Handwerkerstolz Handwerker gegen Vorurteile: Die Arbeit ist dreckig, aber...

"Zu nass, zu dreckig, zu kalt, zu warm" – viele Vorurteile gegenüber Handwerksberufen halten sich hartnäckig. Dabei können gerade Maurer, Stuckateure, Bäcker oder Friseure besonders stolz auf ihre Arbeit sein. DHZ-Leser räumen mit falschen Annahmen auf – und weiten den Blick für die Bedeutung ihrer Arbeit.

Vorurteile über das Handwerk gibt es viele. Doch welche Annahmen sind falsch, welche übertrieben, welche positiven Aspekte werden oft vergessen und ist den Menschen die Bedeutung des Handwerks überhaupt bewusst? Die DHZ-Community hat viele Antworten gefunden. - © Simple Line - stock.adobe.com

Im Handwerk fehlt es zunehmend an Fachkräften. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Im September waren noch 30.000 offene Lehrstellen gemeldet. Junge Menschen gehen lieber studieren, anstatt eine Ausbildung zu beginnen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem gibt es viele Vorurteile gegenüber dem Handwerk: "Zu schmutzig, zu anstrengend, zu heiß, zu kalt, zu nass. Nur was für Menschen, die kein Abitur schaffen. Keine Karrieremöglichkeiten. Schlechte Bezahlung." Doch wer im Handwerk arbeitet, der sieht seinen Beruf mit ganz anderen Augen und kann bezeugen, dass viele Vorurteile nicht zutreffen. Mehr als das: Eine Studie der IKK Classic zeigte jüngst, dass 80 Prozent der Handwerker glücklich mit ihrer Arbeit sind. In der Gesamtbevölkerung behaupten das nur 55 Prozent von sich.

Die Deutsche Handwerks Zeitung hat ihre Follower auf Facebook und Instagram gefragt, was das Handwerk so besonders macht und wie sich das Bild in der Gesellschaft ändern muss. Auf die Frage "Was würdest Du Dir wünschen, wie Schüler, Eltern oder die Gesellschaft im Allgemeinen das Handwerk wahrnehmen sollten?" kamen zahlreiche Reaktionen, die zeigen, wie stolz Handwerker auf ihren Beruf sind. Hier eine Auswahl.

Elternhaus und Schule müssen handwerkliches Interesse fördern

Mehr Wertschätzung würde das Handwerk erhalten, wenn die Eltern mit gutem Vorbild vorangehen. Da sind sich viele User in den sozialen Netzwerken sicher. Die DHZ-Facebook-Followerin An Joa Snopiablack merkt dazu an: "[…]ich beobachte, dass nicht viele Eltern ihre Kinder zum Handwerk fördern, da muss es ja schonmal losgehen."

Auch Facebook-User Marcel Fetzer kommt auf das Elternhaus zu sprechen. Er mahnt an, das Handwerk nicht leichtfertig geringzuschätzen. Die Gesellschaft müsse die Vorstellung beiseiteschieben, dass handwerkliche Arbeit nur "Drecksarbeit" sei. Natürlich mache man sich mal dreckig und es werde nass auf der Baustelle, aber das sei nicht alles. "Dass viele Heranwachsende oder sogar schon Azubis, kaum Respekt haben oder Lust haben, liegt auch viel an den Eltern", schreibt Fetzer. Handwerk sei eine Kunst und die Kunst sei es nun, die Berufe wieder attraktiv zu machen. "Dazu gehört auch der Umgang mit unserem Nachwuchs."

Einen konkreten Vorschlag, wie der Nachwuchs in der Schule an das Handwerk herangeführt werden kann, hat Christian Reder. Er schreibt: "Ab dem 6. Schuljahr zweimal im Schuljahr Praktikum. Dann wüssten die jungen Leute in der 10. Klasse, wo die berufliche Reise ungefähr hingeht."

Instagram-Nutzer bernd_heier meint, dass anstatt "aufgesetzter Marketing-Strategien" mehr Ehrlichkeit vorherrschen müsse. Mit einer "herzlichen Offenheit" könnten Handwerker viele neue Mitarbeiter gewinnen.

