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Geplante Förderungen für Heizungsaustausch Klimapaket: Heizungsbauer beklagen tausende Auftragsstornierungen

Angesichts neuer Fördermöglichkeiten haben Heizungskäufer Aufträge in Millionenhöhe zurückgenommen. Sie warten lieber noch ab. Die Politik ist gefordert.

Die im Klimapaket der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen zum Klimaschutz im Gebäudesektor sorgen bei Heizungskäufern für spürbare Verunsicherung: "Potenzielle Investoren warten erst einmal ab, welche der in Aussicht gestellten Förderungen zum Heizungsaustausch tatsächlich zu Gesetzesvorgaben werden", sagte Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Heizung, Sanitär, Klima (ZVHSK) mit Blick auf die noch ausstehenden Beratungen im Bundestag und Bundesrat. "Die von den Eigenheimbesitzern zurückgenommenen Aufträge summieren sich nach unserer Einschätzung bereits jetzt auf einen dreistelligen Millionenwert", fügte er hinzu.

Verband fordert rückwirkende Fördermaßnahmen

Nach einer Umfrage des Verbandes hätten in den ersten vier Wochen nach Bekanntgabe der Fördermaßnahmen hochgerechnet etwa ein Drittel der rund 24.000 Innungsbetriebe durchschnittlich je zwei stornierte Aufträge zu verbuchen gehabt.

Der Verband fordert deshalb, Fördermaßnahmen auch rückwirkend zu gewähren und das Gesetzgebungsverfahren zügig durchzuziehen. Nach Einschätzung Bramanns ändert auch der jüngste Kabinettsbeschluss zum Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an der Verunsicherung nicht viel. Noch müsse das Gesetzgebungsverfahren abgewartet werden.

Ölheizungen ab 2026 nur noch in Ausnahmenfällen möglich

Laut Gesetzesentwurf soll der Betrieb von Ölheizungen ab 2026 nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein. Dies gilt etwa dann, wenn bei einer neuen Ölheizung auch erneuerbare Energien – in einer sogenannten Hybridlösung – mit eingebunden sind. Wenn also eine neue Ölheizung etwa noch durch Solarenergie oder die Energie von Wärmepumpen unterstützt wird. Gasheizungen sollen weiter installiert werden dürfen.

Erlaubt sein soll der Einbau einer Ölheizung laut Gesetzesentwurf auch dann, wenn es keinen Gasanschluss oder kein Fernwärmenetz gibt oder eine anteilige Deckung des Wärme- und Kältebedarfs durch erneuerbare Energien technisch nicht möglich ist oder zu einer unbilligen Härte führt. "Die Politik sollte hier mit einer höheren Förderung für den Austausch von Ölheizungen gegensteuern", betonte Bramann. Ansonsten wird die bereits in der Energieeinsparverordnung geltende Austauschpflicht für Gas- und Ölheizungen, die älter als 30 Jahre alt sind, ins Gebäudeenergiegesetz (GEG) übernommen.

Heizungsbauer für gleichwertige und transparente Fördermodelle

Im Sinne einer klaren und verständlichen Verbraucheransprache fordert das Heizungsbauerhandwerk zudem, die verschiedenen Fördermodelle für einen Heizungsaustausch gleichwertig auszugestalten. Geplant ist bisher die steuerliche Förderung von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung. Dabei sollten 20 Prozent der Aufwendungen je Einzelmaßnahme und bis zu 40.000 Euro pro Objekt über drei Jahre von der Steuerschuld abgezogen werden können.

Alternativ dazu will die Regierung den Austausch von alten Ölheizungen durch eine Austauschprämie forcieren. Dabei sollen bis zu 40 Prozent des Förderanteils eines neuen effizienten Heizsystems bezahlt werden, heißt es beim Verband. Darüber hinaus gibt es über die KfW-Förderbank Zuschüsse bis zu 15 Prozent der Investitionssumme. "Hier beginnt für unsere Handwerker und ihre Kunden das große Rechnen", betonte Bramann. "Wir brauchen eine klare Vereinfachung und Gleichstellung der Fördermaßnahmen sowie im Beratungsinteresse diesbezügliche Transparenz", fordert er.

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