Gewerbeertrag berechnen Gewerbesteuer: Wird der Messestand mitberechnet?

Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags zur Festsetzung der Gewerbesteuer müssen Zinsen, Mieten für unbewegliche und für bewegliche Gegenstände sowie Ausgaben für Lizenzen dem Gewerbeertrag anteilig wieder zugerechnet werden. Das Finanzamt erhöhte bisher den Gewerbeertrag auch anteilig um Mieten für einen Messestand. Zu Unrecht, wie der Bundesfinanzhof nun klarstellte.

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Die Mietkosten für einen Messestand müssen dem Gewerbeertrag nur unter bestimmten Bedingungen zu 50 Prozent zugerechnet werden. - © H_Ko - stock.adobe.com

Grundsätze der gewerbesteuerlichen Mathematik

Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags rechnet das Finanzamt zum Gewinn aus Gewerbebetrieb bestimmte Betriebsausgaben nach § 8 Nr. 1 GewStG anteilig wieder hinzu. Es geht vor allem um Schuldzinsen für Darlehen oder andere Verbindlichkeiten, um Miet- und Lizenzausgaben. Die Hinzurechnung erfolgt nach folgendem Schema:

+/-Hinzurechnung GewerbeertragAnteilig (Prozent)Betrag (Euro)Summe (Euro)
Gewinn aus Gewerbebetrieb........
+Schuldzinsen 100........
+Gebühren unbewegliche Wirtschaftsgüter 50........
+Gebühren bewegliche Wirtschaftsgüter 20........
+Lizenzzahlungen 25 ........
-Freibetrag von 200.000 Euro200.000
+Verbleibender Hinzurechnungsbetrag x 25 Prozent........ ........
Gewerbeertrag neu ........ Euro
Berechnung Gewerbeertrag

Wichtig zu wissen: Die Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG ist für einen Handwerksbetrieb also nur nachteilig und führt zu einer Erhöhung des Gewerbeertrags und damit zu einer Erhöhung der Gewerbesteuerbelastung, wenn die anteiligen Hinzurechnungen über dem Betrag von 200.000 Euro liegen.

Gewerbesteuerlich Hinzurechnung von Mieten für Messestandflächen auf dem Prüfstand

Für die Finanzverwaltung war bisher klar, dass die Miete für einen Messestand nach den dargestellten Grundsätzen zu 50 Prozent dem Gewerbeertrag hinzuzurechnen ist. In verschiedenen Verfahren wurden unterschiedliche Urteile gesprochen. Doch im März hat sich der Bundesfinanzhof klar positioniert und sich gegen die Hinzurechnungen von Messekosten ausgesprochen (BFH, Beschluss vom 23. März 2022, Az. III R 14/21; Pressemitteilung des BFH, Nr. 027/22 vom 23. Juni 2022).

Begründung der Münchner Richter: Die als Betriebsausgabe verbuchte Miete für eine Messestandfläche muss dem Gewerbeertrag nur dann zu 50 Prozent zugerechnet werden, wenn die Messestandfläche bei unterstelltem Eigentum beim ausstellenden Betrieb zu dessen Anlagevermögen gehören würde. Das wurde jedoch verneint. Bei einem Unternehmen, das zwar regelmäßig seine Produkte und Dienstleistungen auf Messen vorstellt und dazu Messeflächen anmietet, läge bei fiktiver Betrachtung kein Anlagevermögen des Ausstellers vor. Die Tätigkeit eines Unternehmens und Handwerksbetriebs setzt nämlich das dauerhafte Vorhandensein der entsprechenden Messestandfläche nicht voraus.

Verhaltensknigge bei Streitigkeiten mit dem Finanzamt

Liegen die anteiligen Hinzurechnungen für Zinsen, Lizenzen und Mieten über dem Freibetrag von 200.000 Euro und das Finanzamt möchte im Rahmen der Bearbeitung der Steuererklärung oder im Rahmen einer Betriebsprüfung anteilige Mieten für einen Messestandfläche hinzurechnen, sollte dezent auf den aktuellen Beschluss des Bundesfinanzhofs hingewiesen werden. Bleibt es trotz des BFH-Beschlusses bei der anteiligen Hinzurechnung, muss gegen den Gewerbesteuermessbescheid des Finanzamts Einspruch eingelegt werden.

Praxis-Tipp: Ein Einspruch nur gegen den Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde würde ins Leere laufen. Denn die Grundlagen für die Ermittlung der Gewerbesteuer setzt das Finanzamt fest, nämlich den Gewerbeertrag und den Gewerbesteuermessbetrag. Eine Änderung des Gewerbesteuerbescheids setzt immer eine Änderung des Gewerbesteuermessbetrags-Bescheids (= Grundlagenbescheid) voraus.