Hohe Belastung, wenig Vertrauen Familie, Arbeit, Finanzen: Mütter sehen sich stark belastet

Besonders Mütter befinden sich aktuell in einer Zwickmühle zwischen Arbeitsleben und Familie, so eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Die geplante Kindergrundsicherung könnte einen wichtigen Schritt für Familien bedeuten. Doch auch Arbeitgeber sind gefordert.

Viele Frauen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, zeigt eine Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. - © nicoletaionescu - stock.adobe.com

Arbeitssuchende und erwerbstätige Mütter sind unzufrieden mit der aktuellen Politik, da sie sich benachteiligt gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen fühlen. Der Fokus sollte nicht nur auf der Erwerbsarbeit liegen, sondern auch auf der Sorgearbeit. Dies folgern Forscher des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus der aktuellen Welle der Erwerbspersonenbefragung. Befragt wurden dafür rund 5.100 Personen – Männer und Frauen.

Knapp 30 Prozent der befragten Mütter fühlen sich demnach stark belastet – der höchste Wert im Vergleich mit Vätern sowie kinderlosen Männern und Frauen. Rund 34 Prozent aller befragten Mütter gaben im letzten Jahr an, dass sie kein Vertrauen in die aktuelle Politik hätten. Ein Jahr zuvor waren es noch 16 Prozent gewesen.

Angespannte Finanzlage

Nicht nur in der Arbeitswelt haben Mütter Probleme und Sorgen, sondern auch in den Bereichen Finanzen und Familie, ergibt die Auswertung der Studie. 40 Prozent der Mütter sprachen von starken finanziellen Belastungen. Unter allen Befragten waren es 27 Prozent, zeigen die Forschungsergebnisse.

Die Hans-Böckler-Stiftung zitiert die Soziologin und wissenschaftliche Direktorin des WSI, Bettina Kohlrausch, mit der Einschätzung, Familien würde zu viel Bürokratie aufgebürdet. Eine Lösung in ihren Augen ist die von der Politik geplante Kindergrundsicherung. Sie solle bessere Leistungen ermöglichen und Hürden abräumen, erläutert Kohlrausch.

Wie aus einem Eckpunktepapier des Bundesfamilienministeriums hervorgeht, soll die Kindergrundsicherung verschiedene Sozialleistungen wie das Kindergeld oder den Kinderzuschlag in einer bündeln und diese unbürokratisch gewähren. Bis das erste Geld fließt, müssen sich Familien noch gedulden. Das Familienministeriums rechnet mit einer Umsetzung bis zum Jahr 2025.

Gerechte Lastenverteilung: Auch Arbeitgeber in der Pflicht

63 Prozent der Frauen gaben bei der WSI-Umfrage an, sie sorgten für ihre Kinder. Dagegen sagten nur etwa sechs Prozent der befragten Männer, sie würden sich um den Nachwuchs kümmern. Würden sich Männer mehr in den Haushalt und bei der Betreuung der Kinder einbringen, sei eine faire Aufgabenverteilung möglich, so die Forscher.

Doch nicht nur die Aufgabenverteilung in den Familien spielt laut Kohlrausch eine Rolle. So müssten sowohl Arbeitgeber als auch die Politik bessere Voraussetzungen für ausgewogene Erwerbschancen schaffen. "Hierzu gehört auch, in den Betrieben Maßnahmen für mehr Arbeitszeitsouveränität und Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen und einer zunehmenden Verdichtung von Arbeit entgegenzuwirken."

Die Ergebnisse der Böckler-Stiftung decken sich mit anderen Studien. Würde man Frauen stärker ins Arbeitsleben einbeziehen, könnte man den aktuell herrschenden Fachkräftemangel eher in den Griff bekommen und bewältigen. Eine Studie der Wirtschaftshistorikerin Alexandra de Pleijt von der Universität Wageningen in den Niederlanden und des Wirtschaftshistorikers Jörg Baten von der Universität Tübingen zeigten zuletzt, dass sich die Wirtschaft in jenen Ländern Europas verbessert hat, in denen Frauen später heirateten. Sie hätten so mehr Zeit, beruflichen Tätigkeiten nachzugehen und seien weniger durch den Haushalt eingeschränkt. mar