Flutkatastrophe Nach dem Hochwasser: So stark helfen Handwerker

Von einer Sekunde auf die andere ist der gesamte Betrieb versunken, das Lebenswerk zerstört. Auch viele Handwerksbetriebe sind von der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands hart getroffen worden. Wie andere Handwerker aus ganz Deutschland den Betroffenen helfen.

Aufräumarbeiten in den Hochwassergebieten
Gemeinsam anpacken: Die Solidarität unter Handwerkern ist groß. - © Comofoto - stock.adobe.com

Das Hochwasser hat viele Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwer getroffen. Die Verwüstungen sind verheerend, die Schäden riesig. Doch auch die Hilfe ist groß. "Ich war überwältigt von der Hilfsbereitschaft", sagt Dominik Tietz. Aus ganz Deutschland hätten sich Elektriker bei ihm gemeldet und Hilfe angeboten. Zwei Tage nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hatte der junge Elektro­technik-Meister aus Königsfeld im Kreis Ahrweiler mit den Worten "Alle Handwerker müssen jetzt zusammenhalten" einen bundesweiten Hilferuf auf Instagram gestartet. "Hier ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes Land unter", sagte er und bat um Sachspenden wie Stromaggregate oder Baustromverteiler. Die Resonanz war überwältigend. Unzählige Berufskollegen aus dem ganzen Bundesgebiet sind gekommen. "Berlin, Bayern, alles ist dabei", erzählt er. 300 bis 400 Leute waren es bisher. Hinzu kamen unzählige Sachspenden im sechsstelligen Bereich. Und große Hersteller haben weitere Unterstützung angekündigt.

Viele Betriebe betroffen

Von großer Hilfsbereitschaft berichtet auch Andreas Unger, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Rheinland-Pfalz. "Bei uns sind rund 30 Betriebe betroffen", sagt er. Der Verband ruft wie der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks zu Spenden auf und koordiniert die Kollegenhilfe vor Ort. Viele kämen mit Gerät, mit kleinen Baggern, Con­tainern, Wasserkanistern und Hochdruckreinigern. Es gebe eine große Solidarität – auch über Landesgrenzen hinweg.

Das spürt auch Dirk Kleis, Geschäftsführer des Landesverbandes Friseure & Kosmetik Rheinland. Kurz nach der Katastrophe hat das Friseurhandwerk zu Spenden aufgerufen. "Die Anteilnahme ist überwältigend", sagt er mit Blick auf Geld- und Sachspenden von Kollegen, dem Handel und der Kosmetik-Industrie. In der Region seien rund 40 Betriebe betroffen, manche mit Totalschäden. Von den Spenden erhalte in einer ersten Runde jeder betroffene Betrieb eine Pauschale von 1.000 Euro. Rund zwei Drittel der Geschädigten haben keine Elementarschadenversicherungen, erklärt er. Und mit Reserven sehe es nach der Corona-Krise oft schlecht aus. "Ohne staatliche Hilfe geht es nicht, wenn wir die Struktur erhalten wollen", betont er. Der Aufbau werde Monate dauern. Für diese Zeit gelte es auch alternative Ausbildungsmöglichkeiten für die zahlreichen Lehrlinge zu organisieren.

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Auch im Bäckerhandwerk stehen die Kollegen zusammen. "Eine Million in zehn Tagen", so lautet die vorläufige Bilanz der Spendenaktion "Bäcker helfen Bäckern". "Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen", sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks. Nach jetzigem Stand seien mindestens 17 Backstuben und knapp 60 Filialen in den überschwemmten Gebieten betroffen. Die Geschädigten sollen im ersten Schritt 5.000 Euro Soforthilfe bekommen. Zudem habe man zu Sachspenden aufgerufen und die bundesweite Aktion Flut-Brot ins Leben gerufen, bei der von jedem verkauften Brot ein Euro an die Geschädigten im Bäckerhandwerk geht.

Daneben hat die Handwerkskammer zu Köln für den eigenen Kammerbezirk, in dem rund 6.000 Betriebe inklusive Filialen durch das Hochwasser geschädigt wurden, über das Portal „Unser Handwerk hilft“ zur Unterstützung aufgerufen. Jede Unterstütz­ung, die gebraucht oder angeboten wird, von der Arbeitskraft bis zur Azubi-Übernahme, kann hier eingetragen werden.

Außerdem hat die Kammer stellvertretend für die Handwerkskammern in allen betroffenen Regionen ein Spendenkonto unter dem Stichwort: Hochwasserkatastrophe "Handwerk hilft" eingerichtet. "Mehr denn je werden jetzt anpackende Hände und Unterstützung gebraucht", schreiben ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer und ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Die Aktion soll noch bis zum Tag des Handwerks am 18. September laufen.

Akute Nothilfe

Die vom Staat angekündigte Soforthilfe hält Wollseifer für einen wichtigen Beitrag, um akute Nothilfe zu leisten. "Die Mittel müssen jetzt zügig diejenigen erreichen, die existenziell darauf angewiesen sind." Auch die Nutzung der bereits auf Länderebene vorhandenen Corona-Notfallfonds für eine erste Unterstützung betroffener Betriebe sei sachgerecht und rasch umsetzbar. "Dafür stehen die Landesregierungen im Wort", fügt er hinzu. Zugleich sei absehbar, dass die Schäden mit Blick auf die zerstörten Infrastrukturen weit darüber hinaus gingen. Ein gesonderter Fonds dafür werde wie bereits bei den Katastrophen 2002 und 2013 unverzichtbar sein.