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Entrepreneurs for Future Klimastreik: Wie sich das Handwerk engagiert

Klimaschutz ist nicht nur für Schüler, sondern auch für viele Handwerker ein wichtiges Thema. Einige von Ihnen beteiligen sich an der Initiative "Entrepreneurs for Future". Warum sie heute auf die Straße gehen und wie sie sich im Alltag für den Klimaschutz einsetzen.

Seit etwa einem Jahr gehen jeden Freitag junge Menschen auf der ganzen Welt auf die Straße, um zu demonstrieren. Ihr Anliegen: auf den Klimawandel aufmerksam machen und die Politik zu einem besseren Klimaschutz bewegen. Während an diesem Freitag, 20. September, die Politiker in Berlin über das neue Klimagesetz beraten, sind wieder hunderte Demonstrationen in ganz Deutschland geplant.  

Sind es bei "Fridays for Future" vor allem Schüler, die sich für eine nachhaltige Klimapolitik aussprechen, haben sich in den vergangenen Wochen auch andere Gruppen formiert und hinter die Forderungen der Jugendlichen gestellt. Neben "Scientists for Future" gibt es auch die Initiative "Entrepreneurs for Future", bei der sich aktuell mehr als 3.000 Unternehmer zusammengeschlossen haben, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Zu ihren Forderungen gehören eine wirksame CO²-Bepreisung, eine schnellere Energie- und Mobilitätswende und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

Zu den Unterstützern dieser Initiative gehören auch zahlreiche Handwerksbetriebe. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat mit drei dieser Handwerker über ihr Engagement gesprochen.

Alex Melzer – Chef einer digitalen Solarplattform

Alex Melzer von Zolar

Einer, der sich von Berufswegen schon seit Jahren mit dem Klimaschutz beschäftigt, ist Alex Melzer. Bei dem Unternehmer aus Berlin dreht sich alles um Solaranlagen. "Wir möchten es unseren Kunden und Handwerkspartnern so einfach wie möglich machen, erneuerbare Energie zu nutzen", sagt Melzer. Er ist überzeugt, dass unternehmerisches Handeln nicht im Widerspruch zum Klimaschutz stehen muss. "Mir ist es wichtig, mit unserem Produkt einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Nur eine gute Mülltrennung im Betrieb, das geht mir nicht weit genug." Über seine digitale Plattform Zolar können Hausbesitzer Solaranlagen bestellen, die dann ein Team aus Handwerkern vor Ort einbaut.

Am Freitag wird er sich der geplanten Klima-Demo am Brandenburger Tor anschließen und hat seine Mitarbeiter für diesen Tag freigestellt. Auch seine Website wird an diesem Tag bestreikt. "Wir haben den ganzen Tag einen grünen Banner auf der Seite, der auf  weitere Infos zum Klimastreik verlinkt", so Melzer. Dass er an diesem Tag keinen Umsatz macht und möglicherweise Kunden abschreckt, nimmt er in Kauf. "Wir haben eine kleine Notfallbesetzung, aber die meisten Kunden entscheiden sich ja bei uns bewusst für ein umweltfreundliches Produkt und werden deshalb sicherlich nochmal wieder kommen."

Timothy Vincent – Steinbildhauer

Timothy Vincent

Auch kleine Handwerksbetriebe können sich aktiv für den Klimaschutz engagieren, wie das Beispiel von Steinbildhauer Timothy Vincent zeigt. Der Handwerker aus Wetter in Nordrhein-Westfalen setzt sich nicht nur privat, sondern auch mit seinem Betrieb für den Umweltschutz ein. Er hat ein Lastenrad und bezieht Ökostrom.Besonders wichtig ist ihm aber die Nachhaltigkeit bei seinen Produkten.

"Wir sollten achtsamer mit uns selbst und unseren Materialien umgehen. An sich ist das Handwerk eine nachhaltige Branche, aber meist wird in der Wertschöpfungskette nicht darauf geachtet", sagt der Unternehmer. Seine Steine bezieht er deshalb nur aus der Region oder maximal aus Europa. "Es gibt keine verlässlichen Siegel für Grabmalgesteine aus Übersee. Ich weiß also nicht, unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden, mal ganz abgesehen vom weiten Transportweg", sagt der Handwerker.

"Entrepreneurs for Future" ist nur eine von vielen Initiativen, die er unterstützt. Er hat eine Internetseite für das Recycling von Grabmalen gegründet und ist Initiator des Vereins "Handwerk mit Verantwortung", der sich für den Umweltschutz einsetzt. "Wenn mich meine drei Kinder einmal fragen ‚Papa, was hast du für den Klimaschutz gemacht?‘, möchte ich sagen können, ich habe alles versucht", sagt Vincent. Am Freitag wird er sich mit den anderen Vereinsmitgliedern in Berlin treffen. Den Termin hat er extra passend zum Klimastreik gewählt. Seine Azubine kommt zwar nicht mit, ist aber für den Tag freigestellt und wird sich einer der "Fridays for Future"-Demonstrationen in der Umgebung anschließen.

Carsten Puck – Schornsteinfeger

Carsten Puck

Ein Handwerk, das sich von Berufswegen schon immer stark mit dem Klimaschutz beschäftigt , ist das der Schornsteinfeger. Carsten Puck aus Hamburg ist einer von ihnen. Er hat sich ebenfalls offiziell der Initiative "Entrepreneurs for Future" angeschlossen hat. "Ich bin der Meinung, dass die Regierung beim Thema Klimaschutz versagt hat und es nicht einmal schafft, ihre eigenen Klimaziele einzuhalten", sagt Puck. "Das Hoffen auf Erfindungen in der Zukunft ist nicht genug." Es müsse jetzt gehandelt werden. Für ihn ist es wichtig, dass sich gerade die Unternehmer für die Anliegen der "Fridays for Future"-Demonstranten stark machten, damit der Klimaschutz ein Innovationsmotor werde.

"Insbesondere das Handwerk wird von der Energiewende nachweislich stark profitieren", so Puck. Ansatzpunkte gäbe es in vielen Bereichen. "Durch die energetische Gebäudesanierung wird vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe profitieren. Die klimaschonende Gestaltung der Städte kann nur durch eine Ausweitung der Beratungsleistungen, zum Beispiel von Handwerkern erreicht werden", so der Schornsteinfeger. Weitere Chancen sieht Puck im Austausch der Anlagentechnik durch das SHK-Gewerbe und Anstoßberatungen des Schornsteinfegerhandwerks zur Effizienzsteigerung im Gebäudebestand. Zudem würden die Kriterien "Regional" und "Nachhaltig" im Kaufverhalten wichtiger werden, was vor allem Handwerksprodukte erfüllen könnten.

In seinem Betrieb setzt er bereits viele Maßnahmen für einen nachhaltigen Umweltschutz um: Im Büro nutzt er 100 Prozent Ökostrom, ebenso werden Akkus für Auto und Lastenrad damit geladen. Seit vier Jahren nutzt er ein Lastenrad und seit einem Jahr ein Plug-in Hybrid für seine Arbeitsfahrten. Zu weiter entfernt liegenden Schulungen fährt er mit der Bahn. Am Freitag wird er sich, wie die anderen Unternehmer der Initiative auch, dem Klimastreik anschließen. "Ich gehe hin und mein Mitarbeiter wird, falls er teilnehmen möchte, dafür bezahlt frei bekommen", sagt Puck.

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