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Erfolgs-Vergleichs-Analyse Warum ein Haarschnitt jetzt 2,50 Euro mehr kostet

Friseurbesuche sind teurer geworden. Für einen Nasshaarschnitt mussten Frauen im vergangenen Jahr durchschnittlich 2,50 Euro, Männer 1,70 Euro mehr bezahlen als noch 2017 – und auch dieses Jahr dürften die Preise weiter steigen. Warum das so ist.

Was kostet ein einfacher Nasshaarschnitt beim Friseur? Dieser Frage sind auch dieses Jahr wieder Analysten im Auftrag des Kosmetikkonzerns Wella nachgegangen. Für die Erfolgs-Vergleichs-Analyse, kurz EVA, werteten sie die Preise von rund 550 Salons aus. Das Ergebnis: Frauen bezahlten 2018 durchschnittlich 29,70 Euro für einen Nasshaarschnitt, Männer 22,90 Euro.

Gestiegenen Personalkosten und Ausbildungsvergütungen

Frauen mussten damit 2,50 Euro mehr bezahlen als noch im Vorjahr, was einem Preisanstieg von 9,2 Prozent entspricht. Bei den Männern fiel das Plus etwas geringer aus. 1,70 Euro beziehungsweise acht Prozent mehr kostete ein Haarschnitt im Vergleich zu 2017. Der Zentralverband des Friseurhandwerks (ZV) führt die Entwicklung auf die gestiegenen Personalkosten und Ausbildungsvergütungen im Friseurhandwerk zurück. "Wir sind genau wie andere Branchen und vor allem andere Handwerksbereiche im Wettbewerb um gute Mitarbeiter und das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder", sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Müller dem Nachrichtendienst dpa.

Zahl der Auszubildenden halbiert

Im Jahr 2018 sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erneut um sechs Prozent. Insgesamt machen derzeit 21.000 Lehrlinge eine Ausbildung im Friseurhandwerk, vor zehn Jahren waren es noch fast doppelt so viele. Ein Trend, den der ZV mit erweiterten Karriereoptionen wie dem neugeschaffenen Bachelor-Studiengang "Business Administration mit Schwerpunkt Beauty-Management" sowie einer progressiven Tarifpolitik  umzukehren versucht.

Ein Umdenken müsse allerdings auch in der Gesellschaft stattfinden, forderte jüngst ZV-Präsident Harald Esser. "Wir müssen den Eltern wieder klarmachen, dass es schön ist, ein Handwerk zu erlernen und dort erfolgreich zu sein." Der Ausbildungsberuf zum Friseur beziehungsweise zur Friseurin zähle zwar weiterhin zu den beliebtesten in Deutschland, das Image anstrengender und schlecht entlohnter Arbeit mache der Branche jedoch zu schaffen.

Weitere moderate Preissteigerungen erwartet

Auch im laufenden Jahr geht der ZV von moderaten Preissteigerungen für Friseurdienstleistungen aus. Die Bereitschaft von Kundenseite, mehr Geld in das eigene Aussehen zu investieren, sei gegeben. Dies zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen EVA. Ihr zufolge gaben Männer im vergangenen Jahr durchschnittlich 22,07 Euro pro Friseurbesuch aus, Frauen ließen mit 56,13 Euro sogar mehr als das Doppelte liegen. Das entspricht einem Plus von 5,2 beziehungsweise 4,3 Prozent.

Gefragt seien bei Kunden zunehmend Leistungen, die über das eigentliche Friseurhandwerk hinausgingen – ob nun Kopfmassagen oder hochwertige Getränke, sagte Müller. "Wir haben im Friseurhandwerk auch eine Entwicklung, dass man sich mit Spezialangeboten separiert in einem hart umkämpften Wettbewerb." Dies sei im Premium-Bereich sowohl in Damen- als auch in Herrensalons "ein absoluter Trend". fre

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