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Handwerkskita und Aktionstage Hier werden Kinder schon früh für das Handwerk begeistert

Diese Projekte zielen auf die Kleinsten und sollen schon früh zeigen, was im Handwerk möglich ist. Eine Handwerkskita im Norden und ein bundesweiter Wettbewerb vermitteln handwerkliches Geschick von Kindesbeinen an - und bauen so auch die Vorbehalte einiger Eltern ab. Wie Handwerksbetriebe selbst aktiv werden können.

Der jährliche "Kita-Wettbewerb" der Aktion Modernes Handwerk e.V. (AHM) und die Kindertagesstätte "Alles im Lot" mit hauseigener Werkstatt zum handwerkeln haben mindestens eine Sache gemein: Sie zeigen Kita-Kindern die Welt des Handwerks und der Werkstoffe. Die Initiativen ermöglichen es den Kindern Werkstattarbeit kennen zu lernen und altersgerecht auszuführen. Der Kontakt mit handwerklichen Tätigkeiten im frühen Kindesalter erhöht dabei den Zugang zu der Branche auch später im Leben – was wiederum einen Nachwuchs fördert, der im Handwerk dringend gebraucht wird.

Seit Jahren ist die Nachfrage nach Handwerkern groß. Die Auftragsbücher sind voll, doch das Personal fehlt. Der Fachkräftemangel in Handwerksbetrieben ist längst kein Geheimnis mehr: Kunden müssen teilweise wochenlang auf die Ausführung ihres Handwerksauftrags warten.

Eine politische Hilfestellung für dieses Dilemma bietet zum einen die neu eingeführte Mindestvergütung für Auszubildende, die die handwerkliche Ausbildung für junge Menschen attraktiver machen soll. Weiterhin soll die kürzlich für zwölf weitere Berufe eingeführte Meisterpflicht eine höhere Anzahl an Ausbildungsplätzen ermöglichen.

Doch um langfristig mehr Nachwuchs für das Handwerk zu gewinnen, müssen sich Eltern an die Möglichkeit herantasten, dass sich ihre Kinder später für einen handwerklichen Beruf entscheiden. Den neuen Generationen sollen Berührungsängste genommen werden. Da beginnt man am besten von klein auf.

Ein Schnupperkurs für Kita-Kinder

Die Aktion Modernes Handwerk e.V. (AMH) organisiert mit dem Projekt "Kleine Hände, große Zukunft" einen Kita-Wettbewerb, bei dem die ganz Kleinen anpacken: Kita-Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren besuchen zusammen mit ihren Erziehenden regionale Handwerksbetriebe und begegnen an einem Nachmittag der Handwerksarbeit. Gewonnene Eindrücke werden anschließend von den Kindern in ein Riesenplakat mit Materialien aus dem jeweiligen Handwerksbetrieb zusammengestellt. Mit solchen Projekten möchte auch das Handwerk zukünftige Generationen für die Werkstattarbeit begeistern. Dabei ist vor allem von Handwerkern eine aktive Beteiligung gefragt.

Etwa wie von Andreas Berg mit seinem Betrieb Andreas Berg Stahl- und Maschinenbau aus Wiehl, der sich im Januar 2020 an dem Projekt beteiligte. Ihm bereitete der "Kita-Nachmittag" im Betrieb viel Freude. Besonders gefallen hat ihm die kindliche Neugierde am Arbeitsplatz. "Für Kinder ist das ganz interessant eine Werkstatt mal von innen zu sehen. Da war eine Begeisterung zu spüren.", verriet der Betriebsleiter. Andreas Berg beschreibt, wie die Kinder in Schutzanzügen eine Werkstattführung erhielten, vorbereitete Maschinenprogramme beobachteten und dass es als gemeinsames Projekt ein Dinosaurier-3D-Puzzle zum Zusammenfügen gab.

Für ein solches Projekt müssen Materialien und Personal zur Verfügung gestellt, sowie Zeit in die Vor- und Nachbereitung investiert werden. Aber die Zeit sei gut angelegt. "Ein Auszubildender ist ja auch keine billige Arbeitskraft – das ist eine Investition in die Zukunft. Und so sehe ich das auch mit so einem Projekt", sagte er. Für den Einzelunternehmer ist klar, welche Vorteile gerade das Handwerk bei einer solchen Kooperation hat: "Das Handwerk muss an seinem Image arbeiten, um zukunftsträchtig dazustehen. Es macht Spaß, etwas mit den Händen zu schaffen und manche können einfach nicht jeden Tag am Schreibtisch sitzen. Deshalb sollen wir den jungen Menschen auch zeigen wie es sein kann, denn sie können es ja nicht wissen. Da ist jeder Unternehmer in der Pflicht, das Handwerk interessant zu machen." Andreas Berg verweist bei der Imagebearbeitung des Handwerks und dem Bedarf an Nachwuchs auch auf Eltern und Erziehende.