Kachel: Was würdest du dir wünschen...
Das hat die Deutsche Handwerks Zeitung ihre Follower auf Facebook und Instagram gefragt. - © DHZ

Facebook-User Ro Gro ergänzt, dass das Handwerk den gleichen Respekt wie eine akademische Ausbildung verdient habe. Facebook-User Ceozwei führt diesen Punkt weiter aus: "Das Handwerk, handwerkliche Berufe, müssen mit akademischer Bildung gleich gestellt und genauso massiv gefördert werden."

Politische Gleichbehandlung mit akademischer Arbeit gefordert

Ceozwei prangert zudem an, dass die Politik stärker unterstützen muss. "Das Handwerk ist systemrelevant. Die Menschen in den Berufen, die mit Händen, Kopf und Herz sich an die Arbeit machen, erbringen die Leistungen, die die Energiewende überhaupt erst möglich machen. Berliner Hirnfürze dämmen nicht Häuser und bauen auch keine Wärmepumpen ein. Dazu braucht es Gelernte. Eine rare Spezies im Regierungsviertel."

Christian Kersch pflichtet ihm bei: "Jahrelang hat die Politik gepredigt, dass Studienabbrecher noch gut genug fürs Handwerk sind, das stimmt so nicht! Jetzt demonstriert die Politik gerade selbst, wozu Studienabbrecher in der Lage sind. Zu nichts!" Kersch hat aber auch Hoffnung, dass sich die Wahrnehmung bald ändert: Der Handwerksmeister sei verbriefte Qualität und Verlässlichkeit seit Jahrhunderten. Dies seien Werte, nach denen sich eine Gesellschaft in schwierigen Zeiten sehne. "Die Wahrnehmung wandelt sich und unsere Beständigkeit zahlt sich aus", schreibt Kersch.

Einen Schritt zurück in die Vergangenheit und zu den "Versäumnissen" der 90er und 2000er Jahre macht User Peter Schulze. Er schreibt, er ist seit 1982 im Handwerk tätig und habe mitbekommen, wie in den 90er Jahren tausende Handwerker gefeuert wurden, um die Arbeit von "billigen" Osteuropäern machen zu lassen. "In den 2000ern haben Schröder und Peter Harz dafür gesorgt, dass die letzten Handwerker mit den Füßen getreten wurden", sagt Schulze. Als Beispiele nennt er die Überlassung von Arbeitskräften, sprich Leiharbeit. Schlechtwettergeld, sogar Karenztage wurden wieder kurzfristig eingeführt, schreibt er. Es sei auch nicht mehr ausgebildet worden. "Wir mussten mit dem Privat-PKW weit zu Baustellen anfahren. Weihnachtsgeld war ein Traum", erinnert sich Schulz und er fragt sich: "Was macht nun das Handwerk attraktiv?"

Verbraucher müssen Wert der handwerklichen Arbeit erkennen und bezahlen

Eine Antwort darauf bietet zum Beispiel Instagram-User wirbeivoss "Gemeinsam etwas zu (er-)schaffen ist inspirierend, motivierend und macht stolz! Die Chance, im Handwerk täglich zufrieden aufzustehen und sich auf die Arbeit zu freuen, ist im Handwerk sehr hoch. Das sollten alle wissen!" Damit das Bild in der Öffentlichkeit besser wird, müssten aber auch Eltern und Lehrer das Handwerk als Chance begreifen. "Wir würden uns wünschen, dass die Vielfalt, die tägliche Abwechslung, das Miteinander im Team, die guten Karrierechancen und die Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen, gesehen werden!"

Dass die Sache mit dem Geld manchmal nicht so einfach ist, schreiben wiederum andere User. Vor allem die Kunden müssten besser über die Zusammensetzung der Preise informiert und bereit sein, für handwerkliche Arbeit auch mal mehr zu bezahlen.

So schreibt zum Beispiel Rene Krombholz: "In den Köpfen der Menschen ist nahezu jeder Handwerker zu teuer. Wer bringt aber Wucherern und Menschen, die sich die Tasche voll machen, schon gern Wertschätzung entgegen?" Erst wenn die Menschen lernten, dass von den 100 Euro, die man an der Kasse des Friseursalons zahlt, über 80 Euro für Betriebskosten draufgehen und nicht umgekehrt, würden wieder Verständnis, Respekt und Vertrauen einkehren.

Produktveredelung_konditourei schreibt auf Instagram, dass die Wertschätzung für handwerklich hergestellte Lebensmittel zu gering sei. "Ich würde mir wünschen, dass auch im Lebensmittelhandwerk wirklich Geld zu verdienen ist. Sodass wir eine Chance haben, unserem Nachwuchs etwas zu bieten."

