogoll, Lungenfacharzt an der Evangelischen Lungenklinik Berlin und selbst Long Covid-Patient, rät Betroffenen sich möglichst frühzeitig Hilfe zu holen: "Long Covid ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Daher gibt es auch nicht 'die eine' richtige Behandlungsmethode. Generell steht die Hausarztpraxis im Mittelpunkt. Der Hausarzt bzw. die Hausärztin koordiniert die Behandlung und leitet – wenn notwendig – gezielt an Facharztpraxen zum Beispiel im Bereich Neurologie oder Lungenheilkunde bzw. spezielle Long Covid-Ambulanzen weiter." ew