Wiederaufbau nach Hochwasserkatastrophe Nach der Flut: Das raten ehemals betroffene Handwerker

Die Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz hat auch Handwerksexistenzen getroffen. Nach den Aufräumarbeiten geht es an den Wiederaufbau der Betriebsräume. Die Malermeister Gerhard Lallinger und Ulrich Stein haben in der Vergangenheit ähnliche Situationen erlebt – auch ihre Betriebe wurden durch Hochwasser zerstört. Was jetzt Betroffene aus ihren Erfahrungen lernen können.

Der Betrieb von Maler Gerhard Lallinger aus Deggendorf wurde 2013 vom Hochwasser zerstört. Er rät den aktuell betroffenen Betrieben, Schäden genau zu dokumentieren und Angebote zu vergleichen. - © privat

Menschen sind gestorben, Autos wurden weggeschwemmt, ganze Dörfer zerstört: Das Hochwasser in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz hat sich gnadenlos genommen, was sich ihm in den Weg stellte. Die Flut traf auch viele Firmengebäude samt Inventar, das Wasser drang ein in Maschinen, Möbel und Fahrzeuge. Viele berufliche Existenzen sind bedroht. Nachdem die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind, geht es bald an den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Dabei sind noch viele Fragen zu klären.

Die Handwerker Gerhard Lallinger und Ulrich Stein können sich gut in die Lage der betroffenen Unternehmer hineinversetzen. Ihre Betriebe wurden 2013 bzw. 2016 bei ähnlichen Katastrophen überflutet und teils vollkommen zerstört. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen, in denen die beiden viele Erfahrungen sammeln konnten – was den Wiederaufbau des Unternehmens betrifft, die Finanzierung, aber auch den persönlichen Umgang mit solchen Katastrophen. Was sie den jetzt betroffenen Handwerksunternehmern raten.

Gerhard Lallinger: Betrieb war komplett zerstört

Malermeister Gerhard Lallinger aus dem niederbayerischen Deggendorf hat das Hochwasser im Jahr 2013 gleich doppelt getroffen. Nicht nur sein Betrieb samt Inventar und Fahrzeugen wurde komplett zerstört, sondern auch sein Wohngebäude. "Wir haben damals nicht einmal mehr einen Kugelschreiber gehabt", beschreibt der Handwerker das Ausmaß der Katastrophe. Der damalige Gesamtschaden belief sich auf rund 2,4 Millionen Euro. Um eine Elementarschutzversicherung hatte sich der Betrieb zuvor vergeblich bemüht.

"Wir haben zunächst 5.000 Euro Soforthilfe bekommen", so Lallinger. "Es wusste aber keiner genau, wie es weitergeht, weil es vorher keine vergleichbare Situation in Deutschland gegeben hatte". Zunächst halfen die 30 Mitarbeiter seines Betriebs dabei, die Geschäftsräume auszuräumen. Maschinen brachte Lallinger zur Reparatur, um möglichst zügig wieder die Arbeit aufnehmen zu können. "Das stellte sich als großer Fehler heraus, weil die Maschinen nach kurzer Zeit wieder kaputt gegangen sind." Auch Materialien wie Gerüste seien nach einigen Jahren verrostet. "Ich kann deshalb jedem nur raten, alles, was unter Wasser stand, wegzuschmeißen und sich Maschinen und Materialien neu anzuschaffen", sagt der Unternehmer.

"Ich kann jedem nur raten, alles, was unter Wasser stand, wegzuschmeißen und sich Maschinen und Materialien neu anzuschaffen."

Malermeister Gerhard Lallinger, Deggendorf

Auch empfiehlt er, das vom Wasserschaden betroffene Betriebsgebäude gründlich von einem Experten auf schädliche Rückstände untersuchen zu lassen. "Wir hatten das Problem, dass sehr viel Heizöl ausgetreten ist und das Mauerwerk verseucht wurde. Hätten wir unsere Mitarbeiter wieder in unsere Räume geschickt, wäre ich als Chef dafür verantwortlich gewesen, wenn sie krank geworden wären."

Hochwasser: Handwerker sollten Schäden genau dokumentieren

Lallinger lies sein Firmengebäude komplett abreißen. Um die Kosten zu stemmen, nahm er öffentliche Fördergelder in Anspruch. Der Unternehmer empfiehlt Betroffenen, sich trotz der chaotischen Umstände Zeit zu nehmen und verschiedene Angebote einzuholen bzw. Kredite gründlich zu vergleichen: "Ich rate auch jedem Betrieb dazu, eine Schadensaufstellung zu machen. Was brauche ich und was kosten mich diese Investionen? Und auch wenn es traurig ist, sollte man Fotos von den Schäden machen und diese genau dokumentieren. Das ist wichtig, denn in Deutschland muss alles genau nachgewiesen werden."

20 Prozent der Schadenssumme musste Lallinger selbst tragen, den Rest habe der Freistaat übernommen. Der Wiederaufbau des Betriebs zog sich über acht Jahre. In dieser Zeit musste der Betrieb weiterlaufen, was eine doppelte Belastung für den Maler darstellte. Aber Lallinger sieht die damalige Situation nicht nur negativ: "Wir haben in dieser Zeit auch neue Kunden gewonnen."