Zustimmung der Eltern spielt eine große Rolle

Bei der heutigen Struktur der schulischen Laufbahn absolvieren immer mehr Schüler ihr Abitur und schlagen einen akademischen Bildungsweg ein. Eine Entscheidung, die von den Eltern in vielen Fällen gefordert und gefördert wird. Diese Erkenntnis betont auch der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks (ZV): "Wir müssen den Eltern wieder klarmachen, dass es schön ist, ein Handwerk zu erlernen und dort erfolgreich zu sein", stellte ZV-Präsident Harald Esser unlängst fest. Die frühe Auseinandersetzung der Eltern mit beruflichen Alternativen kann deshalb auch deren spätere Zustimmung für eine handwerkliche Ausbildung erhöhen. Eine solche Herangehensweise gibt es seit 2017 zum Beispiel in einer "Handwerks-Kita" in Schwerin.

Kita für die Handwerker von Morgen

In der Kindertagesstätte "Alles im Lot" in Schwerin steht, neben der persönlichen Entwicklung und dem Ausbau sozialer Fertigkeiten, der Bildungsprozess auf besondere Art im Vordergrund. Die Kinder haben die Möglichkeit in Begleitung und unter Aufsicht der Handwerksarbeit in einer Werkstatt aktiv nachzugehen. Dabei lernen sie, mit den unterschiedlichsten Werkstoffen umzugehen und verantwortungsvoll Aufgaben zu übernehmen.

Handwerkskita

An die "ganz normale" Kita ist separat eine 60 Quadratmeter große Werkstatt angebaut, die von den Kindergruppen während zwei Werkstattzeiten in der Woche genutzt wird. Dabei arbeiten die Kita-Kinder unter Aufsicht und Betreuung der Erziehenden und einem Werkstattpädagogen mit Akkuschraubern, Hämmern und Nägeln, verdeutlicht Kitaleiterin Ina de Groot. Holz, Ton, Stoffe und Metall werden durch monetäre oder materielle Spenden eingeholt. Denn: Die Werkstatt wird nicht von der Kindertagesstätte finanziert. Die Kita ist auf Spenden angewiesen, um mit den Kindern an Projekten zu arbeiten. Dabei sind bereits Insektenhäuschen, Zäune und Sitzbänke für den Hof gefertigt worden.

Zum einen sei das Ziel, dass sich Kinder selbstbewusst und eigenständig entwickeln können und lernen, ihren Körper zu benutzen und ihre eigene Kraft einzuschätzen. Zum anderen, dass die Kinder ihren Berufsweg auch nach ihren Fähigkeiten einschlagen können. "Kinder sind die Zukunft und tragen die Gesellschaft. Später im Werkunterricht oder in Praktika können sie diese Erlebnisse dann wieder aktivieren. Wenn die Kinder mit einem Hammer oder einem Werkzeug positive Erfahrungen gemacht haben, dann trauen sie sich das später auch eher wieder zu", stellt Ina de Groot fest.

Bei den Eltern stößt dieses Kita-Konzept auf große Zustimmung. "Die Eltern sagen oft ‚Ich selbst weiß gar nicht, wie ich meinen Schrank zusammenstellen soll. Ich finde es toll, dass mein Kind so etwas lernt.‘", erzählt die Kitaleiterin. Die Eltern seien sehr offen und würden sich auch regelmäßig Rückmeldung einholen, was ihre Kinder in der Werkstatt denn machen.

Die Wahrnehmung des Handwerks als wertzuschätzende Berufe und Tätigkeiten habe einen wichtigen Stellenwert. Frau de Groot möchte dieses Kita-Konzept gerne weiterführen. Erste Schritte in Richtung Kooperation mit dem Berufs- und Bildungszentrum (BTZ) Schwerin seien bereits getan: Es stehe in Planung, mit den (Vorschul-)Kindern regelmäßige Ausflüge zum BTZ zu machen, um ihnen zu zeigen, wie sich ein Handwerksberuf gestaltet.

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