Rund 90 Prozent aller Bäcker und Konditoren in Deutschland kaufen über den Rohstofflieferanten Bäko ein. Sie alle sind gemeinsam in einer Genossenschaft organisiert – bisher aufgeteilt in eine Nord- und eine Süd-Gruppe. Die Fusion ist im Juni geplant und soll rückwirkend zum 1. Januar gelten.
Jana Tashina Wörrle

In Deutschland gibt es immer weniger einzelne Handwerksbäcker, dafür wächst bei einigen bestehenden Betrieben die Zahl der Filialen. Die Strukturen im backenden Handwerk – denn auch die Konditoren sind betroffen – verändert sich. Und nicht nur das: Denn auch der Wettbewerbsdruck durch die Lebensmittelindustrie nimmt zu und hat Einfluss auf die Preise. So wird der Einkauf für die Betriebe wichtiger und vor allem die Frage danach, wo Rohstoffe in guter Qualität zuverlässig und zu fairen Preise erhältlich sind.
Rohstoffeinkauf: Verhandlungsposition verbessert
Früchte, Kakao, Kaffee und Nüssen, Mehl und andere Getreideprodukte, Hefe und viele weitere Backzutaten kaufen viele Betriebe des backenden Lebensmittelhandwerks deshalb schon seit Jahrzehnten gemeinsam ein – organisiert in Einkaufsgenossenschaften. Die mit Abstand größte derartige Organisation ist der Großfachhändler Bäko. Mindestens 90 Prozent aller Bäckereien in Deutschland sind nach Angaben des Zentralverbands des Deutsche Bäckerhandwerks Mitglieder in dieser Genossenschaft und beziehen den Großteil ihrer Zutaten über die Bäko.
War diese bislang in zwei Zentralen und damit zwei Unternehmen aufgeteilt, so soll sich das rückwirkend zum 1. Januar 2018 ändern. Die Bäko-Zentrale Nord eG und Bäko-Zentrale Süddeutschland eG planen bereits seit Monaten ihre Fusion und wollen dies Jahr umsetzen. Am 19. September haben die Aufsichtsräte aus Süd und Nord den vorgelegten Eckpunkten zugestimmt weiter in die Fusionsverhandlungen einzusteigen und haben über eine Pressemitteilung die Öffentlichkeit informiert, dass es bald soweit sei und dass dann die neue Bäko-Zentrale eG entsteht. In einer weiteren Pressemitteilung heißt es nun die Vorbereitungen laufen gut voran und der Vertrag über die Fusion solle im Juni 2018 offiziell unterzeichnet werden.
Als Grund nennen die bislang noch getrennt arbeitenden Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung den Strukturwandel und die Marktveränderungen der letzten Jahre. Formal wird am 1. Januar 2018 die Bäko-Zentrale Nord eG die Zentrale im Süden übernehmen. Geplant sei die Schaffung einer neuen Zentraleinheit der gesamten Bäko-Gruppe und Basis gemeinsamen Handelns mit Sitz in Duisburg und Betriebsstätten in Duisburg, Ladenburg, Nürnberg und Rellingen. Fusionsbedingte Kündigungen von Mitarbeitern soll es nicht geben.
Bäckerpräsident erwartet sinkende Kosten
Das Bäckerhandwerk bewertet die Pläne der Bäko, die die Genossenschaft von den Generalversammlungen 2018 rückwirkend zum 1. Januar 2018 beschließen lassen will, als durchweg positiv. So sieht der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerk, Michael Wippler, dass durch die Fusion eine noch bessere Marktposition entstehen wird. "Die Ankündigung der Bäko hat eine große Relevanz für uns und die Konditoren", sagt Wippler und verweist auf den starken weltweiten Preisdruck beim Rohstoffeinkauf.
Zwar hat die Bäko in Deutschland bereits eine sehr gute Marktstellung. Als bundesweit zentrale Einkaufsorganisation könne sie ihre Verhandlungsposition gegenüber den Rohstofflieferanten jedoch noch stärken – immerhin stehen alleine etwa 13.000 Betriebe als Mitglieder hinter der Bäko. Die Zahl der angeschlossenen Backbetriebe ist 2017 um drei Porzent gegenüber dem gesunken. Wippler geht deshalb auch davon aus, dass durch die Fusion das Preis-Leistungsverhältnis optimiert wird.
Entstanden sind die Organisationen, die den Grundstein der Bäko legten bereits in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts in Mainz, Kassel, Mogendorf und Worms. Damals schlossen sich erstmals Bäckermeister zu Genossenschaften zusammen, um gemeinsam günstiger einkaufen. Das hat sich bis heute gehalten – zumindest für die große Mehrheit der deutschen Bäcker. Nur einzelne kaufen laut Wippler direkt bei den Rohstofflieferanten ein oder bei privatem Großhandel.