So verdiente seine Firma unter anderem an den Sanierungs- und Aufbauarbeiten. Weil die meisten Gelder im Rahmen von Hilfsprogrammen flossen, mussten die von ihm gestellten Rechnungen bei entsprechenden Stellen zur Prüfung eingereicht werden. "Hier rate ich Handwerkern, lieber viele kleine Rechnungen zu schreiben statt Rechnungen mit großen Summen, um nicht so lange auf die Auszahlung des Geldes warten zu müssen", sagt Lallinger.

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Ulrich Stein: Noch Glück gehabt

Drei Jahre nach den Unwettern in Niederbayern, traf es im Jahr 2016 die Gemeinde Braunsbach im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Eine verheerende Flutwelle riss Autos, Bäume und sogar Brücken mit sich und hinterließ viele zerstörte Gebäude. Auch in die Werkstatt von Maler- und Lackierermeister Ulrich Stein drang das Wasser ein, zerstörte Maschinen und Materialien. Massen von Geröll wurden auf den Platz vor die Betriebsräume angespült. 14 Tage gab es weder Strom noch Wasser.

Malermeister Ulrich Stein - © privat

"Wir hatten aber noch Glück", sagt Stein, der auch Kreishandwerksmeister ist. "Unser Büro im ersten Stock war nicht vom Wasser betroffen, sodass alle unsere Kundendateien erhalten geblieben sind". Auch die Fahrzeuge und ein zweiter Firmensitz wurden von der Flut nicht zerstört. "Deshalb konnten wir nach ein paar Tagen schon wieder die Arbeit aufnehmen".

Vorteilhaft war auch, dass Stein in der Vergangenheit eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen hatte. Wenige Tage nach der Katastrophe sei persönlich jemand in den Betrieb vorbeigekommen, um die Schäden zu begutachten: "Ich habe extrem gute Erfahrungen mit der Versicherung gemacht. Sie haben mir noch an Ort und Stelle angeboten, mir 10.000 Euro auszuzahlen", so Stein.

"Ich habe extrem gute Erfahrungen mit der Versicherung gemacht."

Malermeister Ulrich Stein, Gemeinde Braunsbach

Auch die weiteren Verhandlungen seien gut verlaufen. "Die Heizung musste neu gemacht werden. Ich habe Angebote bei der Versicherung eingereicht, wir haben einen Vergleich gefunden und die Summe war innerhalb von wenigen Wochen da. Ich habe im Umkreis aber auch Fälle erlebt, wo das nicht so reibungslos verlaufen ist", berichtet der Handwerker.

Die Flut spülte massenhaft Geröll vor den Malerbetrieb Stein in Braunsbach an. - © privat

Wiederaufbau der Gemeinde hat viele Jahre gedauert

Um die 30.000 Euro Schadenssumme musste Stein selbst tragen, da die Versicherung keine Elementarschäden für die Werkstatt übernahm. "Als Maler haben wir natürlich auch viel selbst gemacht, zum Beispiel das Gebäude von innen und außen gestrichen", erzählt er. Was die Menschen im Ort jedoch lange in ihrem Alltag begleitete, war der Wiederaufbau der Stadt. Kanalisation, Telefon- und Stromleitungen – all das und mehr musste neu gemacht werden. "Der Wiederaufbau hat mich fünf Jahre lang Nerven gekostet. Ich musste zum Beispiel ständig Umleitungen fahren", so Stein. Er befürchtet, dass die Aufbauarbeiten in den Flutregionen in NRW und Rheinland-Pfalz noch mehr Zeit in Anspruch nehmen werden.

Auch wenn seine Lage nur zu Teilen mit der der aktuell betroffenen Flutopfer vergleichbar sei, rät er Unternehmern, die Geschehnisse nicht nur mit einem weinenden Auge zu betrachten: "Man sollte das Gute aus der Situation mitnehmen. Das wollte zwar keiner, aber man bekommt eine neue Infrastruktur, ein neues Gebäude. Das kann man auch als Chance sehen, nicht wieder in den alten Trott zu verfallen und neu anzufangen." Handwerkern rät er aber auch, sich gut zu überlegen, wo sie ihren Betrieb wieder aufbauen: "Allgemein sollte sich die Gesellschaft fragen, ob es sinnvoll ist, Gebäude direkt an einem Fluss zu bauen."

Hochwasser: Handwerker von Unterstützung überwältigt

Trotz der schwierigen Umstände berichten beide Handwerker auch von postiven Erlebnissen. In Erinnerung geblieben ist ihnen die Solidarität, die in dieser Zeit zum Ausdruck kam: "Die Hilfe am Anfang war gigantisch. Handschuhe, Gummistiefel, Kinderspielzeuge, Geld und vieles mehr wurde gespendet. Ein Großteil davon wurde auch an die verteilt, die keine Versicherungen abgeschlossen hatten. Zudem haben Bund und Land einen Großteil der Kosten für die zerstörte öffentliche Infrastruktur übernommen", berichtet Malermeister Stein. Auch Lallinger erinnert sich gerne an die Hilfsbereitschaft, vor allem unter Handwerkskollegen. Malerbetriebe spendeten ihm Maschinen und Materialien. Ähnliches hat Stein erlebt: "Ich erinnere mich noch gut an einen Anruf aus Dresden von einem Maler, der mir seine Hilfe angeboten hat. Da standen mir fast die Tränen in den Augen."

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