Die Konjunktur im Handwerk ist im Jahr 2014 stark wie selten. Der Geschäftsklima-Index, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der Betriebe misst, liegt nach dem zweiten Quartal 2014 bei 89 Punkten und damit auf einem Höchststand. Dieser Wert wurde nur 2011 erreicht und seit 20 Jahren nicht mehr übertroffen.
Marco Wenz und Lothar Semper
Im Handwerk zeigt die konjunkturelle Grundtendenz weiter nach oben. Das ergeben die Einschätzungen von rund 4.000 Betrieben, die die Deutsche Handwerks Zeitung ausgewertet hat. Danach sind sie mehr als zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Der Indikator für die aktuelle Stimmung legte binnen Jahresfrist um zwei auf 88 Punkte zu. Das Geschäftsklima kletterte auf 89 Punkte.
Öffentliche Hand knausert
Vor allem an der privaten Baunachfrage und am Konsum der Deutschen gibt es auch wirklich nichts auszusetzen. Dagegen ist die verhaltene Kreditnachfrage deutscher Firmen ein Beleg dafür, dass die Investitionsgüterkonjunktur erst im Begriff ist, richtig Fahrt aufzunehmen. Und auch die öffentliche Hand müsste deutlich mehr und gezielter investieren – in Straßen, Netze und Bildungsstätten. Angesichts sprudelnder Steuerquellen hätte der Staat genügend Spielraum, die Sanierung der Infrastruktur entschlossen anzupacken.
Die Auslastung hat sich im Frühling nur moderat ausgeweitet. Mit 79 Prozent wurde das Ergebnis aus dem zweiten Quartal 2013 dennoch eingestellt. 34 von 100 Betrieben waren zu über 90 Prozent ausgelastet. Im Ausbaugewerbe galt dies für fast die Hälfte.
Bei der Bewertung der Umsätze überwog im zweiten Quartal eindeutig das positive Spektrum. 28 Prozent setzten mehr um, 54 Prozent hielten ihr hohes Niveau. Zwar gibt es noch keine amtlichen Zahlen zu den absolut erzielten nominalen Umsätzen, aller Voraussicht nach schlossen sie aber merklich oberhalb der Vorjahresmarke ab.
Das Handwerk könnte den Umsatz noch stärker steigern, allerdings fehlt dafür das nötige Personal. So verkündete der Zentralverband der Elektro- und IT-Handwerke im Frühling, 27.000 Elektrofachkräfte würden gesucht. Und ein großer Sanitärhersteller beklagte, der Mangel an Installateuren begrenze das eigene Wachstum.
Viele neue Aufträge
Immerhin konnten im Berichtszeitraum 13 Prozent der Handwerksbetriebe bei der Beschäftigung zulegen; neun Prozent meldeten eine schrumpfende Belegschaft. Der Saldo – plus vier Prozentpunkte – ist gegenüber dem Frühling 2013 unverändert.
Als Folge des milden Winters und der hohen Auslastung am Bau drohte zu Beginn des Frühlings ein Auftragsloch, zumal die öffentliche Hand geplante Maßnahmen vorgezogen hatte und dann Anschlussaufträge fehlten. Die Lücke scheint sich aber geschlossen zu haben, der Auftragseingang verlief saisontypisch.
Jeder vierte Betrieb holte mehr Aufträge ein, bei 55 Prozent war es konstant. Die Reichweite der Auftragsreserven legte bis Ende Juni auf 1,8 Monate zu. Trotz schwungvoller Nachfrage hielt sich der Preisauftrieb in Grenzen. So wurden Ausbauleistungen im zweiten Quartal auf Jahressicht um 1,9 Prozent teurer.
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