Dazu sei es auch wichtig, dass die Medien ein besseres Bild von Handwerkern zeichnen, schreibt Facebook-Userin Frau Be: "Ich würde mir wünschen, dass die Medien das Handwerk nicht als Sklaventreiberei bezeichnen. Handwerk ist einfach nur arbeiten mit Hirn und Körper. Aber ja, das ist nun eben nicht für jedermann was."

Handwerk ist systemrelevant

Ein anderer Aspekt, der vielen Usern sehr wichtig ist, ist die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks. Das Handwerk müsse wieder als das betrachtet werden, was es ist: "Der Motor", schreibt Sabine Klösgen "Ohne Bäcker, Metzger, Schuster, Schneider, Friseur, Schlosser, alle Bauhandwerke etc. läuft nichts." "Das Handwerk hält unter anderen unser Land am Laufen, dies sollte jeder mal hinterfragen", pflichtet auch rualtexgmbh bei.

Auch die regionale wirtschaftliche Bedeutung müsse wieder in den Vordergrund rücken, schreibt tom-the-baker auf Instagram: "Handwerker sollten wie früher, die Heldinnen und Helden von nebenan sein. Das Handwerk muss als Ort gesehen werden, an dem Menschen auch in ihrem Heimatort, ihre Zukunft kreieren können, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. Die Gesellschaft muss wissen, dass wir unsere Regionen nur dann stärken können, wenn die Menschen in den örtlichen Betrieben arbeiten und die Gemeinschaft bei den Handwerker*innen vor Ort die Leistungen in Anspruch nehmen."

Handwerker sind stolz auf ihre Arbeit

Und schließlich wünschen sich die meisten User mehr Stolz und Respekt für Ihre Arbeit. Thomas Rodens beschreibt das Handwerk als "kreativ, cool, Werte schaffend!" Und laut Jacky Gerschler müssten Handwerker endlich verstehen, dass auch ihr Fachwissen von Wert ist.

"Die handwerkliche Leistung sollte mit Respekt betrachtet werden", schreibt ergänzend Andreas Simontowski auf Facebook, "Also, wenn du irgendwas zerstörst oder anders vernichtest, frage dich zuerst, wie das hergestellt wurde oder ob du in der Lage bist, es selbst herzustellen."

Der Meinung ist auch Dennis Wolfram. Er schreibt: "Mit entsprechender Achtung und Wertschätzung. Handwerk ist ab und an kalt, dreckig, laut. Aber du schaffst dort auch was."

Auch auf Instagram ist der Handwerkerstolz ein Thema: monument bau schreibt, das Handwerk sei "ehrbar, aufrecht, unabdingbar und unabkömmlich" und biete zudem tolle Aufstiegsmöglichkeiten.

Instagram-Nutzerin hansen_birte schreibt, das Handwerk müsse "als coole, traditionelle und gleichzeitige Chance, unser aller Leben zu gestalten" betrachtet werden. "Handwerk ist die Grundlage für alles. Nicht jeder muss studieren und nicht umsonst heißt es, dass Handwerk goldenen Boden hat. Handwerk ist und bleibt unverzichtbar."

"Es sollte wieder den Stellenwert in der Gesellschaft bekommen, dass es über Jahrhunderte hatte – respektiert und anerkannt", fordert wiederum Jan Schabronat auf Facebook. Dies könne aber nur gelingen, wenn der Stolz auf das mit den eigenen Händen Geschaffene wieder wachse. Handwerker seien keine überteuerten "Helfershelfer", sondern ein wichtiger Teil der Gesellschaft, so Schabronat weiter. Man müsse sich zwar schmutzig machen, aber es lohne sich.

Und schließlich plädiert Karin Ittlinger dafür, die Hoffnung nicht zu verlieren. "Es wird gar nicht mehr allzu lange dauern und das Handwerk bekommt seinen Stellenwert von ganz alleine zurück", schreibt sie auf Facebook. "Von der digitalen Welt und einer Computertastatur kann man nicht runter beißen!" Man könne dankbar sein, einen Bäcker, Metzger oder Dachdecker zu kennen.

Anm. d. Red.: Einige Kommentare wurden von der Redaktion in Rechtschreibung und Grammatik leicht angepasst, ohne den Sinn zu verändern.