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BMWi und EU einigen sich KWK-Anlagen wieder von der EEG-Umlage befreit

Betriebe, die Strom und Wärme per Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen und selbst nutzen, bekommen einen Teil ihrer Stromkosten zurück, die sie seit Jahresbeginn gezahlt haben. Genauer gesagt geht es um die EEG-Umlage, von der sie rückwirkend wieder befreit werden.

Erleichterung für Betriebe, die nach dem 1. August 2014 Anlagen mit sogenannter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zum Eigenverbrauch und einer mit einer Größe bis zu 1 MWel installiert haben: Mussten sie seit Jahresbeginn mit den vollen Satz der EEG-Umlage von 6,8 Cent je Kilowattstunde (kWh) bezahlen, so hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) nun dafür gesorgt, dass die zuvor geltende Befreiung von der EEG-Umlage wieder gilt – und das sogar rückwirkend zum 1. Januar 2018.

Die Entlastung von 60 Prozent dieser Kosten hatte die EU gestrichen, da sie eine Überförderung der Anlagen sah, die kein Gas aus regenerativen Quellen wie Biomasse nutzen. Nur die letztgenannten waren von der Förderkürzung nicht betroffen.

Damit hatte die EU-Politik im Dezember vergangenen Jahres sowohl die Unternehmen als auch die Bundesregierung überrascht und das BMWi konnte nun nur im Nachgang eine Neuregelung aushandeln, die an die ehemaligen Erleichterungen anschließt. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) waren vom zwischenzeitlichen Aussetzen der Befreiung Betriebe aus dem gesamten Mittelstand, aber auch Schulen, Schwimmbäder und Krankenhäuser betroffen, die ihre Eigenversorgung auf KWK umgestellt hatten. Sie mussten stark erhöhte Stromkosten bezahlen und können nun von der rückwirkend geltenden Änderung profitieren.

Kraft-Wärme-Kopplung in Deutschland

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist die gleichzeitige Umwandlung von eingesetzter Energie in mechanische oder elektrische Energie und nutzbarer Wärme. Die parallel zur Stromerzeugung produzierte Wärme wird zur Beheizung und Warmwasserbereitung oder für Produktionsprozesse genutzt. Der Einsatz der KWK mindert den Energieeinsatz und Kohlendioxid-Emissionen.

KWK-Anlagen können auf unterschiedlichen Techniken basieren: Dampfturbine, Gasturbine, Gas- und Dampfturbine, Verbrennungsmotor, Dampfmotor, Stirlingmotor, ORC-Anlage und Brennstoffzelle.

Die KWK-Nettostromerzeugung ist im Zeitraum 2003 bis 2016 kontinuierlich gestiegen (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) und soll weiter ausgebaut werden. Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG), das seit dem 1. Januar 2016 gilt legt fest, dass im Interesse der Energieeinsparung sowie des Umwelt- und Klimaschutzes die Stromerzeugung aus KWK-Anlagen auf 110 Terawattstunden bis zum Jahr 2020 sowie auf 120 Terawattstunden bis zum Jahr 2025 erhöht werden soll. Dafür fördert die Bundesregierung den Einbau von KWK-Anlagen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Infos dazu gibt es hier.>>>

Quelle: UBA, Bafa

Durch die nun gefundene Neuregelung ergeben sich jedoch auch ein paar Änderungen gegenüber dem Status Quo von 2017 sowohl für KWK-Anlagen, die seit August 2014 errichtet wurden oder in Zukunft errichtet werden und für solche, die über eine elektrische Leistung zwischen 1 und 10 MW verfügen. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE) hin. Die Regelungen müssen zwar noch im Gesetz verankert werden, doch dies gilt als sehr wahrscheinlich.

Diese betreffen:

  • KWK-Neuanlagen, die seit August 2014 in Betrieb genommen wurden, mit einer Größe bis zu 1 MWel sowie über 10 MWel: Für sie zahlen die Betreiber auch künftig nur 40 Prozent der EEG-Umlage auf eigenverbrauchte Strommengen.
  • KWK-Neuanlagen in der stromintensiven Industrie: Sie zahlen 40 Prozent der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch.
  • Für KWK-Neuanlagen, die zwischen 1 und 10 MWel groß sind, bleibt es bei 40 Prozent der EEG-Umlage, sofern die Anlagen weniger als 3.500 Vollbenutzungsstunden im Jahr laufen. Bei Anlagen mit höherer Auslastung steigt die durchschnittliche Umlage kontinuierlich an.
  • Für KWK-Neuanlagen zwischen 1 und 10 MWel, die zwischen dem 1. August 2014 und Ende 2017 errichtet wurden, gilt eine abgestufte Übergangsregelung. Für die Übergangszeit, die vom Datum der Inbetriebnahme abhängt, gilt ebenfalls zunächst 40 Prozent der EEG-Umlage auf den Eigenstrom. Diese steigt dann jedoch schrittweise bis auf 100 Prozent an. Die Übergangszeit endet bei einer Inbetriebnahme zwischen August 2014 und Dezember 2015 am 31. Dezember 2018, bei einer Inbetriebnahme 2016 am 31. Dezember 2019 und bei einer Inbetriebnahme 2017 am 31. Dezember 2020.
 

Weitere Details für die Neuregelung hat die ASUE in einer Broschüre zusammengefasst, die hier nachgelesen werden kann.>>>

jtw

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