Das Handwerk ist positiv gestimmt. Neun von zehn Firmen rechnen mit "guten" oder "zufriedenstellenden" Geschäften für das laufende dritte Quartal. Vor allem im Bau läuft es gut. Aber auch das Zulieferhandwerk und das Kraftfahrzeuggewerbe erholen sich.
Dem schönen Wetter und dem späten Ostertermin ist es zu verdanken, dass die Geschäfte im Lebensmittelhandwerk im Frühling ausgezeichnet liefen. Auch im Baugewerbe war die Stimmung bestens. Spürbar aufgeholt haben Zulieferer und Gewerbedienstleister. Sie stehen am Anfang einer zyklischen Konjunkturerholung.
Bauhauptgewerbe
Im Bauhauptgewerbe haben 89 Prozent der Betriebe ihre Lage für gut oder befriedigend befunden. Vor allem die Nachfrage nach neuen Mehrfamilienhäusern ist ungebrochen. Neben dem Wohnungsbau ist nun auch der Wirtschaftsbau auf Touren gekommen. In den ersten vier Monaten des Jahres verzeichnete die amtliche Statistik in diesem Segment Auftragseingänge, die um zehn Prozent über Vorjahr lagen. Nur im öffentlichen Bau ist die Auftragsentwicklung enttäuschend, zumal der Zustand der Infrastruktur keinen Zweifel am Sanierungsbedarf lässt.
Ausbaugewerbe
Das Ausbaugewerbe hat ebenfalls viel zu tun. Der Bedarf an innovativer Gebäudetechnik und Vernetzung ist groß, zudem wächst das Interesse an dezentraler Energieerzeugung. Dementsprechend voll sind die Auftragsbücher bei Elektro- und Installationsfirmen. Alles in allem blieb bei 54 Prozent der Ausbaubetriebe die Nachfrage stabil, 27 Prozent zogen sogar mehr Aufträge an Land als im ersten Vierteljahr 2014.
Kraftfahrzeuggewerbe
Der Autohandel kommt auf Touren. Bislang kaufen jedoch nur Gewerbetreibende mehr Autos als 2013. Angesichts besserer Einkommen und neuer Modelle hatten Fachleute ein gesteigertes privates Kaufinteresse erwartet. Von April bis Juni wurden 826.500 Pkws neu registriert – ein Minus von 0,3 Prozent. Dabei waren Oberklasse-Modelle begehrter als Kleinwagen. Luft nach oben sehen die Kfz-Betriebe auch beim Blick auf die Werkstattauslastung.
Lebensmittelhandwerk
91 Prozent der Betriebe im Lebensmittelhandwerk waren im zweiten Quartal mit dem Geschäftsverlauf zufrieden.
34 Prozent erzielten höhere Umsätze, gemessen am Eröffnungsquartal 2014. Einer der Gründe: In diesem Jahr fiel das Ostergeschäft komplett in den April. Danach sorgte das schöne Wetter, das zahlreiche Anlässe zum Grillen und Feiern im Freien bot, für Impulse. Außerdem ist das Lebensmittelhandwerk sehr erfolgreich im Snack-Verkauf; die Bäckereien sind Marktführer unter den Quick-Service-Restaurants.
Ebenfalls freuen kann sich die Branche über eine Untersuchung der GfK: Danach sind Verbraucher bereit, für regionale Lebensmittel höhere Preise zu zahlen. Dabei zählen die Frische der Waren und auch die kürzeren Lieferwege sowie die Unterstützung der heimischen Wirtschaft.
Handwerk für gewerblichen Bedarf
Das Handwerk für gewerblichen Bedarf, zu dem unter anderem Maschinenbauer, Werkzeugmacher oder Feinmechaniker gehören, meldet einen tendenziell stagnierenden Auftragsbestand. Aber es gibt eine Verbesserung bei Auslastung und Umsatz. Dementsprechend geben nur noch 13 Prozent ihrer Gesamtsituation schlechte Noten.
Die Investitionsgüterhandwerke gehen davon aus, dass die steigende Auslastung der deutschen Wirtschaft zunehmend Ersatzbeschaffungen und Erweiterungsinvestitionen unumgänglich macht. Dabei dürfte helfen, dass Unternehmen relativ leicht an Kredite kommen. Allerdings richtet die Industrie ihr Augenmerk stärker auf neue Produktionsstandorte im Ausland.
Handwerke für privaten Bedarf
Die Handwerke für privaten Bedarf profitieren von der steigenden Nachfrage der Seniorenschaft. Freizeit, Gesundheit und Pflege stehen hoch im Kurs. 32 Prozent der Betriebe registrieren gute Geschäfte, 52 Prozent sind nicht unzufrieden. Im Friseurhandwerk ließen sich leichte Preiserhöhungen nach Einführung eines Mindestlohns am Markt durchsetzen. Gleichzeitig blieb der Konkurrenzkampf hart. Aus Sicht der Friseursalons sorgt die erhebliche Zahl von Kleinstunternehmen, die wegen niedriger Umsätze von der Mehrwertsteuer befreit sind, für Wettbewerbsverzerrungen. we/los