Arbeitsrecht "Der geht nicht ran": Müssen Angestellte im Urlaub erreichbar sein?

Der Chef hat ein dringendes Anliegen und ruft seinen Mitarbeiter an. Der drückt ihn weg, weil er im Urlaub weilt. Darf er das? Und was gilt in einem betrieblichen Notfall oder bei entsprechenden Klauseln im Arbeitsvertrag? Antworten aus dem Arbeitsrecht.

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Arbeitnehmer müssen im Urlaub nicht auf E-Mails oder Anrufe reagieren. Die gelebte Praxis ist jedoch eine andere. - © Rock and Wasp - stock.adobe.com

Angestellte müssen im Urlaub nicht für ihren Arbeitgeber erreichbar sein, wie der Bund-Verlag mit Verweis auf das Bundesurlaubsgesetz erklärt.

An freien Tagen müssen Mitarbeiter demnach komplett von der der Arbeit entbunden sein. Telefonate oder E-Mails zu beantworten, würde dem Erholungszweck des Urlaubs entgegenstehen.

Klauseln im Arbeitsvertrag teilweise unzulässig

Auch Klauseln im Arbeitsvertrag, die eine Erreichbarkeit des Arbeitnehmers im Urlaub regeln, erlauben dem Arbeitgeber nicht zwingend die Kontaktaufnahme. Einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2000 (Az. 9 AZR 405/99) zufolge, seien derartige Vereinbarungen in Arbeitsverträgen regelmäßig unzulässig. Das gilt laut Bund-Verlag jedenfalls für die 24 Werktage, die jedem Angestellten als gesetzlicher Mindesturlaub zustehen.

An allen Urlaubstagen, die vom Arbeitgeber darüber hinaus freiwillig gewährt werden, sind vertragliche Sonderregeln möglich. Hier könnten Arbeitgeber dann verlangen, dass Arbeitnehmer auch im Urlaub erreichbar sind. 

Das gilt im Notfall

Neben solchen Sonderklauseln im Arbeitsvertrag gibt es einige Ausnahmesituationen, in denen die Kontaktaufnahme durch den Arbeitgeber legitim sein kann. Das gilt beispielsweise dann, wenn nur der Beschäftigte ein dringend benötigtes Passwort kennt oder ein ähnlich dringender Notfall eintritt.

Arbeitsrechte Konsequenzen nicht möglich

Arbeitsrechtliche Konsequenzen sind übrigens nicht möglich, wenn ein Arbeitnehmer einen Anruf vom Arbeitgeber ignoriert. Eine verhaltensbedingte Kündigung setzt immer eine vorherige Abmahnung voraus. Ein Verstoß gegen arbeitsrechtliche Pflichten kann Beschäftigten im Urlaub aber gar nicht vorgeworfen werden.

Viele Arbeitnehmer dennoch im Urlaub erreichbar

Obwohl arbeitsrechtlich in den meisten Fällen keine Verpflichtung dazu besteht, sind rund zwölf Prozent der Arbeitnehmer auch während des Urlaubs durchgehend für ihren Arbeitgeber erreichbar. Fünf Prozent gaben bei einer Umfrage des Jobportals Indeed sogar an, im Urlaub regelmäßig geschäftlich zu telefonieren und E-Mails zu beantworten. Ein Drittel ist der Studie zufolge zumindest in Ausnahmefällen für Chef und Kollegen zu erreichen. dpa/fre